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Geschichtswerkstatt ehrt im Jubiläumsjahr ersten Ortschronisten von Neukieritzsch

Heimatgeschichte Geschichtswerkstatt ehrt im Jubiläumsjahr ersten Ortschronisten von Neukieritzsch

Im Jubiläumsjahr 175 Jahre Neukieritzsch würdigt der Verein Geschichtswerkstatt die heimatgeschichtliche Tätigkeit von Gustav-Ernst Ehrler. Der Lehrer gilt als erster Ortschronist der Gemeinde.

Dokumente aus einem Lehrerleben: Ernst Ehrler gilt als erster Ortschronist von Neukieritzsch.

Quelle: Roger Dietze

Neukieritzsch. Man schreibt den 19. September des Jahres 1842. Auf der Linie Leipzig-Altenburg der Sächsisch-Bayerischen Eisenbahn hält gegen 8.30 Uhr ein Zug an einer Station im Nirgendwo auf Pürstener Flur. Ein Ereignis, das seine lokalgeschichtliche Bedeutung aus dem Umstand gewinnt, dass dieser Zug-Stopp als Geburtsstunde des Ortes Kieritzsch gilt.

Grund genug, das 175-jährige Bahnhofs- und Ortsansiedlungs-Jubiläum in diesem Jahr angemessen zu feiern. Mit von der Partie in der Festwoche vom 19. bis 24. September wird auch der vor sieben Jahren gegründete Verein Geschichtswerkstatt sein, der am Sonnabend in sein Domizil in der ehemaligen Schule in der Alten Poststraße eingeladen hatte. Um dort eine kleine Ausstellung zu Gustav-Ernst Ehrler zu präsentieren. Jenem langjährigen Lehrer und zeitweiligen Schulleiter, dessen Chronisten-Tätigkeit die Kommune zentrale Dokumente der Entwicklung Neukieritzschs seit der Namensgebung im Jahr 1935 verdankt.

Der 1893 in Erlbach geborene Ehrler hatte in den 50er-Jahren einen 120 Schreibmaschinen-Seiten umfassenden Vortrag über Neukieritzsch erarbeitet und sich mit diesem 1959 an einem Wettbewerb in Berlin beworben, bevor er die Dokumente, zu denen unter anderem über 50 Dias gehörten, in den 70er-Jahren dem Gemeindearchiv übergab. „Leider sind zwar über die Jahre einige der Dias verloren gegangen, nichtsdestotrotz ist die Sammlung für uns von großem Wert“, berichtet der Vize-Vereinsvorsitzende Gerd Janietz (66). Am Sonnabend zeigte der Verein erstmals seit vielen Jahren einige der Fotodokumente einem interessierten Publikum. Unter den Gästen befand sich mit Ortrun Stauch auch die jüngere der beiden Töchter von Gustav-Ernst Ehrler. Die 76-Jährige, die nahe Sonneberg lebt, zeigte sich glücklich über das Engagement der Geschichtswerkstatt-Akteure, das Andenken ihres Vaters auf diese Art und Weise zu würdigen. „Mein Vater war ein Mensch mit einem eigenen Willen, und er hat sich nicht gescheut, seine Meinung zu sagen.“

Eine Charaktereigenschaft, die mit sich brachte, dass ihr Vater seinen Lehrerberuf unter den Nazis nicht mehr ausüben und auch nach dem Ende des Krieges nicht wieder aufnehmen konnte. „Nach allem, was wir wissen, muss er ein sehr guter und allseits geachteter Lehrer gewesen sein“, sagt Gerd Janietz, der mit seinen Mitstreitern neben Schrift- auch einige Fotodokumente zu Gustav-Ernst Ehrler hatte zusammentragen können. Diese zeigen ihn unter anderem hoch zu Ross in Island und als jungen Mann auf einer Wiese liegend in Frankreich. „Er war ein sehr naturverbundener Mensch“, hat Janietz den Dokumenten entnommen.

Apropos Dokumente: Eine Vielzahl davon hatten der Vereins-Vize und weitere Geschichtswerkstatt-Akteure im Vorfeld der Eröffnung der Neukieritzscher Parkarena gesichtet, welches Engagement in die Erarbeitung einer Ausstellung zur Ortsgeschichte mündete. Diese will der Verein laut Gerd Janietz noch einmal in der diesjährigen Festwoche zu zeigen., Bis dahin soll außerdem eine Ortschronik fertig gestellt sein soll. „Darüber hinaus bereiten wir für den 23. September einen Ortsrundgang vor und unterstützen den Bürgermeister bei der Erarbeitung seiner Festrede“, sagt Janietz.

Von Roger Dietze

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