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Borna "Gewalt gegen Frauen kommt nicht in die Tüte"
Region Borna "Gewalt gegen Frauen kommt nicht in die Tüte"
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15:11 19.05.2015
Entrollten gestern zum Tag gegen Gewalt an Frauen eine Fahne am Bornaer Rathaus: Ines Mehner, Heidi Napierski und Simone Luedtke. Quelle: Jens Paul Taubert

Auch an den Rathäusern in Böhlen, Rötha, Grimma, Wurzen, Markkleeberg und Markranstädt sowie am Bornaer Landratsamt machen die Fahnen auf ein sensibles Thema aufmerksam, das im öffentlichen Bewusstsein noch zu oft verdrängt wird. Jede vierte Frau in Deutschland erfährt in ihrem Leben mindestens einmal Gewalt durch einen Lebenspartner, schätzt die Menschenrechtsorganisation ein.

Seit 1981 rufen die Vereinten Nationen mit diesem Internationalen Tag am 25. November zur Beseitigung von jeder Form von Gewalt gegen Frauen auf. Im Landkreis fanden und finden in diesem Rahmen auch mehrere Veranstaltungen statt. So kam es gestern in Böhlen zu einem Gespräch mit Flüchtlingsfrauen. In der Orangerie Gaschwitz gibt es am 2. Dezember um 14.30 Uhr einen Vortrag zum Thema "Multiprofessionelle Hilfsangebote bei ritueller Gewalt". Und alle Briefe, die zwischen dem 13. November und 6. Dezember das Landratsamt verlassen, enthalten den Stempel "25.11. Nein zu Gewalt an Frauen".

"Da der Landkreis Leipzig keine Ausnahme darstellt, gehört auch hier in den Wohnungen häusliche Gewalt zum Alltagsgeschehen", sagt die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Ines Mehner. Betroffene und Angehörige fänden Unterstützung durch die Koordinierungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt und Stalking, die der Wegweiser-Verein betreibt. Bis Ende September nahmen in diesem Jahr 69 Menschen in 321 persönlichen Beratungen das Angebot in Anspruch, informiert Mehner. Im Frauen- und Kinderschutzhaus des Landkreises suchten im gleichen Zeitraum 17 Frauen und 14 Kinder Zuflucht. Die Tendenz sei steigend, so Mehner, auch, weil immer mehr Betroffene über die Hilfsangebote Bescheid wissen und eine gute Vernetzung mit anderen Beratungsstellen und Behörden vorhanden sei.

"Gewalt innerhalb von Familien geschieht ständig", sagt Kerstin Kupfer, Mitarbeiterin der Koordinierungs- und Interventionsstelle. "Die gesellschaftliche Wahrnehmung ist dabei oft gehemmt durch Ängste, durch Unkenntnis über Beratungsstellen und sicher auch durch das subjektive Empfinden, wenn man derartige Beobachtungen macht." Die wenigsten würden dabei wissen, dass Wegschauen strafbar ist, so Kupfer. Umso wichtiger sei es, Betroffenen und Außenstehenden zu zeigen, was sie tun und an wen sie sich wenden können. Hilfsangebote können laut Mehner in der Broschüre "Hilfe bei häuslicher Gewalt" nachgelesen werden. Sie sei in leichter Sprache geschrieben.

Die FDP-Landtagsabgeordnete und -Kreischefin Anja Jonas beteiligte sich gestern an Aktionen. Die Sozialpolitikerin verteilte nach eigenen Angaben in Leipzig Brötchentüten mit der Aufschrift "Gewalt gegen Frauen kommt nicht in die Tüte". "Gewalt gegen Frauen ist ein sehr sensibles Thema und wird nach wie vor in der Öffentlichkeit zu selten wahrgenommen", sagt sie. Experten würden von einer hohen Dunkelziffer von Betroffenen ausgehen. Jonas: "Mit den Initiativen wollen wir vor allem drei Dinge erreichen: den Tätern zeigen, dass ihre Gewalt von der Gesellschaft nicht toleriert wird, den Frauen Mut machen, dass sie nicht im Stich gelassen werden, und ein Bewusstsein für das Thema in der Öffentlichkeit schaffen."

Die Vorsitzende des sächsischen Frauenrates, Irene Schneider-Böttcher, schätzt ein, dass "dieser Kriminalitätsbereich die höchste Dunkelziffer" hat und die Hilfelandschaft in Sachsen "einem Flickenteppich" gleicht. Akteure von Frauen- bis Wohlfahrtsverbänden würden insbesondere im Bereich der häuslichen Gewalt einen bundesweiten Rechtsanspruch auf Hilfe fordern, damit sich Land und Kommunen nicht aus der Verantwortung ziehen und Frauen besser und unbürokratischer geholfen werden kann.

Die Broschüre "Hilfe bei häuslicher Gewalt" kann bei Ines Mehner bestellt werden, die im Haus 2 im Bornaer Landratsamt in der Stauffenbergstraße sitzt. Kontakt: 03433/241-4100; ines.mehner@lkl-l.de

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.11.2013
Frank Prenzel

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