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Borna Gleichgeschlechtliche Paare im Landkreis Leipzig trauen sich wenig
Region Borna Gleichgeschlechtliche Paare im Landkreis Leipzig trauen sich wenig
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00:21 10.11.2017
Quelle: dpa
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Landkreis Leipzig

Lange wurde dafür gekämpft. Am 1. Oktober 2017 löste die sogenannte Ehe für alle das Lebenspartnerschaftgesetz ab, das gleichgeschlechtlichen Paaren seit August 2001 den Weg zum Altar ermöglichte. Doch das gelbe vom Ei war das für viele nicht. Sehnsüchtig warteten die Betroffenen auf eine echte Revolution. Zu der kam es im Juni dieses Jahres als zwei Drittel der Parlamentarier in Berlin für die Ehe für alle stimmten. Einen Monat nach Inkrafttreten des Gesetzes ist der Andrang gleichgeschlechtlicher Paare auf die Standesämter im Landkreis Leipzig überschaubar.

Brandis ist mit zwei Umwandlungen von bereits bestehenden Partnerschaften in Ehen Spitzenreiter. „Die Zeremonien wurden wie bei jeder anderen Eheschließung in würdiger Form gehalten“, heißt es vom Standesamt der Stadt.

Jeweils eine Umwandlung oder Eheschließung gab es in Bad Lausick, Colditz, Naunhof, Pegau und Wurzen. Anfragen gab es außerdem in Grimma und Kitzscher. Anders hatten es die Standesämter nach eigenen Angaben auch nicht erwartet. Unisono berichten sie, dass schon die Anzahl der geschlossenen Lebenspartnerschaften sich in Grenzen hielt. Maximal drei seien es pro Jahr gewesen.

In Colditz fand die letzte Verpartnerung im Jahr 2013 statt. In diesem Jahr gab es dann zwei, drei Umwandlungen in Ehen stehen in diesem Jahr noch ins Haus. „Das bedeutet schon eine enorme Steigerung, was jedoch zum Teil unabhängig des beschlossenen Gesetzes ist“, verrät Standesbeamtin Corina Kreller. Sie und ihre Kollegen denken, dass auch die wachsende Akzeptanz in der Bevölkerung gegenüber gleichgeschlechtlichen Paaren größer geworden ist. „Und daher trauen sich diese Paare jetzt auch in kleineren Städten zum Ja-Wort und ’flüchten’ nicht mehr in die anonyme Großstadtwelt“, vermutet sie.

In der Stadt Leipzig wurden bisher 13 Lebenspartnerschaften umgewandelt und vier Ehen neugeschlossen. Das sind mehr als doppelt so viele wie im gesamten Landkreis. Manuela Tillmann ist ausgebildete Sexualwissenschaftlerin und Sonderpädagogin. Sie berät Menschen, die aus dem heterosexuellen Raster fallen – und zwar im ländlichen Raum. „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen sehr lange brauchen bis sie sich an eine Beratungsstelle wenden.“ Viele Betroffene, so ihre Theorie, fürchten sich nach wie vor vor Ausgrenzung und Homophobie. In der Stadt sei der Umgang mit Sexualität offener, weshalb wahrscheinlich auch heute noch viele Menschen dorthin ziehen und eher dort Partnerschaft und jetzt Ehe schließen würden.

Eine weitere Theorie zur überschaubaren Nachfrage ist die der Relevanz für die Paare. Der wesentliche Unterschied zur Partnerschaft besteht im Adoptionsrecht. Wenn das für Partner kein Thema ist und eine Hochzeit bereits gefeiert wurde, wozu sollten sie diesen bürokratischen Akt, der ja auch mit Kosten verbunden ist, noch vollziehen?

Ohnehin wird die Ehe für alle von gleichgeschlechtlichen Paaren kritisch betrachtet. Denn auch mit dem neuen Gesetz sei längst noch keine Gleichberechtigung geschaffen. Eine Betroffene berichtet: „Ich habe mich mit meiner Lebengefährtin in diesem Jahr verpartnern lassen. Und zwar weil ich ein Kind erwarte.“ Bei heterosexuellen Ehen gelte der Mann juristisch automatisch als Vater, homosexuelle Paare müssten mindestens ein Jahr verpartnert oder verheiratet sein, damit eine Adoption möglich ist. „Das ist nicht fair. Denn nur weil ein Paar verheiratet ist, muss der Mann längst nicht der Vater sein. Gesetzlich steht das aber fest.“ Neben der Ehe für alle fordert sie eine Novellierung des ’antiquierten Abstammungsrechts’.

Ein Vorteil ist die Ehe für alle für jene Paare, die fremde Kinder adoptieren wollen, denn das war in der Vergangenheit für gleichgeschlechtliche Paare nicht möglich. Wie sich die Nachfrage entwickelt, bleibt abzuwarten. Große Erwartungen auf einen Ansturm hat aber kaum jemand.

Von Nathalie Helene Rippich

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