Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Gnadenhochzeit in Kitzscher: Diese Ehe hält seit 70 Jahren
Region Borna Gnadenhochzeit in Kitzscher: Diese Ehe hält seit 70 Jahren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:00 05.04.2017
Siebzig Jahre durch dick und dünn: Elfriede und Wilhelm Lewandrowski feiern heute in Kitzscher Gnadenhochzeit. Quelle: André Neumann
Kitzscher

Siebzig Jahre durch dick und dünn, in guten wie in schlechten Zeiten. Wer heiratet, verspricht sich, zueinander zu halten. An siebzig Jahre denken dabei vermutlich nur wenige. Vermutlich taten das auch Elfriede und Wilhelm Lewandrowski nicht, als sie am Sonnabend vor dem Ostertag im Jahre 1947 den Bund der Ehe schlossen. Am Mittwoch vollendet sich ihr siebentes Lebensjahrzehnt, sie feiern ihre Gnadenhochzeit. Wilhelm Lewandrowski, den alle Willi nennen, wird am gleichen Tag 96 Jahre alt, er ist damit der älteste in Kitzscher lebende Mann. Seine Frau ist 89 Jahre alt.

Es waren schwere Zeiten, damals, so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Wilhelm, dessen Familie aus Ostpreußen stammt, hatte den vier Jahre als Soldat mitmachen müssen. Zuletzt war er hier in der Region eingesetzt. Als das Schießen vorbei war, erinnert sich der Senior, habe er sich von Bauer zu Bauer durchgeschlagen, als Tagelöhner, um etwas zu essen zu haben. Auf dieser Wanderung lernte er Elfriede kennen.

Die ist in Flößberg geboren und auf der Lindhardt, wie die Kitzscheraner zu der kleinen Siedlung im Nordosten sagen, aufgewachsen. Nach der Hochzeit wohnten die beiden erst bei ihren Eltern, später im so genanten Behelfsheim, einem Haus für Flüchtlingsfamilien. 1953 bezogen sie das Haus am Häuerweg, in dem sie bis heute wohnen.

Zum Lebensunterhalt für die Familie, zu der bald zwei Töchter gehörten, trugen beide bei. Wilhelm verdiente sein Geld im Bergbau. Erst bei der Feuerwehr im Espenhainer Werk, dann als Gerätefahrer im Tagebau, zuletzt bis zur Rente 1984 zehn Jahre auf der großen Espenhainer Förderbrücke. Als die vor zehn Jahren gesprengt wurde, hatte er sich das nicht ansehen wollen.

Elfriede hatte in Leipzig den Beruf einer Pelznäherin gelernt. Später arbeitete sie in Kitzscher eine Weile als selbstständige Damenschneiderin, dann für den Konsum und in einer Schneiderei in Borna am Breiten Teich. Zuletzt war sie in der Küche des alten Kindergartens in Kitzscher tätig. Kein Wunder, dass Elfriede Lewandrowski noch vielen Kitzscheranern bekannt ist.

Im Schrank hängen noch immer einige selbst genähte Kleider. Die eigenen Hochzeitssachen mussten sich Elfriede und Willi noch leihen, doch für ihre Töchter nähte die Mutter die Hochzeitkleider selbst.

Wenn am Mittwoch die Familie im Café Wahnsinn zusammenkommt mit Töchtern und Schwiegersöhnen, drei Enkelkindern und drei Urenkeln und weiteren Angehörigen, wird auch Kitzschers Bürgermeister Maik Schramm zu den Gratulanten zählen. Er wird die Gnadenhochzeit als „Lebensleistung“ würdigen. Denn es brauche aus seiner Sicht drei Dinge, um ein solches Ehejubiläum schaffen zu können. Zeitig heiraten und alt werden, seien zwei davon. „So lange zusammenzubleiben, das ist das Schwierigste“, sagt Schramm schon vorab anerkennend.

Fragt man Elfriede und Willi Lewandrowski, wie sie es geschafft haben, werfen sich die beiden Bussis zu und sie sagt über ihn: „Mein Goldi ist das, immer und immer wieder, was Besseres gibt es gar nicht.“ Und er, erwidert schmunzelnd auf seine ihm eigene schelmische Art: „So wie wir gelebt haben, war alles in Ordnung.“

Von André Neumann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im Pereser Holz bei Groitzsch wurden am Dienstag 500 Eichen geflanzt. Daran beteiligten sich neben der Stiftung Wald für Sachsen auch die Schule für Lernförderung Elstertrebnitz mit ihrem Partnerunternehmen Mibrag sowie die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. Die Stiftung hatte das 108 Hektar große Bergbauareal 2003 erworben.

27.03.2018

Um Schülern politisches Denken und das Engagement näher zu bringen, lud die Akademie für Lokale Demokratie 45 Schüler aus dem Landkreis Leipzig zu einem Planspiel ein. Das Finale, die 1. Jugendkreistagssitzung im Landkreis Leipzig, fand am Dienstag im Grimmaer Rathaus statt.

05.04.2017

Thomas Claus feiert am Mittwoch seinen 70. Geburtstag. Er saß in der Bornaer Stadtverordnetenversammlung. Im Mai 1990 wurde er wiedergewählt, erhielt das zweitbeste Ergebnis und wurde in der neuen Stadtverordnetenversammlung Vorsteher. Als Michael von der Straßen war er Hauptdarsteller in zahlreichen Lutherstücken.

01.05.2018