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Goldener Meister aus Regis blickt auf bewegte Berufsjahre zurück

Friseurhandwerk Goldener Meister aus Regis blickt auf bewegte Berufsjahre zurück

Die Zeiten, da Johannes Lehmann mit geschickter Hand Schere und Messer führte und Frauen und Männern die Haare schnitt, sind längst vorbei. Trotzdem bekam der 92-Jährige jetzt den Goldenen Meisterbrief. Anlass, auf ein bewegtes Berufsleben zurückzuschauen.

Johannes Lehmann aus Regis-Breitingen (92) hat den Goldenen Meisterbrief bekommen.
 

Quelle: André Neumann

Regis-Breitingen.  Die Zeiten, da Johannes Lehmann mit geschickter Hand Schere und Messer führte und Frauen und Männern die Haare schnitt sind längst vorbei. An sein Friseurgeschäft in der Goethestraße erinnert nur noch der straßenseitige kurze Treppenaufgang zur früheren Salontür. Trotzdem bekam der 92-jährige jetzt von der Handwerkskammer den Goldenen Meisterbrief. „Ich hätte den eigentlich mit Schwertern und Diamanten bekommen müssen“, schmunzelt der Mann der sich dennoch über die Ehrung freut. Und in der Tat: Es ist mittlerweile mehr als 65 Jahre her, seit Johannes Lehmann am 15. August 1950 die Meisterprüfung als Friseurmeister ablegte.

Nur ein gutes Jahr zuvor und zwei Jahre nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft hatte er sein erstes Geschäft eröffnet. In einem Ort, den es längst nicht mehr gibt, in Hain. Die Leute in dem Dorf, an dessen Stelle heute ein See liegt, seien damals froh gewesen, dass es einen Friseur gab. „Die haben mich gut versorgt“, erinnert er sich. Geschäftlich lief es auch gut, denn Hain lag auf halbem Weg zwischen Kahnsdorf und Espenhain und die meisten Leute aus den Döfern arbeiteten in Espenhain, kamen also auf dem Weg von und zur Arbeit an seinem Geschäft vorbei. Und ließen sich frisieren. Gleich nach Öffnung des Geschäftes meldete sich Johannes Lehmann damals für die Meisterschule an.

Als es hieß, dass der Tagebau Hain verschlingen werde, suchte er sich etwas Neues. Ein paar Häuser entfernt von seinem jetzigen Wohnhaus und letzten Geschäft wurde damals ein Friseurladen abgegeben. Lehmann machte einen Damensalon daraus, den er zwölf Jahre lang führte. Im Rückblick war das für ihn die beste Zeit seiner Karriere als Friseurmeister. Rund 3000 Menschen arbeiteten in Regis-Breitingen. „Das florierte ganz toll“. Erst konnte er sich damals ein Motorrad leisten, bald ein Auto der Marke F 9. „So eins hatte damals nur noch der Obermeister in Borna“, schmunzelt der 92-Jährige heute.

Nach zwölf Jahren zog das Friseurgeschäft Lehmann noch einmal um, in die Goethestraße 39, der Unternehmer hatte das Haus gekauft. Und die Zeiten änderten sich. „Wir hatten es schwer“, sagt Lehmann, wenn er an die späten 1970er Jahre denkt. Private Unternehmen waren zu der Zeit in der DDR nicht mehr gut gelitten.

In Regis gab es damals fünf private Friseure, wie Lehmann sich erinnert, die man lieber heute als morgen in einer Produktionsgenossenschaft gesehen hätte. „Wir bekamen keine Lehrlinge und keine Trockenhauben mehr“, berichtet der Gold-Meister. „Und es verging keine Woche, in der wir nicht aufs Rathaus bestellt wurden.“

Der Druck habe erst nachgelassen, als einer der fünf sich in den Westen abgesetzt hatte. Der Planung in der eigenen Familie nützte das nichts mehr. Lehmanns Sohn Thomas, erzählt der Vater, konnte nicht Friseur werden, weil er ihn nicht ausbilden durfte.

Zum Druck auf die Privaten fällt dem Senior noch eine weitere Geschichte ein. Eine Dame vom Finanzamt habe ihm vorgerechnet, dass seine Berufskollegen im Erzgebirge mit weniger Shampoo pro Kopf auskommen würden. Lehmann ist heute noch empört über diesen Vorwurf. Als ob die Frau nicht gewusst habe, in welcher Gegend man hier wohne, wo die Leute mit schwarzen Gesichtern von der Arbeit kamen: „Wir haben wirklich manche Köpfe dreimal gewaschen.“

Mit 67 Jahren stieg Lehmann aus dem Friseurgeschäft aus, führte aber noch viele Jahre die Fußpflege weiter, die er als Dienstleistung schon vorher mit aufgemommen hatte. Betrachtet er sich die Situation seiner Branche heute, so hat sich die Lage für private Friseure nicht unbedingt gebessert. „Ich glaube, viele können heute gar nicht mehr mithalten“, sagt er. Die Idee der Produktionsgenossenschaften sei aus heutiger Sicht vielleicht doch die bessere gewesen, denn: „Die haben ihre Stützpunkte noch.“

Von André Neumann

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