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Graffiti peppen Schulhaus in Großdeuben auf

Präventionsprojekt Graffiti peppen Schulhaus in Großdeuben auf

Im Gymnasium Großdeuben dürfen die Schüler nicht nur zu Stiften und Papier greifen, sondern gleich zur Graffiti-Sprühdose. Im Eingangsbereich konnten sie sich mit einem eigenen Motiv verwirklichen – unter Anleitung zweier, die eigentlich unterwegs sind, um Jugendliche vom Sprayen abzuhalten.

Das Ergebnis das Graffiti-Projektes können sich die Besucher am Sonnabend anlässlich der Feier zu „1000 Jahre Großdeuben“ ansehen.

Quelle: privat

Böhlen. Fast täglich war Ralf Hecht früher in den Nachtstunden unterwegs. Immer mit dabei: Spraydosen. Ob Straßenbahnen, Hauswände, Zäune oder Busse: Nichts war vor dem jungen Mann sicher, Graffiti waren sein Leben. Das sind sie heute auch noch – allerdings in anderer Hinsicht. Heute ist er mit seiner Frau Susann Seifert in Schulen unterwegs, um aufzuklären und Jugendliche vom illegalen Sprayen abzuhalten.

Anlaufstelle war für beide vor wenigen Tagen das Gymnasium Lernwelten im Böhlener Stadtteil Großdeuben. Hier ging es allerdings nicht nur um Prävention, sondern zugleich um einen Aufruf, ein eigenes Graffiti zu schaffen. „Wie alles andere auch hat Graffiti zwei Seiten – die illegale Seite, die viele unheimlich nervt, wenn sie daran vorbeikommen, und die legale Kunst“, erklärte Seifert der siebten und achten Klasse. Bis vor einigen Jahren arbeitete Seifert beim Ordnungsamt in Altenburg und versuchte die dingfest zu machen, die alles besprühten, was ihnen in den Weg kam. „So lernte ich Ralf kennen – und damit bekam ich auch einen Einblick in die Sprayer-Szene“, erzählte sie. Hecht wiederum brach durch die Begegnung nach einer Weile aus der Szene aus – wegen gesundheitlicher Probleme, die die Sprühdosen mit sich bringen, aber auch wegen des großen Vertrauensbruchs seiner Familie gegenüber.

„Uns geht es bei dem Projekt darum, beide Seiten zu zeigen, wir können Sprayer nicht nur verteufeln“, sagt Seifert. Wäre ihr jetziger Mann früher geschnappt worden, hätte er sich künstlerisch wahrscheinlich nicht so weit entwickelt. Was beide kritisieren: es gibt zu wenig legale Flächen. Eine von diesen ist gerade neu hinzugekommen: der Eingangsbereich der Schule. Unter Anleitung von Hecht und Seifert hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, Pappen zu gestalten, das Motiv blieb den Schülern selbst überlassen. Die Pappen sind mittlerweile auch angebracht, „direkt die Fassade besprühen durften wir nicht, weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht“, erklärte Nora Widera-Liebscher, geschäftsführende Schulleiterin. Und sollte die Fassade saniert werden, könnte das Graffiti abgenommen und anschließend wieder angebracht werden, ohne es zu zerstören. Das Ergebnis ist übrigens am Sonnabend während der Feierlichkeiten zu 1000 Jahre Großdeuben zu sehen.

Finanziert und gefördert wird das Graffitipräventionsprojekt von enviaM und Mitgas – „die beiden Unternehmen haben ja häufig mit illegalen Kunstwerken zu tun“, begründete Seifert. Sie und ihr Mann klären aber nicht nur in Schulen und sozialen Einrichtungen auf, sie haben sich zudem eine eigene Möglichkeit gesucht, kreativ werden zu können. In ihrer „Farbküche“ in Altenburg gibt es alle Zutaten, die es für Graffiti und ein Lokal braucht: Werkzeuge, Stifte, Farbe und Malgründe.

Von Julia Tonne

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