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Größter Einsatz liegt Jahre zurück

Größter Einsatz liegt Jahre zurück

In der Öffentlichkeit ist sie weniger präsent als die Freiwilligen Feuerwehren, in der Region aber nicht minder wichtig: die Werkfeuerwehr Böhlen. Im ersten Halbjahr rückte diese Berufsfeuerwehr im Industriegebiet Böhlen-Lippendorf zu etwa 25 Einsätzen aus, die Spektakulärsten waren am Jahresanfang beim Brand einer früheren Küche, zu Pfingsten das Großfeuer bei Plambeck und wenige Tage später die Rettung eines Arbeiters, der im Kraftwerk Lippendorf bei Reinigungsarbeiten aus großer Höhe abgestürzt war.

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Böhlens Werkfeuerwehr-Leiter Bernd Starkloff zeigt ein Spezialfahrzeug. Der Fuhrpark seiner Mannschaft beeindruckt und ist auf die Gegebenheiten eines Chemie- und Kraftwerkes abgestimmt.

Quelle: Frank Prenzel

Böhlen. Die meisten Einsätze seien eher unbedeutend, gibt Werkfeuerwehr-Leiter Bernd Starkloff zu verstehen. Etwa 20-mal im Jahr rückt die Berufsfeuerwehr zu kleineren Bränden aus, etwa wenn sich Ödland entzündet hat oder im Kraftwerk Glutnester Ärger machen. Der Rest fällt unter das Kapitel Rettungsdienst. Das eine Mal ist eine Person wegen Herz-Kreis-Beschwerden zu behandeln, das andere Mal ist ein Chemiearbeiter mit einem Schadstoff in Berührung gekommen und wird zur Sicherheit untersucht- Das bislang größte Ereignis liegt schon Jahre zurück: "Beim Brand des Ethylenofens im Winter 2002 waren wir über mehrere Stunden gefordert", erinnert sich Starkloff. Zum Glück habe es damals keine Verletzten gegeben. Dow habe einen hohen Sicherheitsanspruch, sagt Starkloff. Das erkläre, warum so wenig passiere.

"Wir warten nicht auf Einsätze"

Ausgefüllt ist der Arbeitstag der 40 Werkfeuerwehr-Leute dennoch. "Wir sitzen nicht und warten auf Einsätze", erklärt der Chef der zur Vereinigten Sicherheitsunternehmen GmbH (VSU) gehörenden Werkfeuerwehr. "Wir gewährleisten die Brandsicherheit für den gesamten Standort Böhlen-Lippendorf." Das heißt, dass die Angestellten vor allem im vorbeugenden Brandschutz tätig sind, im Ernstfall aber die gesamte Klaviatur des Rettungsdienstes beherrschen müssen. "Wir gewährleisten den Brandschutz, die technische Hilfeleistung, den Rettungsdienst und auch die Rettung aus Höhen und Tiefen", erläutert Starkloff. Die VSU hat dabei mit Dow Chemical und Vattenfall zwei große Auftraggeber am Standort, zudem gibt es Verträge mit elf weiteren Firmen, darunter Air Liquide, das Edelstahlwerk BGH, den Gipskarton-Hersteller Siniat und auch den Solarmudul-Produzenten Solarion im kleinen Gewerbegebiet bei Zwenkau.

Allein im Kraftwerk 1200 Feuerlöscher

"Unsere Hauptaufgabe ist es, Ereignisse zu vermeiden", betont Werkfeuerwehr-Leiter Starkloff. In engen Intervallen würden in den Anlagen Brandverhütungsschauen durchgeführt. Darunter zähle die Kontrolle von Brandschutzeinrichtungen, Steigleitungen, Hydranten und Feuerlöschern. "Allein im Kraftwerk Lippendorf gibt es 1200 Feuerlöscher", verdeutlicht Starkloff, der in Altenburg zu Hause ist, die Dimension. Diese Arbeit sei für seine Männer von Vorteil, denn sie kennen sich dadurch in dem Labyrinth der Industrieanlagen gut aus. Würden Mängel erkannt, stelle sie der Anlagenbetreiber mit Hilfe von Fachfirmen ab, erläutert Starkloff. Die verbleibende Arbeitszeit würden seine Leute mit der eigenen Ausbildung und auch der Ausbildung nebenberuflicher Einsatzkräfte verbringen. Und natürlich ist die Technik zu warten.

Die Werkfeuerwehr ist darüber hinaus in die Instandhaltungen am Standort eingebunden, so auch bei der momentan bis Ende August laufenden Wartung der Anlage zur Herstellung von Acrylsäure und Butylacrylat des Chemiebetriebes. Neben der Überwachung von "Heißarbeiten" wie Schweißen und Löten gehört die Nachkontrolle, teils mit Wärmebildkamera, zu den Aufgaben.

Für solche Anlagen wie sie Dow in Böhlen betreibt, schreibt der Gesetzgeber eine Berufsfeuerwehr vor. Die Betreibergenehmigung beinhaltet auch die Stärke. Die Starkloff-Truppe arbeitet in jeweils zwei 24-Stunden-Schichten, 13 hauptberufliche Feuerwehrleute sind immer vor Ort. Im Ernstfall können sie von sechs nebenberuflich tätigen Einsatzkräften des Dow-Werkes unterstützt werden. Laut Starkloff ist diese Einsatzstärke ausreichend. Bei einem Großereignis wie Pfingsten bei Plambeck würde die Rettungsleitstelle Freiwillige Feuerwehren hinzuziehen. Ohnehin prüfe die Landesdirektion regelmäßig, ob bei der Werkfeuerwehr die Einsatzstärke, Ausbildung und Ausstattung auf dem Stand der Dinge sind.

Technik auf Standort ausgerichtet

Die Technik, die in der riesigen Halle der Werkfeuerwehr steht, ist laut Starkloff auf den Standort ausgerichtet. "Wir haben Technik, die für Großbrände in der chemischen Industrie geeignet ist." Dazu zählt ein Löschfahrzeug, das pro Minute 5400 Liter Wasser pumpen kann. Die Fahrzeuge der Freiwillige Feuerwehren haben höchstens eine Leistung von 1600 oder 2400 Liter pro Minute. In der Halle parken auch Universal-Fahrzeuge, etwa zur Schaumbildung.

Zum Komplex gehören zudem eine Atemschutz-Übungsanlage, ein Fitnessraum, eine Werkstatt und diverse Spezialtechnik zum Reinigen von Schutzanzügen, Masken und Schläuchen. Bei Starkloff blitzt der Stolz durch, wenn er durch die Räume und Hallen geht. Er gehört zu den ganz alten Hasen. 1965 begann er bei der damaligen Feuerwehr des Chemiebetriebes "Otto Grotewohl", die Werkfeuerwehr leitet er seit 21 Jahren. "Im nächsten Jahr", sagt er, "bin ich 50 Jahre am Standort."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 26.08.2014
Frank Prenzel

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