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Borna Groitzsch: Großstolpener Fleischerei Landhan erobert sich neue Märkte
Region Borna Groitzsch: Großstolpener Fleischerei Landhan erobert sich neue Märkte
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00:21 15.01.2018
Jens Werner Schnittker-Keil macht Knackwürtste am Wurstabfüller. Quelle: Jens Paul Taubert
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Groitzsch/Großstolpen

Ähnlich wie das Bäckerhandwerk stehen auch die kleinen und mittelständischen Fleischereibetriebe vor einem gewaltigen Strukturwandel. Der Markt ist mit Geschäften übersättigt, eine Expansion kaum noch möglich. Und obwohl der Appetit auf Fleisch und Wurst ungebrochen ist, verzeichnet die Branche Jahr für Jahr Umsatzrückgänge.

Dana Landgraf ist Chefin der Fleischerei Landhan in Großstolpen. Quelle: Jens Paul Taubert

Eine Entwicklung, die Dana Landgraf (40), Geschäftsführerin der Fleischerei Landhan in Großstolpen, mit großer Sorge beobachtet. „Leider ist das Bewusstsein noch nicht so ausgeprägt, dass weniger mehr ist und dass Qualität ihren Preis hat“, bringt sie das größte Problem auf den Punkt. Denn oft setze sich die Geiz-ist-geil-Mentalität durch und die Verbraucher greifen lieber zur kostengünstigen, eingeschweißten Variante aus dem Supermarkt statt dem Handwerksprodukt.

Das geht an vielen Fachgeschäften nicht spurlos vorüber. Auch die Fleischerei Landhan, unter deren Dach die Landhan Vertriebsgesellschaft und seit 2011 die Fleischerei Glück Auf firmieren, musste schon Federn lassen. Allein im vergangenen Jahr wurden drei Filialen geschlossen – in Geithain, am Frohburger Markt sowie in Neukieritzsch. Damit schrumpfte das Filialnetz auf zwölf, wovon drei bis vier Geschäfte 2018 erneut auf dem Prüfstand stehen, kündigte Dana Landgraf an. Hinzu komme ein akutes Personalproblem: Viele ältere Mitarbeiter gehen demnächst in Rente, auf der anderen Seite wächst kein Nachwuchs heran. „Wir bilden zwar Fleischverkäufer und Köche aus, aber es meldet sich niemand. Im Moment haben wir gerade mal einen Lehrling.“

Blick in die Produktionshalle der Fleischerei Landhan in Großstolpen: Detlef Bittag schneidet Schweinebauch für Wellfleisch Quelle: Jens Paul Taubert

Mit über 100 Mitarbeitern zählt Landhan zu den größten Arbeitgebern in Groitzsch. „Wir möchten die Arbeitsplätze natürlich erhalten“, sagt die Chefin und hat sich den geänderten Marktverhältnissen gut angepasst. Ihren Worten zufolge habe das Catering, die Außer-Haus-Versorgung in den letzten Jahren stark zugenommen. Großveranstaltungen mit bis zu 600 Personen wie die Betriebsversammlung der Mibrag, die Mettenschicht im Tagebau oder Firmen-Weihnachtsfeiern werden im Kultur- und Kongresszentrum Tröglitz bei Zeitz ausgetragen und von den Großstolpenern komplett versorgt.

Auch im Kulturhaus Großstolpen, das Landhan von der Stadt Groitzsch gepachtet hat, finden übers Jahr verteilt Tanzstundenbälle, Familien- und Firmenfeiern, Abschlussfeiern und der Weiberfasching des Groitzscher Carnevalclubs statt. „2018 wollen wir unser Eventgeschäft weiter ausbauen“, kündigt die Geschäftsführerin an. „Der Anfang ist gemacht und die Auftragsbücher sind voll. Wir haben uns extra ein eigenes Festzelt und einen Ausschankwagen zugelegt, um noch unabhängiger zu werden.“

Dazu kommen täglich bis zu 1000 Essensportionen für die Schulen in Groitzsch, Pegau, Böhlen und Elstertrebnitz und seit 2017 auch für die Kindertagesstätten in Spora und Könderitz (Sachsen-Anhalt). Darüber hinaus übernimmt Landhan die Ferienversorgung im Kulturpark Deutzen und bietet Essen auf Rädern an. „Wir leben nunmal im Dreiländereck“, sagt Dana Landgraf, „ich möchte die Region gerne näher zusammenbringen.“ Als Mitglied in den Leader-Koordinierungsausschüssen „Weiße Elster“ (Sachsen) und Montanregion Süd (Sachsen-Anhalt) hat die 40-Jährige nicht nur ein wirtschaftliches Interesse daran.

Kerngeschäft der Großstolpener bleibe jedoch die Fleisch- und Wurstproduktion. Die Ware aus den Schlachthöfen Altenburg und Braunsbedra (Saalekreis) wird in Großstolpen weiterverarbeitet. „Wir tüfteln gerne an neuen Produkten, zum Beispiel spezielle Schinkensorten“, so Dana Landgraf. Auch die Marke Bisonders mit Produkten aus mindestens 70 Prozent Bisonfleisch habe sich gut etabliert. Neu dazugekommen ist im vergangenen Jahr das Essen im Glas, gekocht nach Omas Rezepten aus frischen Zutaten: etwa Ochsenbäckchen, Tafelspitz mit Meerrettichsoße, Hühnerfrikassee, Flecke oder Soljanka. „Das ist speziell für Familien oder Singles gedacht, die wenig Zeit zum Kochen haben und sich trotzdem vernünftig ernähren möchten.“

Extra dafür wurden in den Filialen Kühltheken aufgestellt und die Küche aus dem Kulturhaus Großstolpen ins Firmengelände verlegt. „Damit haben wir eine gewaltige Stromeinsparung und auch die Kühlhäuser werden besser ausgelastet. Das war eine gute Entscheidung.“

Von Kathrin Haase

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