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Groitzsch: Lücke beim Bundesfreiwilligendienst

Groitzsch: Lücke beim Bundesfreiwilligendienst

Ende dieses Monats laufen die ersten Stellen des Bundesfreiwilligendienstes in Groitzsch aus - und der Bund hat derzeit kein Geld für eine Verlängerung. Die Kommune beschäftigt die betroffenen Frauen und Männer im nächsten halben Jahr mit Mini- und Geringverdiener-Jobs und hofft, dass ab Herbst wieder Euros aus Berlin fließen.

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Bei Wind und Wetter in Groitzsch und seinen Dörfern unterwegs, derzeit oft mit Schneeschiebern: Monika Döhler, Christel Bergner und Karin Bollbuck (v.l.).

Quelle: C. CarellDomröse

Groitzsch. "Das läuft nicht zu unserer Zufriedenheit", sagt der Groitzscher Bürgermeister Maik Kunze. Betroffen sind vier Stellen im Sozialbereich - dort helfen die "Bufdis", wie sie auch genannt werden, zum Beispiel in Kindergärten - und neun Mitarbeiter in der Grünpflege beim Bauhof. All diese Stellen würden in den nächsten Monaten wegfallen, weil erst ab September der Bundesfreiwilligendienst fortgesetzt werden kann. Daher hat sich die Stadt entschieden, die Leute in dieser Zeit weiterzubeschäftigen. "Wir hoffen, dass es im Herbst normal weitergeht", sagt der Stadtchef. Solche Probleme habe es mit früheren Programmen nicht gegeben.

Mehr als 50 Jobs gingen der Stadt Groitzsch mit dem Wegfall von Zivildienst und Kommunalkombi-Programm vor zwei Jahren verloren. Mit dem neuen Bundesfreiwilligendienst versuchte die Kommune, einen Teil davon zu retten. So entstanden damals 18 Stellen. Nach anfänglicher Skepsis wurde das neue Angebot gut angenommen - mit dem Wermutstropfen, dass die Leute bei anderen Programmen mehr Geld verdient haben. Maik Kunze ist trotzdem froh, diese Unterstützung zu haben: "Das hilft uns als Stadt enorm, und auch für die Betroffenen ist es eine gute Sache."

Zum Beispiel für Karin Bollbuck (62), Christel Bergner (56) und Monika Döhler (62). Die drei Frauen aus Groitzsch sind gelernte Köchin sowie Chemie- und Schuhfacharbeiterin und bewarben sich nach diversen Umschulungen, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) und Ein-Euro-Jobs im Jahr 2008 für die Kommunalkombi, ein Beschäftigungsprogramm für Langzeitarbeitslose. Als es damit 2011 vorbei war, sattelten sie zum Bundesfreiwilligendienst um.

"Es ist für uns extrem schwierig, eine Arbeit zu finden, daher sind wir froh, dass es diese Möglichkeit gibt. Und wir machen das hier richtig gerne", sagt Monika Döhler. Morgens, 7 Uhr, geht es los. Sie erfahren von der Bauhof-Chefin, wo sie an diesem Tag im Einsatz sind. Im Winter wird Schnee geschoben, im Herbst Laub geharkt, ansonsten Rabatten gepflegt, Unkraut gerupft, Rosen geschnitten. Nicht nur in der Stadt, auch in den Dörfern Audigast, Großstolpen und Großpriesligk sind die drei unterwegs. Viele Groitzscher kennen sie inzwischen. Lob kommt von höchster Stelle: "Das ist ein eingespieltes Team und die Damen haben immer gute Laune", meint Bürgermeister Kunze. Ja, sie fühlen sich hier pudelwohl, die Zusammenarbeit mit den Bauhof-Leuten klappt prima, bestätigen die drei. Und die Arbeit an der frischen Luft bei Wind und Wetter halte fit, sie seien selten krank. "Zu Hause fällt einem doch irgendwann die Decke auf den Kopf. So sind wir raus, unter Leuten und werden gebraucht, das ist schön", meint Christel Bergner. "Und außerdem müssen wir nicht dauernd aufs Arbeitsamt rennen", fügt Karin Bollbuck hinzu.

Im nächsten halben Jahr sind sie nun bei der Stadt als Kleinverdiener angestellt - doch dann ist nach insgesamt fünf Jahren im Bauhof wohl endgültig Schluss. "Der Bundesfreiwilligendienst dauert maximal 18 Monate und dann darf man sich erst wieder nach fünf Jahren bewerben", weiß Christel Bergner und zuckt bedauernd die Schultern. Also müsse sie sich nach etwas anderem umsehen, "am liebsten wieder in der Grünpflege, na mal sehen". Ähnlich ergeht es Monika Döhler. Für Karin Bollbuck allerdings ist die lange Suche vorbei, sie geht früher in Rente: "Ich muss zwar auf ein paar Euros verzichten, aber es ist gut dann."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.02.2013

Carell-Domröse, Claudia

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