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Groitzsch: Radfahrer kämpfenum Vorfahrt - Trecker sollen warten

Groitzsch: Radfahrer kämpfenum Vorfahrt - Trecker sollen warten

Der rund fünf Kilometer lange Radweg zwischen Groitzsch und Zwenkau verläuft landschaftlich und sportlich sehr reizvoll, aber er hat auch seine Tücken. Klaus Mertes (67) von den Radfreunden Lucka kämpft eigenen Angaben zufolge schon "seit längerer Zeit um eine Änderung der Vorfahrtsregelung und die Entfernung der Poller auf dieser Strecke.

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Auch an dieser Kreuzung zwischen Rad- und Feldweg müssen Radler die Vorfahrt von Landwirtschaftsfahrzeugen beachten und kritisieren das als unsinnig.

Quelle: Klaus Mertes

Groitzsch. " Doch seit vier Jahren bewegt sich überhaupt nichts. Nun endlich deutet sich eine kleine Wende zugunsten der Radfahrer an.

Schriftlich wandte sich der Luckaer an das Landratsamt Leipziger Land und wies auf die "unsinnige Vorfahrtsregelung" hin, wonach "Radfahrer die Vorfahrt beachten müssen, damit landwirtschaftliche Fahrzeuge aufs Feld oder von ihrem Hof fahren können." Üblich sei doch, so Klaus Mertes, dass jeder Auto-, Lkw- und Traktorfahrer die Vorfahrt beachten müsse, wenn er aus seinem Grundstück oder von einem Feldweg auf die Straße fahre. Darüber hinaus stellen die Poller mitten auf dem Radweg Gefahr für Leib und Leben dar. Er selbst habe schon zwei Unfälle auf dieser Strecke gesehen, und sogar ein Radfreund aus seiner Gruppe sei dort verunglückt. Beim neuen Radweg von Lucka nach Meuselwitz seien diese Fehler nicht mehr gemacht worden, bemerkt er weiter.

In der Stadtverwaltung Groitzsch sind diese Probleme bekannt. "Schon damals im April 2007, als der Radweg in Betrieb genommen wurde, schlugen die Wellen hoch", kann sich Dirk Schmidt, Sachgebietsleiter Bauverwaltung, gut erinnern. "Aber wir haben uns das nicht ausgedacht, und es half auch alles Aufregen nichts: Alle Regelungen basieren auf einer verkehrsrechtlichen Anordnung des Landratsamtes."

Nach einem Vor-Ort-Termin mit Vertretern der Städte Groitzsch und Zwenkau als Baulästträger sowie der Polizeidirektion Leipzig deutet sich nun ein Teilerfolg an. "Die Poller werden auf der gesamten Strecke rückstandslos entfernt. Das erfolgt jedoch erst nach Beendigung der Baumaßnahme auf der B 2, um zu vermeiden, dass der Radweg als ,Umleitungsstrecke' genutzt wird", heißt es in einem Schreiben des Landratsamtes, das der LVZ vorliegt. Sylvia Benndorf, Mitarbeiterin in der Haupt- und Ordnungsverwaltung der Stadt Groitzsch, bestätigt diese Entscheidung: "Die Poller kommen weg, allerdings bleibt die Vorfahrtsregelung erhalten. Der Radweg soll nicht für ,Rennen' genutzt werden." In der Begründung des Landratsamtes heißt es: "Speziell für den landwirtschaftlichen Verkehr sind aufgrund der Beschaffenheit der Fahrzeuge und der örtlichen Gegebenheiten teilweise schwierige Sichtverhältnisse vorhanden. Dabei wurde beachtet, dass auf dem gesamten Streckenabschnitt eine einheitliche Vorfahrtsregelung erforderlich ist. Eine zusätzlich aufzubringende Markierung soll dies in Zukunft noch verdeutlichen."

"Die Vernunft hat endlich gesiegt", kommentiert Klaus Mertes den Teilerfolg hinsichtlich der Poller. Dennoch gibt er sich mit der Entscheidung bezüglich der Vorfahrtregelung nicht zufrieden und erwägt sogar, größere Geschütze aufzufahren und die ADFC-Radtruppen Zwenkau, Altenburg, Zeitz mit ins Boot zu holen. "Täglich passieren viele Radfahrer diese Schnittstellen, ein Landwirt nur ein paar Mal im Jahr", rechnet der 67-Jährige hoch. Aus seiner Sicht sei die Vorfahrtsregelung unsinnig und unlogisch. "Selbstverständlich ist das nicht zu akzeptieren, dass Tausenden Fahrbewegungen durch Radler die Vorfahrt wegen nur Dutzenden Fahrbewegungen durch Landwirtschaftsfahrzeuge beschnitten wird. Diese Bevorzugung ist meines Erachtens durch nichts vertretbar." Es könne nicht sein, dass die Vorfahrt dem gehöre, der von seinem Fahrzeug aus, wegen dessen Bauart, keinen Radfahrer sehe. "Anders gesagt: Ab sofort hat der Vorfahrt, der aus einem Feldweg kommt? Es gibt genug gute Argumente, um Vernunft aufzurufen."

Klaus Mertes veranstaltet seit 2010 kostenlos Radtouren für jedermann. Sie erstrecken sich über 25 bis 110 Kilometer und steuern Sehenswürdigkeiten, Städte, aber auch Stadt- und Dorffeste, Messen und verschiedene Freiluftveranstaltungen an. Die Mitfahrer sind zwischen Mitte 40 und 80 Jahren alt. "Unsere Touren werden mit GPS aufgezeichnet und sind danach im Internet abrufbar", erklärt der 67-Jährige.

© Kommentar Seite 29

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.08.2015
Kathrin Hasse

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