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Groitzsch: Selten große Steinzeit-Siedlung

Groitzsch: Selten große Steinzeit-Siedlung

Die Archäologen sind überrascht und begeistert: Sie graben derzeit eine selten große Steinzeit-Siedlung mit vielen Beilen, Klingen, Keulen und Scherben von Bottichen und religiösen Figuren am Schiefen Weg in Groitzsch aus.

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Archäologen finden derzeit in Groitzsch jede Menge Beile, Klingen, Keulen und Scherben, die bis zu 7500 Jahre alt sind: Hier legt Alexandra Wulf eine Keramikscherbe in einem Schnittprofil frei.

Quelle: Jens Paul Taubert

Groitzsch. Ergebnisse stellten sie gestern vor - und gaben den ersten Bauabschnitt für das neue Wohngebiet für die umzugswilligen Pödelwitzer frei.

3,6 Hektar groß ist das noch unbebaute Areal. Seit März durchkämmen 20 Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie die Erde, auf der schon vor 7500 Jahren Menschen gelebt und gearbeitet haben. Etwa ein Drittel der Fläche ist bis zu anderthalb Meter Tiefe durchsucht. "Wir haben bis jetzt 16 Hausgrundrisse freigelegt, und das werden wohl noch viel mehr", sagte Grabungsleiter Dirk Blaschta. Eine so dicht bebaute und große Siedlung sei "sehr selten".

Auch die Menge der Funde überrascht. Mehr als 50 Bananenkisten mit ältester Linienbandkeramik der Ackerbauer und Viehzüchter hat das Grabungsteam schon nach Leipzig geschickt, wo die Stücke erforscht werden sollen. Darunter Scherben von Krügen und Töpfen mit Bandmuster, das mit Punkten und Linien verziert ist. Jede Menge Werkzeug sei aufgetaucht, allein 50 Beile, aber auch Messer und Feuersteinklingen sowie ein gut erhaltener Keulenkopf aus Granit. Jüngeren Datums ist ein noch unbestimmter Fund aus der späten Bronzezeit vor etwa 3000 Jahren - vielleicht ein Urnengrab.

Selten sind zudem Stücke von Tonfiguren. Ein Ärmchen, ein Füßchen, die Schulterpartie einer Frau. Und der Kopf einer Kuh, der mit viel Fantasie zu erkennen ist. "Wahrscheinlich verraten uns diese Figuren etwas über die religiösen Vorstellungen damals. Die Frage ist: Gab es hier irgendwo noch einen Tempel?", meinte Dirk Blaschta - und ist gespannt, was er mit seinem Team noch alles in Groitzsch finden wird. Genau das liebt der 39-jährige Archäologe an seinem Beruf: "Ich bin immer draußen und stehe jeden Tag mit dem Wissen auf, vielleicht heute etwas Spannendes zu finden. Das ist mit einem normalen Bürojob überhaupt nicht zu vergleichen."

Viele Pödelwitzer, die am Schiefen Weg ihre neuen Häuser bauen wollen, waren gestern gekommen und staunten, was so alles in der Erde liegt, auf der sie bald siedeln werden. 15 Familien haben sich bisher entschlossen, hier zu bauen, sagte der Pödelwitzer Roland Gerhardt. Weitere 13 Familien hätten das Dorf bereits verlassen beziehungsweise ziehen bald um - nach Pegau, Groitzsch, Elstertrebnitz, Berlin. Er bedankte sich beim Bergbauunternehmen Mibrag und den Archäologen mit einem Foto-Geschenk, das die Umzugswilligen in ihrem Dorf zeigt, und hofft mit seinen Mitstreitern auf baldigen Baustart.

Den haben die reichen Funde der Archäologen verzögert, was die Bauwilligen nicht gerade erfreute. "Wir hoffen, dass noch in diesem Jahr mit den ersten Häusern angefangen werden kann", sagte Mibrag-Pressesprecherin Sylvia Werner. Bereits jetzt starten die Bauarbeiten für die Straßen im neuen Wohngebiet. Alle Medien einschließlich der Hausanschlüsse sollen verlegt werden.

Wie berichtet, spaltet sich Pödelwitz nach wie vor in "Geher" und "Bleiber".Die einen wollen nicht zwei Jahrzehnte lang Dreck und Lärm des Tagebaus ertragen, die anderen ihre Heimat nicht für ein paar Tausend Euro Entschädigung verkaufen, wie sie sagen. Laut Mibrag haben sich zu einer freiwillige Umsiedlung 90 Prozent der 130 Einwohner entschlossen. In der Bürgerinitiative Pro Pödelwitz engagieren sich nach wie vor sieben Familien, die eine Abbaggerung verhindern wollen. Die Vernichtung eines 700 Jahre alten Dorfes wegen Braunkohle sei ihrer Meinung nach im Jahr 2014 unnötig und gesetzeswidrig.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 27.06.2014
Carell-Domröse, Claudia

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