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Borna Groitzscher Bauamtschef hat 330 Zollstöcke im Büro
Region Borna Groitzscher Bauamtschef hat 330 Zollstöcke im Büro
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11:13 27.09.2018
Einige von seinen mehr als 330 Zollstöcken zeigt hier Dirk Schmidt. Quelle: Claudia Carell
Groitzsch

Wer ins Zimmer des Groitzscher Bauamtsleiters kommt, staunt nicht schlecht: Der obere Teil der Wand hinter seinem Schreibtisch ist komplett mit Zollstöcken bestückt – und jeder ist anders. Elf Regale mit kleinen Fächern beherbergen 330 verschiedene Exemplare. „Eigentlich sind das ja keine Zollstöcke, sondern Gliedermaßstäbe“, sagt Dirk Schmidt und lacht. In der Tat stammt der allseits übliche Ausdruck aus der Vergangenheit.

Ursprung im alten Rom

Ein Zollstock war früher ein starrer Stab oder Stock von der Länge eines Fußes, einer Elle oder eines Klafters, der in Zoll geteilt war und deshalb diesen Namen bekam. Schon in römischen Zeiten waren bereits Klapp- oder Faltmaßstäbe aus Bronze, Messing oder Holz bekannt. Die Teile sind praktisch, deshalb gibt es sie bis heute, allerdings mit metrischer Einteilung.

Vertreter kamen früher ins Rathaus

Zu dieser Sammelei kam der Groitzscher eher durch Zufall. Der gelernte Zimmerer und studierte Bauingenieur begann nach der Wende im Bauamt der Stadtverwaltung, 1999 wurde er deren Chef. Damals gaben sich Vertreter von Firmen bei ihm die Klinke in die Hand – und viele brachten Zollstöcke als Werbegeschenke mit.

Jede Menge Zollstöcke schmücken die Wand im Büro des Groitzscher Bauamtsleiters. Quelle: Claudia Carell

Darauf zu sehen: Firmenlogos und Namen von Unternehmen, Fußball-WM, private Namen – es gibt auch einen Dirk-Zollstock – sowie Werbung für allerlei Jubiläen, auf einem Gliedermaßstab steht sogar „2000 Jahre Jesus Christus“. Manche sind einen Meter lang, andere zwei, einige sogar drei Meter.

Alle Regale selbst gebaut

Dirk Schmidt gewöhnte sich an, ein Exemplar zu behalten und die anderen an die Mitarbeiter des Bauhofes zu geben, „sie arbeiten ja schließlich damit“. Nach und nach stapelten sich die Zollstöcke in seinem Büro-Schrank, 2005 passte keiner mehr rein. Ein freundliches Geschenk vom Bauhof führte schließlich zu der Zollstock-Wand. Denn ein Mitarbeiter zimmerte für den Chef eine spezielles Regal, wo 30 Gliedermaßstäbe einsortiert werden können.

Echte Sammler fahren zu Börsen

Bald kam noch eins dazu und noch eins, vom Amtsleiter selbst gefertigt. Jetzt sind es elf Regale, alle voller Zollstöcke, insgesamt 330 Stück. Und immer wieder stapeln sich neue Stäbe. Der 53-Jährige muss sich bald erneut an seine Werkbank stellen und ein weiteres Regal bauen. „Das alles ist eher aus einer Laune heraus entstanden, keine echte Sammelleidenschaft“, wehrt er ab. „Aber fürs Büro im Bauamt passt es doch ganz gut.“

Es gibt auch Zollstock-Fans, die zu Sammlerbörsen fahren und dort handeln und tauschen. Dort wird mitunter darauf geachtet, dass die Exemplare ganz neu und noch nicht ausgeklappt wurden.

Heute kommen keine Baufirmen mehr

Nachschub kommt jetzt nicht mehr so zahlreich ins Groitzscher Bauamt wie Ende der 90er, Anfang der 2000er Jahre. Heute würden die Firmen nicht mehr das Rathaus stürmen, „wir suchen jetzt die Baufirmen“, beschreibt der Amtsleiter den Wandel. So gibt es auch weniger Werbegeschenke dieser Art.

Hin und wieder jedoch findet ein Gliedermaßstab den Weg in sein Büro. Dann schaut der Chef, ob er dieses Exemplar schon hat. Wenn nicht, muss der Zollstock warten, bis das nächste Regal gebaut wird. Im Büro von Dirk Schmidt sind jetzt alle Wandflächen belegt – doch nebenan ist noch allerhand Platz.

Von Claudia Carell

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