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Borna Groitzscher Burgfest mit Rätseln
Region Borna Groitzscher Burgfest mit Rätseln
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20:12 04.07.2010
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. Höhepunkt der dreitägigen Zeitreise war das Spectaculum mit Feuerwerk am Sonnabendabend.

Zum zwölften Mal ließ der Groitzscher Carnevalsverein „Schnaudertaler Burgnarren" das knapp tausendjährige Mittelalter aufleben. Und wieder folgten begeisterte Mittelalterfans dem Ruf der Handwerker, Gaukler, Vogelfreien und Bänkelsänger. Tischlermeister Steffen Wittke aus Leipzig, ein Unikum in Sachen Kunsthandwerk, bot an seinem Stand originelle Scheren, Brieföffner, Messer und Holzschmuck an. Daneben durften die Kinder mit Armbrüsten auf Holzfiguren schießen. „Ich bin damit gerne auf Märkten unterwegs, die historisch oder traditionell angehaucht sind. Dort sind die Menschen sehr aufgeschlossen."

Schmiedemeister Erwin Littmann aus Wiederau hatte seine Feldschmiede von 1857 ebenfalls auf den Burgberg mitgebracht. Immer zu Scherzen aufgelegt, gab der Handwerker seinen Kunden kleine Rätsel und Reime mit auf den Weg – oder diese ihm. „Wie viele Nägel braucht ein gut beschlagenes Pferd", fragte etwa ein Passant an der Feldschmiede. Littmann fiel auf den Trick nicht rein und grinste übers ganze Gesicht: „Ein gut beschlagenes Pferd braucht keine Nägel." Mit eisernen Herzen, kleinen Hufeisen fürs Portemonnaie, Brieföffnern, Kerzenständern oder Garderobenhaken erfreute der Schmied seine Kundschaft.

Neben einem Kerzenmacher, Whiskyverkäufer, dem eiskalten Ulrich, der Bastelstraße mit den „Dancing Housewifes", einem Frettchenzirkus, dem Puppentheater „Krambamboli" und einem Edelsteinhändler bot das Groitzscher Burgfest auch musikalisch einen gelungenen Rundumschlag. Die „Wilden Weyber" aus Dresden, erstmals urkundlich erwähnt 1996, wildern bekanntlich mit Vorliebe auf Jahrmärkten, Schlössern und Burgen. Auch in Groitzsch nahmen sie kein Blatt vor den Mund, trieben manchem Mannsbild die Röte ins Gesicht – und gaben ebenfalls kleine Rätsel auf: Welche Biere schäumen am meisten? Die Frage ist fast 400 Jahre alt. „Die Barbiere", antworteten die Weyber selbst, da niemand auf die Antwort kam. „Dann esst in Frieden", zogen sie von Tisch zu Tisch weiter, „macht wenigstens das Eine richtig." Für richtige Antworten durften sich die Mannsbilder dagegen etwas wünschen: ein Lied, einen Tanz, oder dass die Weyber das Maul halten. Den meisten war nach Liedern zumute. „Mit welcher Zung soll es gesungen sein, auf russisch, tschechisch, spanisch, französisch, finnisch..." „Auf argentinisch", brüllte eine Männerrunde angesichts des Fußball-Viertelfinales zurück. Es war noch weit vor 16 Uhr.

Über all dem Treiben wachte bis gestern das Burggrafenpaar Timo, der Friedfertige und seine Gemahlin Judith, die einzig Wahre – im richtigen Leben Timo und Judith Bieniara, er Lokführer, sie Sekretärin. Ihre gräfliche Garderobe, in zartem und dunklem Grün gehalten, ließen sie sich von Birgit Poser aus Altenburg schneidern. „Alles Wildseide und Samt", zupft Timo seinen Umhang zurecht. Bei 40 Grad in der Sonne bestimmt nicht vergnügungssteuerpflichtig? „Klar, schwitzt man darunter", gibt sich der 39-Jährige tapfer, „aber nicht mehr als andere auch. Das Material atmet." Gemahlin Judith kann sich dagegen über ihre steile Karriere glücklich schätzen. „Vor zwölf Jahren bin ich beim Burgfest als Hexe verbrannt worden", plaudert sie aus dem Nähkästchen, „und jetzt bin ich die Gräfin. Das muss mir erstmal einer nachmachen." Das abendliche Specataculum eröffneten die Blaublüter mit einem selbst geschriebenen Lied zur Melodie von der Vogelhochzeit: „Mit dem stimmt was nicht." Hernach folgte ein Gewehr- und Kanonendonner, bis die vereinseigenen „Flitzpiepen" als Harlekine und Prinzessinnen die Bühne für einen Tanz übernahmen.

Bis zum spektakulären Höhenfeuerwerk, wie immer ein Meisterwerk des ehemaligen Groitzschers Heiko Höckel, wurden die Gäste von den „Dancing Housewifes", dem Kabarett „Larifari" sowie den „Streunern" aus dem Rheinland unterhalten. Als ihre Lieder gar zu schlüpfrig wurden, verkrümelten sich die Kinder gerade zu ihrem Fackel- und Lampionumzug rund um den Berg.

Hand aufs Herz: Möchte der Burggraf selbst gern im Mittelalter gelebt haben? „Das war nur für Herren eine schöne Zeit", schätzt er realistisch ein. „Ein Knecht möchte ich damals nicht gewesen sein. Der hatte nicht 16 Uhr Feierabend, und es war richtig schwere Arbeit."

Kathrin Haase

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