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Groitzscher Funde beflügeln Forschung

Groitzscher Funde beflügeln Forschung

Groitzsch oder Kairo? Auf die Frage nach der spannenderen Grabungsstätte zuckt Dirk Blaschta nur mit den Schultern. "Oft macht man dort den besten Fund, wo man ihn am wenigsten erwartet", so der Grabungsleiter vom Wohngebiet Schiefer Weg in Groitzsch.

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Die Keramikfragmente stammen aus der Zeit der Ackerbauern und Viehzüchter - die ersten Europäer, die hier sesshaft wurden.

Quelle: Peter Krischunas

Groitzsch. Hier wurden immerhin vor rund 7500 Jahren die ersten Europäer sesshaft. Das hebe laut Blaschta die Erwartungen der Mitarbeiter auf gute Funde erheblich.

Allerdings war sein letzter Einsatz vor über einem Jahr in Ägypten das reinste Abenteuer. "Nach der arabischen Revolution gegen die Regierung zogen Militär und Polizei an die Brandherde in die Stadt ab. Seitdem war auf dem Lande jeder auf sich selber gestellt", erzählt der 39-Jährige, der Ägyptologie sowie Ur- und Frühgeschichte studierte und bereits als Student in der Nähe von Kairo, in Dahschur, an Grabungen mitwirkte. Durch die Staatskrise nach dem 25. Januar 2011 wurden aber selbst einfachste Dinge wie das Betanken des Grabungsfahrzeuges durchaus gefährlich. "Jeder war sich der Nächste", so seine Erfahrung. Soll heißen, man musste sich durchkämpfen. Grabraub stand an der Tagesordnung. Nachts gingen Salven von Maschinengewehren in die Luft. Damit wollten die Wachen der Hausbesitzer zeigen: Wir sind wehrhaft.

"Wir konnten uns der unsicheren Zeiten wegen kaum noch auf die Arbeit konzentrieren. In dieser Zeit dachten wir oft an unsere Liebsten zu Hause", so Blaschta, der damals für die Freie Universität Berlin unter Professor Stephan Seidelmayer, Leiter des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo, arbeitete.

Die Arbeit in Groitzsch ist für Blaschta grundlegend gegensätzlich. Hier laufe alles in geordneten Bahnen und er kann nicht nur in seinem Baucontainer seiner Arbeit nachgehen. Es ist sogar ein Sanitär-Container vorhanden. "Davon konnten wir in Dahschur nur träumen".

Zudem ist es seine erste Grabung seit langer Zeit in seiner Heimat. Blaschta stammt aus Zeitz, wohnt heute in Leipzig. Zudem ist er mittlerweile für das Landesamt für Archäologie Sachsen (LfA) tätig. Seit Mitte März bis etwa Ende des Jahres 2014 forscht er mit 16 weiteren Mitarbeitern und vier Studenten der Universität Leipzig auf dem Gelände Schiefer Weg. Es ist das zukünftige Wohngebiet für die Pödelwitzer Familien, deren Ort am Rande des nahenden Tagebaues Groitzscher Dreieck liegt (LVZ berichtete). Deshalb werden die Grabungen auch von dem Bergbauunternehmen Mibrag gefördert.

Das Haus, welches das Grabungsteam auf dem 3,6 Hektar großen Grabungsareal am Schiefen Weg bisher zu Teilen freigesetzt hat, ist 25 Meter lang und 6,5 Meter breit. Es stammte aus der Zeit vor 7500 bis 7000 Jahren. In den Längsgruben wurden bislang Funde der Linienbandkeramik, die in dieser Gegend entstand, gefunden, aber auch Werkzeuge, Mahlsteine, Keulenköpfe aus Granit und Steinbeile. "Es sind sehr schöne Funde, die uns in der Forschung um die ersten Siedlungen in Europa weiterbringen", sagt Dirk Blaschta.

Im Rahmen der Festwoche "800 Jahre Stadtrecht Groitzsch" bietet das Landesamt für Archäologie Führungen über die Grabungsstätte an: zum Denkmalstag am 14. September, 14 bis 16 Uhr.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.08.2014
Peter Krischunas

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