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Groitzscher Gymnasiasten laden Flüchtlinge zum Stadtrundgang ein

Integration Groitzscher Gymnasiasten laden Flüchtlinge zum Stadtrundgang ein

Dass Flüchtlingskinder sofort nach ihrer Ankunft hier integriert werden müssen, steht außer Frage. Oberstufenschüler des Wiprecht-Gymnasiums in Groitzsch nehmen das wörtlich und haben Anfang des Schuljahres das Projekt „Grenzenlos“ initiiert. Sie bieten seitdem Sprachspiele für Kinder an, interkulturelle Feiern und nun auch Stadtrundgänge für die Familien.

Am Wiprecht-Gymnasium Groitzsch hat sich eine Gruppe zusammengefunden, die sich der Integration von Flüchtlingen verschrieben hat.

Quelle: Julia Tonne

Groitzsch. Dass Flüchtlingskinder sofort nach ihrer Ankunft hier integriert werden müssen, steht außer Frage. Doch die Umsetzung gestaltet sich mancherorts mehr als schwierig. Nicht so in Groitzsch. Oberstufenschüler des Wiprecht-Gymnasiums haben Anfang des Schuljahres das Projekt „Grenzenlos“ initiiert und bieten seitdem Sprachspiele für Kinder an, interkulturelle Feiern und nun auch Stadtrundgänge für die Familien.

Jeden Montag und jeden Donnerstag sitzen Zehnt- und Elftklässler nach ihrem Unterricht noch in den Klassenräumen und „unterrichten“ selbst. Ihre Schüler sind Flüchtlingskinder im Kindergarten- und Grundschulalter bis hin zu Jugendlichen, die regulär die siebente Klasse besuchen würden. Derzeit stehen die Obstsorten auf dem Programm der Kinder, die unter anderem aus Syrien, Albanien und dem Kosovo kommen. Ist das Sprachliche gelernt, wird anschließend ein Obstsalat zubereitet. Jede Woche lassen sich die Gymnasiasten etwas anderes einfallen, Sprachspiele haben sich besonders bewährt. „Wichtig ist uns aber auch, dass wir nebenbei Werte vermitteln wie zum Beispiel Gleichberechtigung und Gemeinschaft“, macht Julia Mädler deutlich. Sie gehört von Anfang an zu der Gruppe, die zunächst aus sieben Oberschülern bestand und mittlerweile 20 umfasst.

Dass sie gemeinsam das Projekt auf die Beine gestellt haben, hängt mit der Diskussion um Integration zusammen. „Wir wollten uns nicht nur eine Meinung aus den Berichten in den Medien bilden, sondern selbst Verantwortung übernehmen“, begründet die 17-Jährige. Und der Erfolg kann sich schon nach einem halben Jahr sehen lassen. Rund zwölf Kinder sind wöchentlich zu Gast im Gymnasium, um die Sprache zu lernen und außerdem den Alltag an einer Schule zu erleben. Der Kontakt zu den Kindern und deren Eltern kam über Einzelhändler und Sozialpädagogen zustande.

Ein Ersatz für die DAZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) solle das Projekt allerdings nicht sein, betont Roland Badstübner, Schulsozialarbeiter am Gymnasium, der das Projekt unterstützt und mit begleitet. Vielmehr gehe es darum, Angebote für Flüchtlingskinder zu schaffen, um die Zeit bis zur Einschulung zu überbrücken oder den Unterricht in der Schule zu ergänzen. Dazu gehörten auch Freizeitangebote wie gemeinsame Fußballspiele oder Ausflüge.

Für den kommenden Donnerstag haben sich die Gymnasiasten „Groitzsch für Newcomer – die Top 6, die jeder gesehen haben muss“ einfallen lassen. Sie laden Familien aus aller Herren Länder zu einem Stadtrundgang ein. Dabei lernen sie die Orte kennen, die immer wieder gebraucht werden – angefangen von Ärzten und der Bibliothek über die Post bis hin zur Wiprechtsburg und den Abenteuerspielplatz.

Treffpunkt ist an dem Tag um 15 Uhr am Gymnasium. Ab 17.30 Uhr kommen die Schüler und Familien zu einem gemeinsamen Imbiss zusammen. Gedacht ist der Stadtrundgang für alle Migranten, die mittlerweile hier leben. Der „Status“ der Familien ist dafür keineswegs relevant. „Auch deshalb heißt das Projekt Grenzenlos“, erklärt Badstübner. Wer also Groitzsch besser kennen lernen will, findet sich um 15 Uhr einfach am Gymnasium ein. Ein Dolmetscher begleitet die Gruppe.

Den gibt es hingegen bei den Sprachangeboten der Oberstufenschüler nicht. Dennoch klappt das Lernen, Gymnasiasten und Flüchtlinge verständigen sich zuweilen in Englisch, auch das ein oder andere Mal über Italienisch – oder ganz hilfreich mit Händen und Füßen.

Von Julia Tonne

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