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Borna Groitzscher Imker beobachten mit Sorge akutes Bienen- und Insektensterben
Region Borna Groitzscher Imker beobachten mit Sorge akutes Bienen- und Insektensterben
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00:21 06.01.2018
Bienenzüchter Helmut Schroth aus Rüssen-Kleinstorkwitz betreibt seit Anfang der 80er-Jahre dieses Hobby. Er ist der Vorsitzende des Imkervereins Groitzsch und Umgebung. Quelle: Jens Paul Taubert
Groitzsch

Zum Frühstück ein schönes, goldgelbes Honigbrötchen? Bei Erkältung und Halskratzen langsam ein Stück Propolis (Kittharz) im Mund zergehen lassen und kleine Wunden damit auf der Haut einreiben? Für den Imker Helmut Schroth aus Rüssen-Kleinstorkwitz gehören diese Bienenprodukte nicht nur auf den täglichen Speisezettel, sondern aufgrund ihrer antiviralen und antibiotischen Eigenschaften auch in die Hausapotheke. „Bienen sind das drittwichtigste Haustier nach Hund und Schwein“, bricht der 64-Jährige eine Lanze für dieses Hobby.

Bienenzüchter Helmut Schroth aus Rüssen-Kleinstorkwitz betreibt seit Anfang der 80er-Jahre dieses Hobby. Er ist der Vorsitzende des Imkervereins Groitzsch und Umgebung. Quelle: Jens Paul Taubert

Die Imkerei betreibt Helmut Schroth seit Anfang der 80er-Jahre, angeregt durch seinen Vater. Heute unterhält er selbst 16 Bienenvölker mit jeweils bis zu 50 000 Tieren und leitet seit vielen Jahren den Imkerverein Groitzsch und Umgebung. 22 Mitglieder zählt dieser aktuell, Tendenz steigend. Um den Nachwuchs sei es gut bestellt, meint der Bienenfreund. „Es gibt wieder viele junge Imker, vor allem Frauen. Noch vor ein paar Jahren hatten wir gerade mal neun oder zehn Mitglieder. Mittlerweile haben wir uns mehr als verdoppelt, und am meisten sind Frauen dazugekommen.“

Es sind das Bewusstsein für die Natur, der Kreislauf der Jahreszeiten und das Verständnis für natürliche Abläufe, die das Hobby so interessant machen. Neueinsteigern empfiehlt Schroth die Lehrgänge des Landesverbandes sächsischer Imker sowie einen Bienenpaten aus einem regionalen Verein. „Die Imkerei kann jeder erlernen“, sagt er und schätzt daran vor allem die freie Zeiteinteilung. „Man ist nicht unmittelbar zeitlich gebunden, kann die Arbeiten in jeder freien Minute erledigen. Außer vielleicht im Mai, das ist die intensivste Zeit für einen Imker. Da sollte man nicht unbedingt in den Urlaub fahren...“

Bienen sind das drittwichtigste Haustier in Deutschland, nach Hund und Schwein. Der Groitzscher Imkerverein zählt derzeit 22 Mitglieder, Tendenz steigend. Quelle: Jens Paul Taubert

Doch trotz steigender Zahl der Imker: „Unsere Bienen haben es zurzeit nicht leicht“, spricht der Rüssener ein Thema an, das immer wieder durch die Medien geistert. „Es geht nicht nur ums Bienensterben, sondern das Insekten- und Artensterben insgesamt. Es ist dramatisch.“ Wenn plötzlich die Bienen fehlen, merke das der Mensch relativ schnell und unmittelbar. Sterben aber auch andere Insekten, habe das gravierende Auswirkungen auf alle Lebewesen. Vögel haben nichts mehr zu fressen, die Nahrungskette gerät ins Wanken. „Die Welt hat sich sehr verändert“, meint der Vater von vier Kindern und dreifache Opa mit etwas Wehmut in der Stimme, „der Mensch greift in die Natur ein, mit einer Schnelligkeit und Unnachgiebigkeit, dass sich die Natur nicht mehr erholen kann.“

Allein 5000 Tonnen des Herbizids Glyphosat werden in Deutschland jährlich versprüht, 60 Prozent davon in der Landwirtschaft. „Würde man nur das Glyphosat verbieten, passiert wahrscheinlich nicht viel, aber es wäre ein Anfang“, meint der Bauingenieur. „Es ist vielmehr die Summe aller Einflüsse, besonders der ausgebrachten Pestizide, die den Insekten das Leben schwer macht.“ Aus seiner Sicht müsse dringend ein Umdenken in der Politik erfolgen, aber auch jeder Einzelne könne mit einer nachhaltigen Lebensweise die Natur positiv verändern.

„Wir leben in einer aufgeräumten Landschaft“, spricht Helmut Schroth das wohl größte Problem an. Es fehle durchgängig an Pollen und Nektar, deshalb rät er vor allem Kleingärtnern und Grundstücksbesitzern zu mehr Mut. „Nicht so viele Koniferen anpflanzen, die sind einfach nur grün und mehr nicht. Auch der Rasen sollte nicht so oft gemäht werden, es muss nicht immer geschniegelt und gebügelt aussehen, man kann auch mal etwas stehen lassen.“ An den Straßenrändern habe der Imker schon die herrlichsten Blumen und Kräuter entdeckt. „Und dann werden sie ruckzuck abgemäht. Aber warum?“

Hinzu komme der Trend, dass bei vielen Familienfeiern, Stadtfesten oder sonstigen Jubiläen Feuerwerke veranstaltet werden. „Was dort zum Spaß an Giften in die Atmosphäre geblasen wird, ist eine Katastrophe. Auf der anderen Seite haben wir Umweltzonen eingerichtet und strengste Vorschriften in allen Bereichen. Das passt für mich nicht zusammen.“

Von Kathrin Haase

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