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Borna Groitzscher Nachbarn leisten Widerstand gegen Heizkraftwerk Meuselwitz-Lucka
Region Borna Groitzscher Nachbarn leisten Widerstand gegen Heizkraftwerk Meuselwitz-Lucka
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00:21 22.09.2017
Protest in Lucka – teils mit Gasmaske und Mundschutz – gegen die geplante Wiederinbetriebnahme des Heizkraftwerkes Meuselwitz-Lucka im Industriepark Nord. Auch in Groitzsch regt sich Widerstand. Quelle: Bastian Fischer
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Groitzsch/Meuselwitz

Erneut sorgt in der Elsterregion ein Projekt hinter der Landesgrenze für Aufregung. Ist es im Pegauer Bereich, wie berichtet, die geplante Mineralstoffdeponie Profen-Nord in Sachsen-Anhalt, so geht es im südöstlichen Gebiet von Groitzsch um das Heizkraftwerk Meuselwitz-Lucka in Thüringen, das der neue Eigentümer wieder in Betrieb nehmen will. Widerstand regt sich vor allem im Ortsteil Berndorf. Der Begriff Müllverbrennungsanlage trifft wohl eher den Charakter des Vorhabens, sodass nicht nur die direkt betroffenen Kommunen, sondern auch die sächsische Nachbarschaft den Neustart rundweg ablehnen.

Das Ende 2013 stillgelegte und seither verschlissene Heizkraftwerk Meuselwitz-Lucka soll wieder hochgefahren werden, hat der neue Eigentümer beantragt. Quelle: Mario Jahn

„Das geht doch gar nicht“, empört sich der Berndorfer Ortsvorsteher Jens Riemann. „Ganz ohne Öffentlichkeit. Und die Anlage ist total veraltet.“ Von der liegt sein Dorf nur gut vier Kilometer entfernt. „Offiziell ist doch davon nichts mitgeteilt worden, wir wissen das nur über Mund-zu-Mund-Propaganda.“ Die Rede sei von gefährlichen Stoffen, die dort verbrannt werden sollen. Da sei doch klar, dass er und zahlreiche weitere Anwohner über die Auswirkungen auf ihre landwirtschaftlichen Flächen und die Umwelt insgesamt beunruhigt sind. Riemann und einige andere haben deshalb Protestbriefe an das zuständige Landesverwaltungsamt geschrieben (Hauptsitz Weimar, entspricht sächsischer Landesdirektion).

CDU-Abgeordneter Riemann hatte zudem in der jüngsten Groitzscher Stadtratssitzung nach der Beteiligung seiner Kommune am Genehmigungsverfahren gefragt. Was Bürgermeister Maik Kunze (CDU) klar verneinte: „Wir wurden gar nicht gehört.“

Bis heute sollen hingegen die Städte Meuselwitz und Lucka, zwischen denen das Heizkraftwerk (HKW) im Industriepark Nord steht, ihre Stellungnahmen abgeben. Der Meuselwitzer Bauausschuss verweigerte am Donnerstag komplett seine Zustimmung. Zuvor hatte Rechtsanwalt Frank Rosenfeld erklärt, dass Eigentümer DIT GmbH & Co. KG GmbH keine Aussicht auf Erfolg haben dürfte, da unter anderem die Betriebserlaubnis mehr als drei Jahre nach der Stilllegung erloschen sein müsste. Ähnlich wird Lucka bei seiner Ablehnung argumentieren, war von dort zu hören. Und auch der Landkreis Altenburger Land kann dem Vorhaben nichts Positives abgewinnen. Neben dem hohen Sanierungsstau im Heizkraftwerk, das Ende 2013 außer Betrieb genommen worden war und seither wohl keine Erhaltungs- und Reparaturarbeiten erhalten hatte, würden auf den neuen Eigentümer höhere rechtliche Normen zukommen, hatte das Landratsamt schon vor einiger Zeit mitgeteilt.

Luckaer Einwohner zeigten Mitte August bei einer Demonstration, teils mit Gasmasken und Mundschutz, ihren Widerwillen gegen die geplante Wiederinbetriebnahme des Heizkraftwerkes. Eine ähnliche Aktion kann sich Jens Riemann vorstellen. „Als vor Jahren eine Müll­verbrennungsanlage auf dem Gelände des früheren Glasverarbeitungswerks Maltitz errichtet werden sollte, haben wir aus Protest einen Sternmarsch gemacht“, so der Berndorfer. Das Vorhaben war dann 2009 nicht mehr verfolgt worden. So müsse es auch diesmal laufen.

Beantragte Brennstoffe für das Heizkraftwerk Meuselwitz-Lucka

Verpackungen mit schädlichen Verunreinigungen

Holz, Glas und Kunststoff mit schädlichen Verunreinigungen

Bauabfälle, die gefährliche Stoffe enthalten

Holz, das gefährliche Stoffe enthält

Bekleidung, Textilien

Altreifen

Sägemehl und Spanplatten, die gefährliche Stoffe enthalten

brennbare Abfälle

gemischte Siedlungsabfälle

organische kompostierbare Küchenabfälle

andere nicht kompostierbare Abfälle

Deinkingschlämme aus dem Papierrecycling

Faser- und Papierschlämme

Von Olaf Krenz

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