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Groitzscherin kümmert sich um Flüchtlingsfamilien in Elstertrebnitz

Unterstützung Groitzscherin kümmert sich um Flüchtlingsfamilien in Elstertrebnitz

Karin Heimann und ihre Mitstreiter kümmern sich seit Oktober um acht Flüchtlingsfamilien, die in Elstertrebnitz leben. Die Hilfe umfasst Deutsch-Unterricht für die Erwachsenen, Behördengänge, Arztbesuche und Unterstützung im Alltag. Jetzt haben die Helfer erstmals eine Abschiebung hautnah miterlebt – und waren entsetzt.

Karin Heimann (rechts) findet über diverse Verlage immer wieder Arbeitsblätter, mit denen sie Yusra und Shehab Deutsch beibringen kann.

Quelle: Julia Tonne

Elstertrebnitz. Geduldig sitzt die 35-jährige Yusra am Küchentisch und büffelt die Konjugation deutscher Verben. Mit „sein“ hat sie noch Schwierigkeiten, „laufen“ klappt schon reibungslos. Hilfe findet die Syrerin bei Karin Heimann, die sich seit einem halben Jahr ehrenamtlich um 33 Flüchtlinge in Elstertrebnitz und Pegau kümmert.

Doch Heimann bringt den insgesamt acht Familien, die im ehemaligen Herrenhaus untergekommen sind, nicht nur die deutsche Sprache bei, sondern hilft zusammen mit Mitstreitern aus dem Ort bei Behördengängen, Bankbesuchen, Einkäufen und im familiären Alltag. Yusra und ihr Mann Shehab flohen vor zehn Monaten aus der zerstörten syrischen Stadt Kobane nach Deutschland, kamen mit ihren vier Kindern zunächst in Chemnitz, später in Rötha unter und leben nun übergangsweise in Elstertrebnitz, bis sie die Anerkennung als Flüchtlinge bekommen haben.

Mit den etlichen Helfern hat die sechsköpfige Familie mehr als engagierte Frauen und Männer an ihrer Seite. Täglich ist Heimann, gebürtige Pegauerin, die in Groitzsch wohnt, vor Ort, um nach dem Rechten zu sehen, Schreiben der Behörden zu erledigen, Fragen zu beantworten oder einfach nur zum Reden da zu sein. „Denn so lernt es sich am besten“, sagt die 68-Jährige. Seit Oktober vergangenen Jahres ist sie die gute Seele für die Flüchtlinge, „ich wollte nicht nur zugucken, sondern helfen“, macht sie deutlich. Und ihr war auch von Anfang an klar, „dass es ein 24-Stunden-Job ist“. Am Vormittag stehen Deutsch-Stunden auf dem Programm, am Nachmittag werden die Kinder zum Sport, Tanzen und zu Deutsch-Stunden im Gymnasium gefahren. Und nebenbei vermittelt sie die Werte, die hier wichtig sind. „Die Frauen muss ich stärken, denn hier sind Männer und Frauen nun einmal gleichberechtigt“, macht sie deutlich.

Die drei Jungen Bahzad (11), Adham (10) und Even (4) sowie die sechsjährige Zein sind mittlerweile gut integriert. Die beiden großen Jungen gehen in Böhlen und Rötha zur Schule und werden zweimal in der Woche von den Fußballtrainern des TuS Pegau zum Training abgeholt. Even und Zein gehen noch in den Kindergarten und besuchen beim TuS die Turngruppe. Zein tanzt zudem mehrmals in der Woche beim Pegauer Karneval Klub. Die Sechsjährige spricht bereits so gut Deutsch, dass sie im August in die Pegauer Grundschule eingeschult werden kann, obwohl es dort noch keine Klasse für Deutsch als Zweitsprache gibt.

Über Monate haben sich Heimann, die evangelische Kirchgemeinde/Arche und eine Mitarbeiterin der Diakonie ein umfangreiches Netzwerk aus Ansprechpartnern geknüpft, um jederzeit helfen zu können. Das reicht von Gewerbetreibenden über das Gymnasium Groitzsch, in dem Schüler das Projekt „Grenzenlos“ ins Leben gerufen haben, um mit den Kindern die Sprache zu üben, bis hin zum Landratsamt und der Bildungsagentur. Mittlerweile kennen sie so viele Leute, „dass wir immer wissen, wen wir fragen können“. Eines aber ist der 68-Jährigen wichtig: die Familien sollen im Laufe der Zeit lernen, den Alltag alleine zu bewältigen. Bei neuen Entwicklungen wie zum Beispiel Schulanfang und Vereinsmitgliedschaften hilft sie, doch wenn alles klappt, zieht sie sich auch zurück.

Komplett loslassen musste sie jetzt gezwungener Maßen. Denn zum ersten Mal hat sie eine Abschiebung miterlebt. „Das kann sich keiner vorstellen. Plötzlich steht die Polizei vor der Tür, die Familie hat gerade einmal eine Stunde Zeit zum Packen“, beschreibt Heimann. Dabei sind die drei aus Albanien längst gut integriert. Alle sprechen Deutsch, haben Freunde und Vereine gefunden. Zwar will Heimann die Schicksale nicht zu sehr an sich heranlassen, „doch das ist immer leichter gesagt als getan“.

Nach wie vor ist Heimann auf der Suche nach Spenden und nach weiteren Mitstreitern. „Die Leute wollen angesprochen werden und die meisten helfen dann auch“, sagt sie. „Viele haben Respekt vor diesem Ehrenamt, andere fragen mich entsetzt, warum ich ,denen’ auch noch helfe“, erzählt sie. Eine große Unterstützung findet sie selbst bei Pegaus Pfarrer Torsten Reiprich. Über die evangelische Kirche können Spenden nach Absprache jederzeit abgegeben werden. Besonders gebraucht werden im Moment Schulsachen und Küchenutensilien.

Von Julia Tonne

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