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Borna Großbrand in Böhlen-Lippendorf unter Kontrolle
Region Borna Großbrand in Böhlen-Lippendorf unter Kontrolle
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17:05 13.03.2018
Die drei ausgebrannten Lagerhallen bei Lippendorf aus der Vogelperspektive.  Quelle: Matthias Strauss
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Neukieritzsch/Lippendorf

 Der Großbrand von drei Lagerhallen mit Kunststoffabfällen im Industriegebiet Böhlen-Lippendorf war am Dienstagvormittag weitgehend unter Kontrolle.

Statt schwarzen Rauchs wie noch am Montagabend lag weißer Qualm über dem Gelände der Firma Plambeck ContraCon Bau und Umwelttechnik Leipzig, der von aufkommendem Wind verwirbelt wurde. Damit sank nach Einschätzung von Karsten Jockisch, Brandschutzchef der Gemeinde Neukieritzsch, die Gefahr für die Bevölkerung der umliegenden Orte.

Daten zur Gefährdung am Mittwoch vorgestellt

Die Warnung an die Anwohner verbunden mit dem Hinweis, Fenster und Türen geschlossen zu halten, wurde allerdings auch nach dem Abzug der Messwagen des Landratsamtes noch aufrechterhalten. Bereits in der Nacht zu Dienstag nahmen diese Fahrzeuge Wasser- und Rußproben und führten Luftmessungen durch. Ergebnisse, die auf eine Gefährdung hinweisen könnten, liegen noch nicht vor. Die Daten müssten erst ausgewertet werden, sagte David Zühlke, Zugführer des Erkundungszuges. Nach Aussagen des Landratsamtes soll dies bis spätestens am Mittwoch erfolgen.

Die Feuerwehr kämpfte auch am Dienstmorgen noch mit dem Brand in einer Lagerhalle in Lippendorf.

Gemessen worden war auch im Kindergarten in Böhlen und im dortigen Berufsschulzentrum. Stadt und Kindereinrichtung entschieden, dass die Kinder am Dienstag nicht rausgehen. Diese Entscheidung hatte als Vorsichtsmaßnahme auch Leiterin Josephine Wiche für die Kita „Regenbogenland“ in der Nachbarstadt Rötha getroffen. „Wir werden das in den nächsten Tagen beobachten und hoffen, dass die Kinder bald wieder draußen toben können“, sagte sie.

Zahlreiche Feuerwehren im Einsatz

Der Böhlener Bürgermeister Dietmar Berndt (parteilos) war bereits am Montagabend zur Lagebesprechung auf dem Firmengelände und am Dienstag mit einem der Messwagen in seiner Stadt unterwegs. Auch er erklärte, dass bislang noch nicht gesagt werden könne, ob der Qualm des Brandes schädlich ist oder nicht.

Drei große Zelthallen, in denen Kunststoff-Recyclingmaterial lagerte, waren auf dem Firmengelände, das im Industriegebiet auf Neukieritzscher Flur liegt, am Montagnachmittag in Brand geraten. „Durch den Wind breitete sich das Feuer rasend schnell aus“, sagte Andreas Bock, Wachabteilungsleiter der VSU Vereinigte Sicherheitsunternehmen, der als Einsatzleiter fungierte.

Neben der VSU-Werksfeuerwehr waren zahlreiche Feuerwehren aus der gesamten Region im Einsatz. Als die Einsatzkräfte eintrafen, habe bereits eines der 70 mal 20 Meter großen Zelte gebrannt. Die Flammen hätten, durch den Wind angefacht, sofort auf die beiden benachbarten übergegriffen.

In Böhlen südlich von Leipzig ist am Montag ein Großbrand ausgebrochen. Mehrere Lagerhallen standen in Flammen, eine Rauchsäule war weithin sichtbar.

Erschwerend sei hinzugekommen, dass das brennende Material ausgesprochen energiereich sei. Die Feuerwehren hatten vor allem damit zu tun, die lichterloh und extrem heiß brennende Masse zu kühlen. Weil dazu das Wasser aus dem öffentlichen Netz nicht ausreichte, wurden die Hydranten auf dem Gelände des Kraftwerkes Lippendorf angezapft. Dazu wurden vier jeweils gut einen Kilometer lange Schlauchleitungen gelegt.

Nicht das erste Feuer auf dem Gelände

Am späten Vormittag begannen Mitarbeiter von Plambeck, mit einem Radlader die Haufen auseinanderzuziehen und umzuwälzen, damit das Löschwasser überall eindringen kann. Sowohl Jockisch als auch Zühlke waren am Mittag zufrieden mit dem Vorankommen der Löscharbeiten. Jockisch: „Möglicherweise schaffen wir es sogar noch bis heute Abend.“

Das jetzt ausgebrochene Feuer war nicht das erste auf dem Gelände von Plambeck am hiesigen Standort. Schon zu Pfingsten 2014 war hier eine rund 50 mal 50 Meter große Halle in Brand geraten, in der sich neben Erdresten Plastikabfall befand. Das sorgte schon damals für Verwunderung, da das Unternehmen auf dem Gelände eines früheren Tanklagers vor allem als Bodensanierer bekannt war.

Das Unternehmen selbst spricht davon, dass „ausgewählte Abfallfraktionen mit dem Ziel der Herstellung von Ersatzbrennstoffen (EBS) mit definierten physikalischen und chemischen Eigenschaften und notwendigen Qualitätsanforderungen der Endverwerter aufbereitet“ werden. Diese kämen vor allem in Zement- und Industriekraftwerken sowie als alleiniger Brennstoff in EBS-Kraftwerken zum Einsatz.

Plambeck lehnt Zusammenarbeit ab

Seitens der in Neukieritzsch agierenden Bürgerkontaktgruppe, die mit Firmen im Industriegebiet Böhlen-Lippendorf in Kontakt steht, wird bedauert, dass das Unternehmen der Plambeck-Gruppe bislang nicht zur Zusammenarbeit bereit war. Der Neukieritzscher Bürgermeister Thomas Hellriegel (CDU) will zunächst die Löscharbeiten und die anschließenden Ermittlungen zur Brandursache abwarten.

Schon jetzt schätzt er jedoch ein: „Zwei Brände in vier Jahren, das ist bedenklich.“ Nach Auswertung aller Informationen werde man sich mit allen zuständigen Behörden darüber unterhalten müssen, wie es mit dem Unternehmen weiter geht, sagte Hellriegel.

Für Neukieritzsch ist Plambeck diesbezüglich nicht die einzige Baustelle. Im Ortsteil Lobstädt brannten auf dem Gelände der früheren Firma Erfkamp im November 2011 auch schon einmal mehrere Tonnen gepresster Kunststoffabfallr. Reste davon liegen bis heute auf dem Areal.

Seitens der Unternehmensleitung des Abbruch- und Sanierungsbetriebes Plambeck Leipzig gab es bis Dienstagnachmittag keine öffentlichen Äußerungen. Journalisten wurden vor dem Werksgelände am Vormittag über Stunden vertröstet, telefonische Anfragen blieben bis zum Abend unbeantwortet.

Anwohner äußern sich nach dem Großbrand

Anwohner in Böhlen, Rötha und Espenhain äußern sich nach dem Großbrand. Einige von ihnen sind besorgt, denn solche Vorfälle seien leider keine Ausnahme in der Region.

Von André Neumann, Ekkehard Schulreich und Claudia Carell

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