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Große Resonanz auf Anne-Frank-Schau in Borna – Entsetzen nach Anschlag

Ausstellung Große Resonanz auf Anne-Frank-Schau in Borna – Entsetzen nach Anschlag

Die Resonanz auf die Anne-Frank-Ausstellung in Borna ist groß. 40 Schulklassen haben sich bisher angemeldet und täglich kommen weitere Anfragen nach freien Terminen hinzu. Unterdessen haben die Organisatoren Strafantrag gestellt, nachdem ein Banner angezündet und zerstört worden ist.

Bis zum 29. September ist die Anne-Frank-Ausstellung noch im Goldenen Stern in Borna zu sehen. Das Besondere: Jugendliche führen Klassen durch die Schau.

Quelle: Thomas Kube

Borna. Um das von Unbekannten zerstörte Banner zur Anne-Frank-Ausstellung ersetzen zu können, rufen die Organisatoren, das Anne-Frank-Zentrum Berlin und das Flexible Jugendmanagement des Landkreises Leipzig, zu Spenden auf. Das Banner soll in den kommenden Tagen wieder aufgehängt werden. Doch das Entsetzen ist bei allen Beteiligten nach wie vor groß. Die Organisatoren haben einen Strafantrag gestellt, die Ermittlungen laufen derzeit auf Hochtouren.

„Der Anschlag ist wie ein zweiter Mord an Anne Frank und hat uns ganz schön getroffen, aber wir lassen uns davon nicht unterkriegen“, macht Andreas Rauhut vom Jugendmanagement deutlich. Und Patrick Siegele, Direktor des Anne-Frank-Zentrums, ergänzt, dass die Ausstellung trotz des Anschlags ein Erfolg sei – „das zeigt sich an der großen Akzeptanz und am Interesse“.

40 Schulklassen aus dem gesamten Landkreis haben sich bereits für eine Führung durch den Goldenen Stern angemeldet. Die Hälfte davon war bereits zu Gast in Borna. Und auch an den Nachmittagen seien immer zahlreiche Besucher vor Ort. Was die Gruppen besonders schätzen, ist der sogenannte Peer-to-Peer-Ansatz, das heißt, dass Jugendliche die Klassen durch die Schau begleiten und Hintergrundwissen vermitteln. „Von vielen Lehrern haben wir gehört, dass das Konzept sehr gut angekommen ist“, sagt Rauhut. Täglich kämen noch Anfragen von Schulen zu freien Terminen. Auch Siegele ist über die bisherige Resonanz erfreut, „für eine Stadt dieser Größenordnung ist der Besucherverkehr sehr gut“.

Zu Besuch war in den vergangenen Tagen zudem die Gastklasse aus Tschechien, in einigen Tagen kommen noch jugendliche Flüchtlinge und Insassen der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen in den Goldenen Stern, um sich die Schau anzusehen. „Die meisten Schüler, die kommen, bringen einiges an Wissen über die Zeit des Nationalsozialismus mit“, erklärt Kim Gebel, eine von 28 Mädchen und Jungen, die die Klassen begleiten. Die Atmosphäre sei entspannt und die Schüler würden gut mitarbeiten. Großes Interesse rufe vor allem der aktuelle Bezug hervor. Siegele nennt den Teil der Ausstellung „Brücke in die Gegenwart“. Diese sei wichtig, um aus der Geschichte zu lernen und Konsequenzen für die Zukunft zu ziehen.

Bornas Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) setzt mit ihren regelmäßigen Besuchen in der Ausstellung ein deutliches Zeichen gegen Fremdenhass. Auch sie zeigt sich empört über die Zerstörung des Banners. „Dafür habe ich gar kein Verständnis“, betont sie. Sie lädt die Täter dazu ein, sich gemeinsam mit den Jugendlichen die Schau anzusehen. Der Anschlag sei klar politisch motiviert, „um so wichtiger ist es, ein Zeichen für die Demokratie zu setzen“. Denn die fällt nach Aussage von Siegele nicht vom Himmel, sie erfordere vielmehr Arbeit und das Bewusstsein, mit Verstand Änderungen bewirken zu wollen.

Die Wanderausstellung ist noch bis zum 29. September dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr und samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Nächste Veranstaltung des Begleitprogramms ist am morgigen Freitag. Klezmer Muskelkater spielt um 20 Uhr im Stadtkulturhaus traditionelle jiddische Instrumentalmusik. Luedtke hofft, dass die Schau in einigen Jahren wieder in die Große Kreisstadt kommt. „Denn dann ist die nächste Generation soweit, sich mit dem Thema zu beschäftigen“. Denn die Geschichte dürfe nicht in Vergessenheit geraten.

Wer für ein neues Banner spenden möchte: Bank für Sozialwirtschaft, IBAN: DE76 1002 0500 0003 2995 05, BIC: BFSWDE33BER.

Von Julia Tonne

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