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Grüne Berufe: Wurzen bringt sich für Ausbildung von Pferdewirten ins Gespräch

Ausbildung Grüne Berufe: Wurzen bringt sich für Ausbildung von Pferdewirten ins Gespräch

Rund 580 Schüler absolvieren derzeit ihre Ausbildung am Beruflichen Schulzentrum (BSZ) Wurzen. Aktuell gibt es Pläne, hier künftig auch Pferdewirte auszubilden. Es gebe dazu positive Signale aus dem Sächsischen Kultusministerium. Die Entscheidung, so BSZ-Leiter Eckhard Harnisch, sei allerdings noch nicht gefallen.

Nils Reuschl (25, vorn) sowie Tom Petzold (19) und Kevin Petzold (18, hinten re.) erlernen am BSZ Wurzen den Beruf des Garten- und Landschaftsbauers. Das Berufsschulzentrum gilt als Kompetenzzentrum für die Grünen Berufe.

Quelle: Thomas Kube

Landkreis Leipzig/Wurzen. Die Zeiten, als das Berufliche Schulzentrum in Wurzen aus allen Nähten platzte, sind längst vorbei. Im Jahr 2006 drückten noch über 1500 Jugendliche am BSZ die Schulbank, aktuell ist die Zahl auf 580 gesunken. Die Talfahrt der Auszubildenden-Zahlen hatte man sich nicht vorzustellen vermocht. „Im ungünstigsten Fall waren wir von einer Schülerzahl um die 750 ausgegangen“, blickt Schulleiter Eckard Harnisch auf inzwischen angestaubte Prognosen zurück. „Heute wären wir froh, wenn wir eine solche Zahl nur annähernd erreichen würden.“ Kurze Zeit hatte sogar das Damoklesschwert über der Ausbildungsstätte geschwebt. „Wäre es bei den ursprünglich im Schulgesetzentwurf angedachten 750 Schülern geblieben, hätte dies das Ende unserer Eigenständigkeit bedeutet“, lässt Harnisch durchblicken. Eine Zusammenlegung mit dem BSZ Grimma wäre dann unausweichlich gewesen.

Nach dieser kurzen Zitterpartie können sich die Verantwortlichen im Stammhaus in der Straße des Friedens und der Außenstelle am Domplatz wieder auf voll auf ihr Ziel konzentrieren. Und das heißt: Das BSZ als Kompetenzzentrum der Grünen Berufe stärken. Seit Jahren hat sich das Kollegium auf die Ausbildung von Floristen, Gärtnern, Land- und Tierwirten sowie Fachkräften für Agrarservice spezialisiert. „Erst jetzt wissen wir, wie wichtig es war, auf die landwirtschaftlichen Berufe zu setzen“, erklärt der Oberstudiendirektor. Nach der Wende sei man dafür von einigen belächelt worden. Die Landwirtschaft habe doch keine Zukunft. „Mittlerweile wissen wir, dass der Ausbildungsbedarf der landwirtschaftlichen Betriebe zwar nicht unermesslich, aber doch eine verlässliche Größe ist.“ Im Gegensatz sei zum Beispiel die Ausbildung in den Bauberufen komplett eingebrochen. „Hier hatten wir zu Spitzenzeiten weit über 200 Lehrlinge.“ Heute sei dieser Zweig am BSZ komplett verschwunden. Nicht mehr nachgefragt wird auch Gastro-Nachwuchs. „Hier zeigt die Lehrlingskurve in ganz Sachsen steil nach unten“. Die Zeiten, als am BSZ noch die Töpfe dampften, sind bald Geschichte. „Die Gastronomie-Ausbildung in unserem Haus läuft ebenfalls aus“, bedauert der Beuchaer. Derzeit steuern gerade noch zwei Beiköche auf ihren Abschluss zu.

Oberstudiendirektor Eckhard Harnisch, Leiter des BSZ Wurzen

Oberstudiendirektor Eckhard Harnisch, Leiter des BSZ Wurzen.

Quelle: Simone Prenzel

Dennoch keimt bei Eckard Harnisch und den 42 Lehrern doch eine gewisse Hoffnung, was die Zukunft der Bildungsstätte betrifft. „Bei allen Abstimmungsrunden, die derzeit mit dem Sächsischen Kultusministerium laufen, wird Wurzen als wichtiger Standort für die agrarberufliche Ausbildung bewertet.“ Lob hört das Kollegium immer wieder. Auch im Rahmen einer aktuellen Untersuchung zur künftigen Gestaltung der Berufsschul-Landschaft wird Wurzen der Rücken gestärkt. „Aktuell gibt es die Empfehlung, einen neuen Ausbildungsberuf in Wurzen anzusiedeln“, berichtet Holger Pethke, Leiter des Kultusamtes des Landkreises und als solcher für die BSZ-Standorte verantwortlich. „Wurzen hat gute Aussichten, künftig Pferdewirte auszubilden.“

Noch sei die Entscheidung nicht gefallen, warnt Eckard Harnisch vor verfrühter Euphorie. Allerdings wird in offiziellen Dokumenten aus dem Haus von Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) die Verlagerung der Pferdewirt-Ausbildung nach Wurzen bereits empfohlen. Stehen an der Mulde also bald die Aufzucht von Fohlen, Stallmanagement oder Reitstile auf dem Stundenplan? „Die räumlichen Voraussetzungen wurden bereits als optimal eingeschätzt“, freut sich Harnisch. Außerdem sollen nach den Kultus-Vorstellungen Pferdewirte künftig an einem Standort gemeinsam mit Tier- und Landwirten ausgebildet werden.

In Sachsen gibt es aktuell 75 Lehrlinge, die sich ihren Traum von einer Ausbildung als Pferdewirt erfüllen. Die Theorie büffeln alle in Altroßthal, einer Außenstelle des BSZ Agrarwirtschaft und Ernährung der Landeshauptstadt Dresden. Ausgebildet wird in fünf Fachrichtungen: Haltung und Service, Zucht, Klassische Reitausbildung, Spezialreitweisen sowie Galopp-und Trabrennen. „Die praktische Ausbildung findet auf Reiterhöfen, Gestüten, in Reitzentren oder landwirtschaftlichen Betrieben statt“, erläutert der 61-Jährige. Die Region rund um Wurzen gilt laut Harnisch als durchaus reit-affin. „Es gibt zahlreiche Reiterhöfe, deren Lehrlinge dann künftig nicht mehr nach Dresden pendeln müssten.“ Die zwei größten Ausbildungsbetriebe im Freistaat sind die Gestüte in Moritzburg und Graditz (bei Torgau). Ein entscheidendes Wort hat außerdem das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie mitzureden, das der Verlagerung der Ausbildung zustimmen muss. „Die Entscheidung steht wie gesagt noch aus", erklärt Harnisch. Und fügt zur Zeitscheine an: „Frühestens im Schuljahr 2018/2019 könnten die ersten Pferdewirte in Wurzen ihre Lehre starten.“ Der Landkreis Leipzig als Schulträger, erklärt Holger Pethke, würde die weitere Profilierung des BSZ nach Kräften unterstützen.

Von Simone Prenzel

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