Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Grüne Berufe: Wurzen bringt sich für Ausbildung von Pferdewirten ins Gespräch
Region Borna Grüne Berufe: Wurzen bringt sich für Ausbildung von Pferdewirten ins Gespräch
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 23.04.2017
Mike Friedrich (re.) und Christian Duy erlernen am Berufsschulzentrum Wurzen den Beruf des Friedhofsgärtners. Später werden sie auch auf dem großen Südfriedhof in Leipzig tätig sein. Quelle: Thomas Kube
Anzeige
Landkreis Leipzig/Wurzen

Die Zeiten, als das Berufliche Schulzentrum in Wurzen aus allen Nähten platzte, sind längst vorbei. Im Jahr 2006 drückten noch über 1500 Jugendliche am BSZ die Schulbank, aktuell ist die Zahl auf 580 gesunken. Die Talfahrt der Auszubildenden-Zahlen hatte man sich nicht vorzustellen vermocht. „Im ungünstigsten Fall waren wir von einer Schülerzahl um die 750 ausgegangen“, blickt Schulleiter Eckard Harnisch auf inzwischen angestaubte Prognosen zurück. „Heute wären wir froh, wenn wir eine solche Zahl nur annähernd erreichen würden.“ Kurze Zeit hatte sogar das Damoklesschwert über der Ausbildungsstätte geschwebt. „Wäre es bei den ursprünglich im Schulgesetzentwurf angedachten 750 Schülern geblieben, hätte dies das Ende unserer Eigenständigkeit bedeutet“, lässt Harnisch durchblicken. Eine Zusammenlegung mit dem BSZ Grimma wäre dann unausweichlich gewesen.

Nach dieser kurzen Zitterpartie können sich die Verantwortlichen im Stammhaus in der Straße des Friedens und der Außenstelle am Domplatz wieder auf voll auf ihr Ziel konzentrieren. Und das heißt: Das BSZ als Kompetenzzentrum der Grünen Berufe stärken. Seit Jahren hat sich das Kollegium auf die Ausbildung von Floristen, Gärtnern, Land- und Tierwirten sowie Fachkräften für Agrarservice spezialisiert. „Erst jetzt wissen wir, wie wichtig es war, auf die landwirtschaftlichen Berufe zu setzen“, erklärt der Oberstudiendirektor. Nach der Wende sei man dafür von einigen belächelt worden. Die Landwirtschaft habe doch keine Zukunft. „Mittlerweile wissen wir, dass der Ausbildungsbedarf der landwirtschaftlichen Betriebe zwar nicht unermesslich, aber doch eine verlässliche Größe ist.“ Im Gegensatz sei zum Beispiel die Ausbildung in den Bauberufen komplett eingebrochen. „Hier hatten wir zu Spitzenzeiten weit über 200 Lehrlinge.“ Heute sei dieser Zweig am BSZ komplett verschwunden. Nicht mehr nachgefragt wird auch Gastro-Nachwuchs. „Hier zeigt die Lehrlingskurve in ganz Sachsen steil nach unten“. Die Zeiten, als am BSZ noch die Töpfe dampften, sind bald Geschichte. „Die Gastronomie-Ausbildung in unserem Haus läuft ebenfalls aus“, bedauert der Beuchaer. Derzeit steuern gerade noch zwei Beiköche auf ihren Abschluss zu.

Oberstudiendirektor Eckhard Harnisch, Leiter des BSZ Wurzen. Quelle: Simone Prenzel

Dennoch keimt bei Eckard Harnisch und den 42 Lehrern doch eine gewisse Hoffnung, was die Zukunft der Bildungsstätte betrifft. „Bei allen Abstimmungsrunden, die derzeit mit dem Sächsischen Kultusministerium laufen, wird Wurzen als wichtiger Standort für die agrarberufliche Ausbildung bewertet.“ Lob hört das Kollegium immer wieder. Auch im Rahmen einer aktuellen Untersuchung zur künftigen Gestaltung der Berufsschul-Landschaft wird Wurzen der Rücken gestärkt. „Aktuell gibt es die Empfehlung, einen neuen Ausbildungsberuf in Wurzen anzusiedeln“, berichtet Holger Pethke, Leiter des Kultusamtes des Landkreises und als solcher für die BSZ-Standorte verantwortlich. „Wurzen hat gute Aussichten, künftig Pferdewirte auszubilden.“

Noch sei die Entscheidung nicht gefallen, warnt Eckard Harnisch vor verfrühter Euphorie. Allerdings wird in offiziellen Dokumenten aus dem Haus von Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) die Verlagerung der Pferdewirt-Ausbildung nach Wurzen bereits empfohlen. Stehen an der Mulde also bald die Aufzucht von Fohlen, Stallmanagement oder Reitstile auf dem Stundenplan? „Die räumlichen Voraussetzungen wurden bereits als optimal eingeschätzt“, freut sich Harnisch. Außerdem sollen nach den Kultus-Vorstellungen Pferdewirte künftig an einem Standort gemeinsam mit Tier- und Landwirten ausgebildet werden.

In Sachsen gibt es aktuell 75 Lehrlinge, die sich ihren Traum von einer Ausbildung als Pferdewirt erfüllen. Die Theorie büffeln alle in Altroßthal, einer Außenstelle des BSZ Agrarwirtschaft und Ernährung der Landeshauptstadt Dresden. Ausgebildet wird in fünf Fachrichtungen: Haltung und Service, Zucht, Klassische Reitausbildung, Spezialreitweisen sowie Galopp-und Trabrennen. „Die praktische Ausbildung findet auf Reiterhöfen, Gestüten, in Reitzentren oder landwirtschaftlichen Betrieben statt“, erläutert der 61-Jährige. Die Region rund um Wurzen gilt laut Harnisch als durchaus reit-affin. „Es gibt zahlreiche Reiterhöfe, deren Lehrlinge dann künftig nicht mehr nach Dresden pendeln müssten.“ Die zwei größten Ausbildungsbetriebe im Freistaat sind die Gestüte in Moritzburg und Graditz (bei Torgau). Ein entscheidendes Wort hat außerdem das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie mitzureden, das der Verlagerung der Ausbildung zustimmen muss. „Die Entscheidung steht wie gesagt noch aus", erklärt Harnisch. Und fügt zur Zeitscheine an: „Frühestens im Schuljahr 2018/2019 könnten die ersten Pferdewirte in Wurzen ihre Lehre starten.“ Der Landkreis Leipzig als Schulträger, erklärt Holger Pethke, würde die weitere Profilierung des BSZ nach Kräften unterstützen.

Von Simone Prenzel

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Im kommenden Schuljahr wird die Stadt Kitzscher nur noch für Schüler aus Otterwisch einen eigenen Schülerverkehr organisieren und bezahlen. Der Stadtrat sollte jetzt Geld für zwei Kleinbusse bewilligen. Offenbar wird aber nur einer gebraucht.

20.04.2017

Einmal im Monat treffen sich die Kitzener Landfrauen. Dann lassen sie im Kulturhaus die Häkel- und Stricknadeln glühen, gehen auf Kräuterwanderung, besuchen die Eisenmühle oder eine Käserei. Vor sechs Jahren rief Ingrid Riedel die lustige Runde ins Leben, um näher zusammenzurücken und Harmonie im Dorf zu stiften.

07.03.2018

Mit einem großen Frühjahrsputz haben die Leichtathleten der Sportfreunde Neukieritzsch die Bahneröffnung am Sonntag vorbereitet. Aus diesem Anlass hieß es diesmal im Neukieritzscher Stadion an der Lindenstraße nicht „Auf die Plätze, fertig, los“ sondern Antreten mit Besen, Schaufel und Wischlappen.

19.04.2017
Anzeige