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Grüne kritisieren: Immer weniger Bäume an den Landstraßen im Landkreis Leipzig

Verkehrssicherheit als Verhinderer Grüne kritisieren: Immer weniger Bäume an den Landstraßen im Landkreis Leipzig

Der Freistaat lasse deutlich mehr Bäume fällen als neue pflanzen. Im Landkreis Leipzig sei das Missverhältnis besonders eklatant, kritisiert der Grünen-Politiker Wolfram Günther. Er fragte im Landtag nach und ließ sich aktuelle Zahlen geben, die diesen Vorwurf untermauern.

Die Kastanienallee am Waldbad Prießnitz (Stadt Frohburg). Ähnliche Anpflanzungen an überörtlichen Straßen wird es künftig wohl nicht mehr geben.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. 41 390 zu 47 820: Das ist das Verhältnis gefällter Bäume zu neu gepflanzten – und zwar auf Grundstücken des Freistaates Sachsen in den Jahren 2013 bis 2015. Die Zahlen besagen, dass es einen Zuwachs gab um mehr als 6000 Bäume. Eine gute Nachricht? Nur bedingt, sagt Wolfram Günther. Der Landtagsabgeordnete der Grünen hatte Sachsens Umweltminister Frank Schmidt (CDU) um Aufklärung gebeten, was den Baumbestand auf Landesflächen betrifft. Die Zahlen, die der Minister ihm vorlegte, zeigen: Es gibt sachsenweit erhebliche Unterschiede. Und: „Im Zuständigkeitsbereich des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements (SIB), der Straßenbauverwaltung und der Sächsischen Krankenhäuser wurden mehr Bäume gefällt als neu- oder nachgepflanzt“, heißt es in einer Unterlage, die Finanzminister Georg Unland (CDU) erarbeitete. Das hohe Maß an Baumfällungen sei durch „eine Überalterung des Bestandes, abnehmende Vitalität und der unterschiedlichen Lebenserwartung zu begründen“. Die Landestalsperrenmeisterei allerdings habe mehr Bäume neu- oder nachgepflanzt, als gefällt.

Was den Grünen-Politiker nicht wirklich trösten kann, denn er findet vor allem den Umgang mit den von Bäumen gesäumten Landesstraßen inakzeptabel. Das betreffe Autobahnen, Bundes- und Staatsstraßen. „Hier sind die Zahlen absolut verheerend. So stehen 25 290 Fällungen an den Straßen, für die der Freistaat Verantwortung trägt, nur 10 040 Neuanpflanzungen gegenüber. Zusammengefasst: Schlösser und Gärten bleiben grün, Straßenränder werden abrasiert.“ Mittelsachsen sei der einzige Landkreis, der eine beinahe ausgeglichene Bilanz ausweise. Ganz traurig sehe es stattdessen im Landkreis Leipzig aus: Hier wurden in diesem Zeitraum „über 2670 Bäume gefällt und nur etwa 810 als Ersatz angepflanzt“. Das Argument der Verkehrssicherung hält Günther nur für bedingt tragfähig. „Straßenbäume haben als Filter für Schadstoffe, Feinstaub und Lärm sowie für das Landschaftsbild eine herausgehobene Bedeutung“, sagt er. „Wenn wir in Sachsen Wert auf biologische Vielfalt, Biotopverbund und Vorsorge vor dem Klimawandel Wert legen, gehören Bäume in großem Maße dazu.“

Wie das Land Sachsen, aber auch der Landkreis Leipzig mit Bäumen umgehen, das bringt seit Jahren den Frohburger Bürgermeister Wolfgang Hiensch (BuW) – das Sprachbild sei gestattet – auf die Palme. „Wenn wir als Stadt eine Gemeindestraße bauen, dann werden neue Bäume gefordert. Wir akzeptieren das, finden Wege dafür“, sagt er. Die Verantwortlichen für die Bundes-, Staats- und Landstraßen legten an ihr eigenes Handeln diesen Maßstab nicht an: Sie fällen, aber pflanzen nicht, jedenfalls nicht in annähernd selbem Maß, findet er. „Ich finde das eine Schande. Unsere Kulturlandschaft wird zerstört – und nur wenige regen sich auf.“ Die Argumente der Pflanz-Verweigerer – es sei schwer, die nötigen Grundstücke dafür zu sichern oder die geforderten Abstände einzuhalten – lässt Hiensch nicht gelten: „Wir müssen diese Probleme lösen, die anderen Kommunen auch.“ Das für die überörtlichen Straßen zu fordern, sei legitim – und höchste Zeit, um zu verhindern, dass die über Jahrhunderte durch Alleen geprägte Kulturlandschaft immer mehr ausgeräumt werde.

„Dass im Zuge der Straßenunterhaltung mitunter Straßenbäume gefällt werden müssen, ist keine Seltenheit. Meist liegt dann eine Gefährdung vor“, sagt Brigitte Laux, Sprecherin des Landkreises Leipzig. Sie spricht für jene Straßen, für die der Kreis Verantwortung trägt. An Kreisstraßen würden jährlich Baumschauen durchgeführt. „Hier füllen die Straßenmeistereien nach und nach auch immer wieder Lücken auf.“ Werde eine Straße aber in absehbarer Zeit ohnehin ausgebaut, werde vorerst darauf verzichtet, um die Pflanzung dann mit dem Straßenausbau nachzuholen. So solle es etwa zwischen Bad Lausick und Trebishain geschehen, wo 2016 gebaut werde, ebenso zwischen Roitzsch und Körlitz und entlang der Göhrenzer Ortsdurchfahrt: „In der nach der Fertigstellung folgenden Pflanzzeit.“ Bei großen Baumaßnahmen seien Ersatzpflanzungen „eingepreist“.

„Den Alleecharakter einer Straße zu erhalten, ist sicher wünschenswert, jedoch bei einem grundhaften Straßenausbau kaum umsetzbar“, so Laux. Das liege an heute geltenden Vorschriften, etwa an einem Mindestabstand von 7,50 Metern. Da werde die Fahrbahn nicht mehr wie ursprünglich beschattet. Zudem sei es für den Kreis schwer und teuer, die nötigen Flächen, oft wertvolles Ackerland, zu erwerben. Ausgleichsmaßnahmen seien deshalb oft an anderer Stelle zu finden. „Im Ergebnis wird der ökologische Ausgleich gewahrt, ist aber für die Bürger nicht unmittelbar erkennbar. Der Charakter der Landschaft wird sich durch die fehlenden Obstbaumalleen ändern. Hier gegenzusteuern, ist aber für den Landkreis kaum möglich.“

Von Ekkehard Schulreich

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