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Borna Grundwasseranstieg in Regis-Breitingen stoppen: Bürgerinitiative legt Liste für vor
Region Borna Grundwasseranstieg in Regis-Breitingen stoppen: Bürgerinitiative legt Liste für vor
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00:33 24.03.2018
luftaufnahmen aus dem südraum leipzigs-hier neuseenland vom süden gesehen-ganz unten im bild die brückenbaustelle bei zedtlitz-darüber zedtlitz und dann borna-links die adria und rechts hinter borna der speicher witznitz und dann der hainer see Viel Feld - vergleichsweise wenig Wald: Der Landkreis Leipzig gehört zu den waldärmsten Sachsens (Aufnahme vom Oktober 2010). Quelle: Copyright: Jens Paul Taubert
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Regis-Breitingen


Knapp sieben Jahre anstrengende Bemühungen liegen hinter der Bürgerinitiative (BI) „Grundwasser Regis-Breitingen“. Jetzt sieht es so aus, als könnte sie gemeinsam mit der Stadt den Bergbausanierer Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) erstmals zu einer Vereinbarung bewegen. Den Text dazu entwarfen die engagierten Einwohner.

Das Dokument enthält Zielsetzungen und Aufgabenzuweisungen für den Schutz vor der Gefahr des Grundwasserwiederanstieges nach dem Abschluss des Kohleabbaus. Dabei wird eine ganze Reihe von direkten Projekten benannt. Bürgermeister Wolfram Lenk (Die Linke) und BI-Sprecher Steffen Dorer stellten den aktuellen Entwurf bei einer Stadtratssitzung den Abgeordneten sowie den extra eingeladenen BI-Mitgliedern vor.

Mehr als 200 Grundstücke von Nässe betroffen

Die Kommune liegt im Territorium der früheren Tagebaue Haselbach und Borna/Blumroda, für die das Grundwasser abgesenkt worden war. Bei mehr als 200 Grundstücken – die weitaus meisten im Stadtteil Regis, andere in Breitingen sowie den Ortsteilen Ramsdorf, Wildenhain und Hagenest – sind Vernässungen möglich beziehungsweise schon eingetreten. Bisher hat die LMBV vor allem mit Einzelmaßnahmen reagiert und bei besonders stark betroffenen Gebäuden die Keller verfüllt oder abgedichtet, etwa mit einer sogenannten weißen Wanne.

Bürgerinitiative und Stadt bevorzugen hingegen Komplexlösungen, mit denen bereits der Anstieg des Grundwasserspiegels großflächig ver- oder zumindest behindert werden kann. Mit den angestrebten Brunnenriegeln (Kette von Tiefbrunnen) außerhalb der Kommune gab es aber wegen der hohen Betriebskosten kein Weiterkommen, sagte Dorer.

Vorhandene Gräben und Drainagen aktivieren

Deshalb gehe es nun zunächst darum, frühere Ableitungseinrichtungen für das Oberflächenwasser neu zu aktivieren. Dieses soll damit geregelt in die Vorflut, die Pleiße, geführt werden. Er verwies darauf, dass die Bürgerinitiative alte Karten und Unterlagen besorgt hatte, mit denen der Verlauf des früheren Grabensystems zur Ortsentwässerung den LMBV-Verantwortlichen nachgewiesen wurde. In Breitingen war 2014 bereits ein Grabenabschnitt parallel zur Schillerstraße wieder hergestellt worden, erinnerte Lenk. Dort haben sich seitdem die Wasserstände abgesenkt, fügte Dorer hinzu.

Allein im Bereich Regis haben er und seine Mitstreiter vier Vernässungsschwerpunkte ausgemacht. Um die Zonen Bornaer Straße/Am Freibad sowie Teile der Rathausstraße zu schützen, soll ein Regenüberlaufbecken vertieft werden, das dann die Grundwassersituation entspannt. Das anfallende Wasser soll über die vorhandene Pumpstation der Pleiße zugeführt werden.

Zahlreiche Maßnahmen an vier Schwerpunkten

Der Bereich August-Bebel-Straße, für den einst der Hanggraben (vom Kirchteich zum ursprünglichen Pleißebett) wirksam war, soll mit einer neuen Drainageleitung entlastet werden. Wobei angedacht ist, das Gefälle umzudrehen – nun in Richtung von der Goethe- zur Weststraße. Am Kirchteich sind dann ein Grundablass und ein Überlauf vorgesehen. Auch hier wird in die Pleiße gepumpt.

Besonders prekär ist die Situation im Bergmannsring, sagte der BI-Sprecher. Wenn die Pleiße Hochwasser führt, dringe Nässe in die Grundstücke ein. Dort gibt es erhebliche Schäden, so Dorer. Da die LMBV nicht eingreifen wollte, sei das Oberbergamt Freiberg einbezogen worden. Die Landesbehörde, die auch für die Braunkohlesanierung fachlich zuständig ist, habe nun dem Sanierer die Auflage erteilt, den Bergmannsring zu schützen.

Auch Verrohrungen sind im Gespräch

In Breitingen soll der Schillergraben, dessen Gerinne zudem schon überarbeitet werden muss, bis zur Pleiße verlängert werden. Am besten, so Bürgermeister Lenk, ist das wohl im Zwischenstück von Kunstrasenplatz des Stadions und Schillerstraße möglich. Ob es einen offenen Graben oder eine Teil-Verrohrung geben sollte, müssten die Fachleute entscheiden, ergänzte Steffen Dorer. Ein Vorhaben am südwestlichen Rande des Stadtteils ist, den Graben „Nappa-Tunnel“ am Bahndamm und seinen weiteren Verlauf bis zu „Kochs Wiese“ neu zu aktivieren.

Serbitzer Becken belastet Südbebauung

Eine weitere Problemzone ist die Südbebauung von Regis. Hierzu gibt es aber Verhandlungen mit der Landestalsperrenverwaltung, weil die Probleme hauptsächlich, aber nicht allein, beim Einstau des Serbitzer Beckens auftreten.

Dass diese und weitere Projekte eine Menge Geld kosten, ist allen klar. Deshalb streben Stadt und Bürgerinitiative an, sie aus dem aktuellen Bund-Länder-Verwaltungsabkommen zur Braunkohlesanierung bis zu dessen Abschluss 2022 zu finanzieren. Hinzu kommen Folgeausgaben für den Betrieb der Anlagen (wie Pumpen) und ihren Erhalt. Die sollen im Probezeitraum von der LMBV getragen werden, ehe dann die Stadt Regis-Breitingen ihren Haushalt belasten muss.

Den Entwurf der Vereinbarung wird die Stadtverwaltung an den Bergbausanierer weiterleiten. Es werden noch weitere Verhandlungen dazu erwartet.

Von Olaf Krenz

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