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Borna Gülle: Kleingärtner kritisiert Landwirte
Region Borna Gülle: Kleingärtner kritisiert Landwirte
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04:51 25.07.2018
Wenn Felder so dicht wie hier in Steinbach an Grundstücke oder Gärten heranreichen, kann das zu Konflikten führen. Quelle: André Neumann
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Kitzscher/Steinbach

Deutschland hat ein Problem mit Nitraten im Trinkwasser, die durch die Landwirtschaft verursacht werden. Die EU hat Deutschland verklagt, weil zu viel gedüngt werde, jetzt klagt auch noch der Verband Deutsche Umwelthilfe. Dieter Mierzwa aus Kitzscher würde das gern unterschreiben und glaubt, mit dem Landwirtschaftsbetrieb Kitzscher einen der Schuldigen ausgemacht zu haben. Dessen Geschäftsführer Kevin Frost sieht allerdings keinen Grund, seinen Betrieb an den Pranger stellen zu lassen. Michael Gruner vom Landwirtschaftsamt gibt ihm Recht.

Gülle, Klärschlämme, Düngemittel, Pestizide

Der 74-jährige Dieter Mierzwa hat seit vierzig Jahren einen Garten in Steinbach direkt am Feldrand. Als Rentner hat er Zeit, aufmerksam zuzuschauen, was die Landwirte tun. Über das Düngen mit Gülle hat er sogar Buch geführt. Auf den Flächen vor seinem Garten sei demnach am 9. September 2016, am 27. März 2017 und in diesem Jahr am 18. April und am 22. Mai Gülle ausgebracht worden.

In den letzten Jahren seien zudem auf dieselben Flächen zusätzlich reichlich Klärschlämme, Düngemittel und Pestizide geflossen. Diese Arbeiten, schimpft Mierzwa, würden „rücksichtslos bei ungünstigen Wetterlagen wie starken Winden mit Windrichtungen in Richtung Wohnbebauung und bei anhaltender hoher Trockenheit“ erfolgen.

Geschäftsführer: Erschrocken über Schärfe der Kritik

Kevin Frost ist einigermaßen erschrocken über die Schärfe der Kritik, gegen die sich der Betrieb rechtfertigen müsse. Und er bringt mehrere Argumente vor, warum von Überdüngung und vom zu hohen Einsatz von Chemie keine Rede sein könne. Sein Betrieb arbeite nach der Methode des Precision Farming, Präzisionsackerbau zu deutsch.

Dabei werde jeder Teilbereich eines Feldes mit modernen Maschinen genau nach Bedarf behandelt. Gerade deswegen fahre man auch mehrfach mit Dünger auf ein Feld. Zudem sei der Einsatz von Düngemitteln und Pflanzenschutz auch eine Kostenfrage, schon deshalb verwende man eher weniger als mehr. Vorgeschrieben sei zudem ein Düngeplan.

Landwirtschaftsamt: Düngeplan ist Pflicht

Das bestätigt Michael Grunert, zuständiger Mitarbeiter im sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie. In dem Plan müsse der Landwirtschaftsbetrieb vor der ersten Düngung aufschreiben, welche Menge Stickstoff auf sein Feld darf. Dafür gibt es Vorgaben. Womit er düngt, mit Gülle, Klärschlamm oder synthetischem Dünger, sei Sache des Landwirts. Welche Mengen tatsächlich aufgebracht werden, sagt Grunert, werde nicht kontrolliert, das sei nicht zu erfassen.

Überprüft würden nur die Pläne. Generell gebe es in Sachsen aber kein Problem mit einem Überangebot von Gülle, die man auf den Feldern loswerden müsse. Das sehe in einigen Gegenden in Westdeutschland mit riesigen Viehbeständen schon anders aus. Der Landwirtschaftsbetrieb Kitzscher bezieht seine Gülle vom Milchviehbetrieb in Dittmannsdorf.

Auf die konkreten Beobachtungen von Dieter Mierzwa erklärt der Fachmann vom Landesamt: Es sei nicht ungewöhnlich und sogar vorteilhaft, die Düngemittelgaben aufzuteilen. „So lässt sich die Düngung besser auf den Bedarf zuschneiden“, sagt Grunert.

„Fürs Wetter können wir noch nichts.“

Dem Vorwurf, man nehme bei der Feldbearbeitung keine Rücksicht auf Wind und die angrenzende Bebauung, begegnet Frost mit dem Hinweis: „Fürs Wetter können wir noch nichts.“ Auch andere Landwirte weisen darauf hin, dass man mit Düngung, Pflanzenschutz oder Ernte nicht warten könne, bis der Wind günstig stehe. Dann könne es irgendwann zu spät sein.

Der Geschäftsführer des Landwirtschaftsbetriebes weiß aber auch, dass Landwirtschaft in der Nähe von Bebauungen immer Reibungspunkte erzeugt. Darüber könne man jederzeit reden: „Die Leute können ruhig zu uns in den Betrieb kommen und fragen“, bietet er Kritikern wie Dieter Mierzwa an.

Von André Neumann

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