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Gut besuchte Neukieritzscher Sommernacht endet französischer als gehofft

Konzert und Public Viewing Gut besuchte Neukieritzscher Sommernacht endet französischer als gehofft

Eine Neukieritzscher Sommernacht ohne Franzosen, die dann doch mit einem französischen Triumph endet. Das Neukieritzscher Blasorchester macht sich unterdessen selbst auf den Weg nach Frankreich und könnte dort doch noch den Titel feiern.

Zur vierten Neukieritzscher Sommernacht war der Markt am Donnerstagabend wieder gut besucht.

Quelle: André Neumann

Neukieritzsch. So sind die Franzosen dann also am Donnerstagabend doch präsent gewesen auf dem Neukieritzscher Marktplatz. Wenn auch deutlich dominanter, als sich das die Besucher der Neukieritzscher Sommernacht 2016 gewünscht hatten. Die wollten beim Public Viewing nach Konzert und Tanzeinlagen natürlich lieber die Deutschen siegen sehen.

Die Tanzmädchen des Karnevalsvereins in Aktion

Die Tanzmädchen des Karnevalsvereins in Aktion.

Quelle: André Neumann

Schon lange bevor das Halbfinale über die Bildwand flimmerte, war der Markt dicht mit Menschen gefüllt. Zwei Tage vor der Abreise des Musikvereins Neukieritzsch-Regis in die französische Partnergemeinde Vellerons und zum dortigen befreundeten Orchester „Le Fraisiers“ spielte das Blasorchester noch einmal für seine heimischen Freunde. Die Frauen und Männer gaben unter Leitung von André Bauer dabei musikalisch ordentlich Gas und zogen einen Bogen von klassischen Orchesterstücken über rockige Nummern bis hin zu Liedern aus Frankreich. Vor der Bühne lieferten die Tanzmädchen des Neukieritzscher Karneval Clubs zwei Einlagen.

Zwischendurch erklommen Karla und Ingolf die Bühne, ein Gesangsduo aus Neukieritzsch, das mit Schlagern und Oldies für Stimmung sorgte. Dass die beiden in der Region noch nicht so sehr bekannt sind, mag daran liegen, dass sie erst seit rund anderthalb Jahren wieder im Neuseenland leben. Zuvor hatten sie 15 Jahre als Auswanderer in Namibia verbracht.

Katja Schreiber und Steffen Guhl hofften hier noch auf den  Sieg der Deutschen

Katja Schreiber und Steffen Guhl hofften hier noch auf den Sieg der Deutschen.

Quelle: André Neumann

Als das Orchester schließlich einen Rock ’n’ Roll anstimmte, hielt es Gudrund Schüler und Jörg Siegel nicht mehr auf ihrem Platz. „Ich kann da nicht sitzen bleiben“, sagte die Neukieritzscherin, die mit ihrem Lebensgefährten allerdings das einzige Tanzpaar an dem Abend blieb.

Zu der Zeit näherte sich bereits der Anstoß und nur ein paar der Gäste überlegten, ob sie auf dem Markt oder am heimischen Fernseher das Spiel verfolgen. Die allermeisten blieben. Das Rentnerpaar Gerda Bajohr und Günther Heinz hingegen, eingefleischte Fußballfans beide, wollte nach Hause. „Ich stehe bei unserer Nationalhymne immer auf“, verriet die 77-Jährige. Das traute sie sich dann auf dem Markt doch nicht.

Unterdessen schwang Bianca Saupe den Pinsel und schminkte etlichen Kindern die Gesichter. Deutschland-Fahnen waren diesmal in der Überzahl. Auch ihre elfjährige Tochter Leonie bekam eine knappe Stunde vor Spielbeginn eine auf die Wange. Eher ging es nicht, weil das Mädchen vorher noch beim Auftritt des Nachwuchsorchesters mitgemacht hatte. Später ließen sich sogar noch einige Erwachsene ein Fanbildchen aufmalen.

Public Viewing in Neukieritzsch

Public Viewing in Neukieritzsch.

Quelle: André Neumann

Half aber leider alles nichts, wie sich knapp zwei Stunden später herausstellte. Auch nicht die standesgemäße Ausstattung von Katja Schreiber und Steffen Guhl. Die beiden Neukieritzscher, die demnächst heiraten werden, kamen im Fan-Trikot. Diesmal nicht in dem von RB-Leipzig, der Mannschaft, von der sie kein Spiel verpassen, sondern im Deutschland-Shirt: „Die Jungs brauchen mich jetzt“, stand auf seinem.“ Und damit wenigstens ein Hauch der französischen Farben auf dem Marktplatz auftauchte, hatten die beiden blaue Hüte aufgesetzt.

Wenn überhaupt, so können wenigstens die Orchestermitglieder einen winzigen Trost aus der deutschen Halbfinalniederlage ziehen. Denn während des Finalspiels am Sonntagabend sitzen sie im Bus, der sie in die Provence bringt und wahrscheinlich keinen Fernsehempfang an Bord haben wird. Das muss sie nun nicht mehr so sehr ärgern. Vielleicht können sie ja bei der Ankunft mit ihren französischen Freunden deren Europameistertitel feiern.

Von André Neumann

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