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Borna Gutachter der Ökostation Borna haben die Natur im Blick
Region Borna Gutachter der Ökostation Borna haben die Natur im Blick
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08:57 16.03.2018
Bevor die Arbeiten an der A 72 wie hier bei Espenhain beginnen, kommen Gutachter zum Einsatz, die den Naturschutz im Blick haben. Quelle: Andreas Döring
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Borna

Nein, sie lösen nicht immer nur großen Jubel aus, die Mitarbeiter der Ökologischen Station Borna-Birkenhain, die Gutachten für Bauprojekte erstellen. Die sind für private Bauherren ebenso vorgeschrieben wie bei Großvorhaben. Es handelt sich dann um den „artenschutzrechtlichen Fachbeitrag“, wie Martin Graichen, der Geschäftsführer der Ökostation erläutert. Ein Geschäftsfeld der Naturschützer im Bornaer Norden, mit dem die Ökostation nicht zuletzt auch eine wesentlichen Teil ihrer Finanzmittel generiert.

Bauherren sind zu Ersatz verpflichtet

Dabei haben Graichens Mitarbeiter festgestellt, dass die Zahl der Gebäude, in denen etwa Schwalben oder Fledermäuse ihr Quartier gefunden haben, zugenommen hat. Aus einem einfachen Grund. „Mittlerweile sind die meisten Gebäude saniert.“ Das hat die Konsequenz, dass etwa alte Scheunen oder Häuser vermehrt Tiere anziehen. Oftmals streng geschützte Arten, die sich dort niedergelassen haben, weil es vielleicht ein Loch und damit eine Einflugmöglichkeit unter dem Dach gibt.

Nistkästen sind eine Alternative, wenn der Unterschlupf für Vögel in Scheunen verloren geht. Quelle: dpa-tmn

Wenn das Loch, wie im Rahmen einer Sanierung normal, geschlossen ist, müssen Alternativen her. Dazu, macht Graichen klar, ist der Bauherr gesetzlich verpflichtet, was am Ende dann womöglich bedeutet, dass Nistkästen für die Vögel in der Nähe angebracht werden. Oder Kunstschwalbennester, wenn die Schwalben ihr bisheriges Quartier verlieren. Für Bauherren mit besonders scharfem Blick auf die Finanzen durchaus ein Grund zur Betrübnis. Dabei setzen die Gutachter der Ökostation nur die Vorgaben des Gesetzgebers um, so Graichen.

Gefragt sind die Naturschutzexperten aber auch bei Großprojekten wie dem Bau der Autobahn 72. Auf dem Abschnitt zwischen Borna und Rötha wurden am Ende sämtliche Höhlenbäume gefällt. Bäume, die Vögeln Unterschlupf bieten und als gesetzlich geschützter Biotop gelten. Graichen: „Als Ersatz wurden pro Baum zwei Nistkästen angebracht.“

Rettung im Kohlerevier

Auch in den beiden mitteldeutschen Tagebauen Schleenhain und Profen sind die Fachleute aus Birkenhain regelmäßig gefragt, wenn sich der Bagger weiter bewegt. Schließlich gelten Bergbaulandschaften als artenreiche Areale, auf denen sich Amphibien und Reptilien ansiedeln. In einem Gutachten wird deren Vorhandensein einschließlich brütender Paare exakt aufgelistet, und der Bagger kann erst vorrücken, wenn für die Tiere eine alternatives Quartier gefunden ist. Was beispielsweise bedeuten kann, dass für einen Rotmilan, ein streng geschützter Vogel, ein künstlicher Vogelhorst auf einem Baum in der Nähe angebracht wird.

Die Zauneidechse lässt sich nur schwer umsiedeln. Quelle: Dietrich Flechtner

Dabei gibt es spezielle Probleme, etwa beim Umgang mit Zauneidechsen. Eine Tierart, die sich in der Natur kaum 60 bis 80 Meter von ihrem Geburtsort wegbewegt und deren Umsiedlung deshalb besonders behutsam erfolgen muss. Zauneidechsen finden sich besonders häufig auf ehemaligen Eisenbahntrassen, wie es sie gerade im Südraum mit seiner Bergbauvergangenheit, Kohlenbahnen inclusive, häufig gibt. Die einstigen Gleisanlagen sind ideal für neue Radwege. Zugleich aber sind sie „ideal für Zauneidechsen“, macht der Ökostations-Geschäftsführer klar. Im Zweifel stellen die Gutachter dann fest, dass die Tiere gefangen und umgesiedelt werden müssen.

Von Nikos Natsidis

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