Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -5 ° wolkig

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
Gute Getreideernte im Landkreis – niedriger Milchpreis zieht Bauern runter

Agrarwirtschaft Gute Getreideernte im Landkreis – niedriger Milchpreis zieht Bauern runter

Trotz des trockenen Frühjahrs sind die Scheunen im Landkreis Leipzig gut gefüllt. Wegen des milden Winters hatten die Winterkulturen viel Zeit zum Reifen. Der niedrige Milchpreis sorgt allerdings, dass die Bauern mit ihrem Schicksal hadern.

Bei Gerste und Winterweizen erreichten die Landwirte dieses Jahr eine vergleichsweise gute Ernte.
 

Quelle: dpa

Landkreis Leipzig. Dietmar Mühlberg klingt gar nicht so unzufrieden. Der Sachbearbeiter beim Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie in Rötha ist gerade von einer Stippvisite auf dem Acker zurück. „Ich staune, dass trotz der geringen Niederschläge die Erträge so gut ausgefallen sind“, sagt er. So habe der Klimawandel aus seiner Sicht auch eine positive Seite: „Die Vegetationszeit verlängert sich, soll heißen, die Pflanzen haben mehr Zeit fürs Wachstum.“
Der Regionalbauernverband Muldental bilanziert zur Ernte 2016, dass diese im Vergleich zu anderen Jahren, bedingt durch das warme Wetter und der Frühjahrstrockenheit, einige Tage früher begann. Teilweise seien ortsabhängig „gute Erträge und Qualitäten bei Wintergerste und Raps geerntet, die in der Qualität regional stark schwanken“, erklärte Verbandsgeschäftsführerin Elke Zehrfeld. Nach einem guten Start habe das wechselhafte Wetter in der Erntehauptzeit beim Mähdrusch des restlichen Wintergetreides teilweise etwas schwierig gestaltet, „was sich“, so Zehrfeld weiter, „auch in den Qualitäten vor allem bei Winterweizen negativ auswirkte“.

Obwohl es von März bis Mai sehr trocken war, trugen kühle Nächte dazu bei, dass das Getreide langsam reifen konnte. Bei der Wintergerste und beim Winterweizen ernteten die Landwirte im Muldental und in der Region um Borna, Geithain und Frohburg meist zwischen 80 und 90 Dezitonnen pro Hektar. „Das ist ein gutes Ergebnis“, so Mühlberg. Einbrüche gab es dagegen beim Raps. Nur 35 bis 40 Dezitonnen wurden von den Ackerflächen eingeholt, das sind knapp zehn Prozent weniger als im Vorjahr. „Der Raps hat zwar lange geblüht, aber als die Pflanzen die Schoten ausbildeten, fehlte Wasser“, erklärt Mühlberg die schlechte Ernte. Gerhard Rößner, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Borna/Geithain/Leipzig ergänzte: „Im Südraum Leipzig waren letztlich gute bis sehr gute Getreideerträge zu verzeichnen, insgesamt ein guter Durchschnitt. Leider sind die Preise nicht genauso gut ausgefallen.“

Problem auch im Südraum: wenig Niederschläge und lange Trockenheit. „Aber als Landwirt stellt man sich auf diese Situationen auch ein – der Mais war innerhalb weniger Tage erntereif.“

Für die Mitglieder des Muldentaler Verbandes erklärte Elke Zehrfeld: „Insgesamt waren die Landwirte mit der Ernte bezüglich der Erträge zufrieden, obwohl etwa 10 bis 15 Prozent weniger als das Rekordjahr 2015 geerntet wurden, lagen die Erträge über dem fünfjährigen Durchschnitt. Wenig auskömmlich sind die Erzeugerpreise, die im Vergleich zum Vorjahr weiter gesunken sind.“

Wermutstropfen nach einer guten Ernte bleiben laut Mühlberg flächendeckend die Milchpreise. „Es ist zuviel Milch im Markt“, sagt er. Es gäbe Landwirte, die sich der Prämie für eine Mengenreduzierung hartnäckig verweigern würden. Solange eine Überproduktion herrsche, seien die Verhandlungen mit den Molkereien schwierig. „Getreide kann man liegen lassen“, so Mühlberg. Das ginge bei der Milch nicht.

„Unter dem Strich bleibt uns weniger als in den letzten beiden Jahren“, sagt auch Anett Burkhardt-Medicke. Gemeinsam mit ihrem Mann Steffen und den Söhnen Franz und Felix führt sie in Langenleuba-Oberhain den nach der Wende aus der Genossenschaft herausgelösten Familienbetrieb. Vor anderthalb Jahren wurde hinter dem Vierseithof im Buttermilchwinkel der neue Milchviehstall fertig, in dem 70 Kühe stehen. 24,5 Cent zahlt die Molkerei, an die sie vertraglich gebunden sind, aktuell pro Liter. Zehn mehr sollten es sein, damit sie auskömmlich wären. Die Talsohle von 21 Cent liegt ein paar Wochen zurück. Bis Jahresende zeichne sich ein Aufwärtstrend ab, sagt Franz Burkhardt-Medicke, aber: „Wir schrieben rote Zahlen, wenn wir das nicht durch den Ackerbau irgendwie kompensieren könnten.“

Fest steht für ihn, dass das Förderprogramm des Bundes, für jeden nicht produzierten Liter Milch 14 Cent zu zahlen, „völliger Schwachsinn für die, die weiter produzieren wollen“, sei. Man könne eine Kuh nicht einfach abschalten. Der Oberhainer Betrieb habe Lieferverträge mit zweijähriger Kündigungsfrist; der Milchviehbestand sei ausgerichtet auf den Ackerbau. Ein Kreislauf, sagt Franz Burkhardt-Medicke, den man nicht zerstören könne. „Die Förderpolitik sorgt dafür, dass die Vielfalt in der Landwirtschaft verloren geht.“ Die Konzentration schreite fort. „Dabei hören wir von Verbrauchern oft: Wir würden mehr bezahlen, wüssten wir, das kommt bei den Bauern an.“ danach aber sehe es nicht aus.
Neue Strategien der Direktvermarktung, innovative Methoden des Ackerbaus und der Pflanzenzüchtung, seien in Deutschland auf Grund der gesetzlichen Regelungen „nicht ohne weiteres von den Betrieben umsetzbar und machen es so unseren Betriebe schwer, kurzfristig auf Marktveränderungen zu reagieren. Dazu braucht es verlässliche Rahmenbedingen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft“, so Zehrfeld.

Gerhard Rößner rechnet für den Südraum Leipzig vor: „Der Tierbestand wurde um mindestens 400 Milchkühe reduziert und auch in der Sauenhaltung gab es Produktionsaufgaben. Betriebe unserer Region denken stärker über eigene Vermarktungsflüsse nach, so sind in diesem Jahr bereits drei Milchzapfstellen eröffnet worden – zwei durch die Agrarprodukte Kitzen an der Milchviehanlage in Kitzen und in Großzschocher sowie durch die Agrar GmbH Auligk an der Milchviehanlage in Auligk.“

Derweil freut sich Hans-Uwe Heilmann, Geschäftsführer der Agrarprodukte Kitzen eG, über eine erfolgreiche Rapsernte. Mit 47 Dezitonnen hat das Pegauer Unternehmen nicht nur mehr als benachbarte Betriebe von dem Getreide geerntet, sondern auch mehr als in der vergangenen Saison. Doch auch bei den anderen Sorten wie Weizen und Gerste liegen die diesjährigen Erträge leicht über dem Durchschnitt der vergangenen Jahre. „Was uns zu schaffen macht, sind die bescheidenen Preise“, macht auch Heilmann deutlich. Denn die würden nicht nur bei der Milch im Keller sein, sondern auch bei pflanzlichen Produkten.

Über zu niedrige Preise beklagt sich auch Olaf Kupfer von der Kupfer GbR in Trebsen. Die Ernte hingegen sei gut ausgefallen. „Wir sind zufrieden“, so Kupfer. Auch seinem Unternehmen bereite der Milchpreis Kopfschmerzen. „Im Moment halten wir an der Milchproduktion noch fest, aber wir müssen schauen, wie es weitergeht“, sagt Kupfer.

Eine etwas über den Durchschnitt liegende Getreide- und Oelsaatenernte brachten die Beiersdorfer Betriebe in diesem Jahr ein. Vermarktet wurden die Produkte über eine Erzeugergemeinschaft. „Dadurch erzielten wir bessere Preise, als wenn wir selbstständig vermarktet hätten“, sagt Wolfgang Vogel von den Beiersdorfer Betrieben. In diesem Zusammenhang sei es vorteilhaft gewesen, dass das Unternehmen schon vor der Ernte entsprechende Kontakte geknüpft hatte.
Zwiespältig fällt das Fazit von Bernd Barfuß aus. „Beim Winterweizen hat unsere Agrar GmbH Auligk sehr gut abgeschnitten. Mehr als 95 Dezitonnen je Hektar haben wir vom Feld geholt“, sagt der Geschäftsführer des Betriebs in der Groitzscher Ortschaft. Allerdings seien aufgrund dieser Menge die Eiweißwerte schwach. Bei Wintergerste und Raps lag der Ertrag mit gut 80 beziehungsweise 43 Dezitonnen je Hektar leicht unter dem Durchschnitt.

Der Silomais habe etwa den Mittelwert erreicht. Auf dem Grünland waren der erste und der zweite Schnitt in Ordnung, während der dritte wegen der anhaltenden Sommerhitze fast ein Totalausfall gewesen sei. In anderen Jahren hatte es aber gar noch einen vierten Schnitt gegeben. Dass die Preise für die Produkte alle unter den Vorjahreswerten liegen, macht dem Unternehmen zu schaffen, so Barfuß. „Damit ist die Quersubventionierung der Verluste aufgrund des desaströsen Milchpreises in den letzten Monaten nicht mehr möglich.“ Ein Versuch gegenzusteuern ist die Direktvermarktung von frischer Kuhmilch: In Kleinprießligk wird eine Milchzapfstelle geschaffen für einen Verkauf von 7 bis 22 Uhr. Demnächst soll auch eigener Käse angeboten werden.

Von es, bis, okz, jto, as, thl

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Borna
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Angestupst
    Mikrologo Angestust

    Die aktuelle Förderrunde der Aktion „Angestupst“ von LVZ und Sparkasse Leipzig ist beendet. So haben Sie abgestimmt! mehr

  • LVZ-Fahrradfest
    Logo LVZ-Fahrradfest

    LVZ-Fahrradfest 2016: Sehen Sie hier einen Rückblick mit vielen Fotos von allen Starts, Videos und mehr. mehr

  • 24 Stunden in der Region

    Firmen und Unternehmen in der Region Leipzig stellen sich vor. mehr

  • TAW - Technische Akademie Wuppertal
    TAW  - Technische Akademie Wuppertal

    Ein Werbespecial der LVZ für die Technische Akademie Wuppertal mit Infos zum breitgefächerten Angebot. mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Asisi - Welt der Panoramen
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Great Barrier Reef" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zum Great Barrier Reef im Panometer Leipzig und den asisi-Panoramen in Dresden. mehr