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Häftlinge helfen im Tierheim Oelzschau

Häftlinge helfen im Tierheim Oelzschau

Hecken schneiden, ein Holzhaus aufbauen, Mauern neu verputzen , sich um die Hunde kümmern. Aller vierzehn Tage bekommt das Tierheim Oelzschau viel Unterstützung von jungen Männern - es sind Häftlinge der Jugendstrafvollzugsanstalt Regis-Breitingen (JSA).

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Die Insassen der JSA Regis-Breitingen werden ganz unterschiedlich eingesetzt. Steve Bruch beim Putzen einer Wand.

Quelle: Ulrike Wolf

Oelzschau. Begleitet von einer Sozialarbeiterin und einem Justizvollzugsbeamten packen sie im Tierheim mit an, sie werden gebraucht und übernehmen Verantwortung.

Große Aktionen, wie die Abwasserleitung an die Schleuse anschließen, wurden schon gestemmt. Da wird was fertig, die Jungs sind für uns eine große Hilfe, sie sind extrem hilfsbereit und sehr höflich", sagt Holger Henkel (63) von der Tierheimleitung.

Vor fast zwei Jahren hatte er bei der JSA angefragt und das Projekt ins Leben gerufen. Ein Gewinn für beide Seiten. An diesem Freitag ist der 19-jährige JSA-Insasse Steve Bruch mit dabei. Er verputzt die Wand vom Hundehaus neu, profimäßig das Ergebnis. Seit August kann er mit nach Oelzschau fahren, hat eine Lockerung der Haft und in wenigen Wochen kann er die Vollzugsanstalt verlassen. "Ich mache hier alle anfallenden Arbeiten gern, doch am liebsten gehe ich mit den Hunden raus", sagt Bruch während er an der Wand weiterarbeitet.

Daneben kümmert sich Christian Urban um eine Rabatte mit Blumen und Sträuchern. "Die Steine müssen raus aus der Erde", erklärt er. Zum zweiten Mal ist der 20-Jährige mit dabei. Ihm gefällt die Arbeit so gut, dass er später gern in einem Tierheim ehrenamtlich mitarbeiten möchte. "Die Gemeinschaft und der Kontakt zu den Tieren gefällt mir", sagt er.

Lob für die Arbeit gibt es auch von Stephanie Funke. Die 34-jährige Sozialarbeiterin begleitet die Häftlinge ins Tierheim seit Mai, ist immer mit vor Ort. "Das Projekt sehe ich ausschließlich positiv, es geht nicht nur darum, etwas fürs Gemeinwohl zu tun", so Funke. Es sei ein Schritt nach draußen, zurück in die Freiheit, ein Schritt in Richtung Verantwortung übernehmen, auch für sich selbst, so die Sozialarbeiterin Marcel Richter und Martin Heinrich, beide 20 Jahre alt, stehen auf dem Dach vom Katzenfreilauf.

Der Schlingenknöterich wuchert hier nur so vor sich hin. "Dank der Jungs haben die Katzen bald wieder Sonnenlicht", freut sich Holger Henkel, der ohne Probleme mit den JSA-Häftlingen ins Gespräch kommt, die Atmosphäre ist locker, unverkrampft. Bergeweise Gestrüpp fällt vom Dach, wird später in einen Container gebracht. "Mir macht es Spaß, hier zu sein, das letzte Mal haben wir Bauholz aufgestapelt", so Martin Heinrich, während er wieder mit der Heckenschere loslegt. Das Gassigehen mit den Hunden, das ist für alle das Schönste. Marcel Richter ist zum ersten Mal mit im Tierheim, nach zwei Jahren hält er bei der Spazierrunde mit den Hunden Nuri, Barut, Pavlow und Gipsy wieder eine Leine in der Hand. "Zu Hause habe ich Hund und Katze", erzählt der 20-Jährige. Die Stunde durch den Ort und an den Feldern vorbei wird von Stephanie Funke und JSA-Beamten Dirk Mattheß (48) begleitet, er fährt auch die JSA-Insassen nach Oelzschau und wieder zurück. "Zum Sommerfest des Tierheims hatten wir auch einen Stand, haben die in der JSA hergestellten Vogelhäuser und Pflanzschalen verkauft und das Geld dem Tierheim gespendet", erinnert sich Mattheß. Als Steve Bruch mit dem großen, jungen Hund Nuri vom Spaziergang zurückkommt, ist er etwas außer Atem. "Er ist ganz schön flott unterwegs, das strengt an", sagt der 19-Jährige schmunzelnd. Bereits zum dritten Mal ist er mit dem noch etwas ungestümen Hund draußen, beide sind Freunde geworden. "Wir hoffen sehr, dass das Projekt weitergeht, es bringt allen Beteiligten viel Positives", sagt Holger Henkel.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 28.10.2014
Ulrike Wolf

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