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Hängepartie in Pödelwitz: Mibrag will weiter an die Kohle - aber ein Antrag fehlt

Hängepartie in Pödelwitz: Mibrag will weiter an die Kohle - aber ein Antrag fehlt

Die Kohleförderung unter Pödelwitz und die damit verbundene Entvölkerung des ehemaligen 130-Seelen-Dorfes nahe Lippendorf ist derzeit lediglich eine Zukunftsvision der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag).

Blick auf Pödelwitz - bereits ein Drittel der Einwohner hat sich zur Umsiedlung entschlossen, weil die Mibrag die Kohle unter dem Dorf fördern will.

Quelle: Jens Paul Taubert

Lippendorf/Pödelwitz. Das geht aus einer Anfrage der Grünen an den Sächsischen Landtag hervor. Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) bestätigte jetzt, dass es weder konkrete Planungen noch Genehmigungen für den Abbau des Vorkommens gibt. "Ein Genehmigungsantrag für einen Rahmenbetriebsplan, welcher die Förderung von Braunkohle unter Pödelwitz beinhaltet, wurde bisher durch die Mibrag nicht eingereicht", so Dulig (SPD) weiter.

Auch wenn die Nachricht bei den bleibewilligen Pödelwitzern für eine kurze Erleichterung sorgen dürfte, geht die Hängepartie für den 700 Jahre alten Ort dennoch weiter. Denn an der grundsätzlichen Gemengelage hat sich nichts geändert. Nachdem das Sächsische Oberbergamt dem Unternehmen 2012 die Bergbaurechte für den Brennstoff unter Pödelwitz - ein Vorrat an mehr als elf Millionen Tonnen gewinnbarer Braunkohle - einräumte, hat die Mibrag diese Kohle fest im Visier. Die Abraumbagger im Tagebau Vereinigtes Schleenhain sind dem Ort inzwischen so nahe gekommen, dass sich bereits ein Drittel der Pödelwitzer auf ein Angebot der Mibrag einließ und mit finanzieller Unterstützung nach Groitzsch umsiedeln wird.

Um den Weg für die Kohle freizumachen, war im August 2012 der Pödelwitzvertrag zwischen Groitzsch und der Mibrag geschlossen worden. In diesem hat sich das Unternehmen verpflichtet, die Umsiedlung der betroffenen Einwohner zu planen und durchzuführen. So interpretierte der frühere Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) das Vertragswerk. "Damit wurde eine der wesentlichen Voraussetzungen für die Gewinnung und Nutzung dieser Kohle im Einvernehmen von der Mehrheit der beteiligten Bürger und dem Bergbauunternehmen geschaffen", stellte Morlok vor einem Jahr auf Anfrage der sächsischen Grünen fest.

Auch wenn die Mibrag mit der bergrechtlichen Bewilligung nur eine Art Reservierung für die Pödelwitzer Kohle in der Hand hält, ist das Vorkommen bereits in Unternehmensplanungen eingebunden. "Auf Grundlage der durch das Sächsische Oberbergamt genehmigten Gewinnungsrechte wird Mibrag fristgemäß weitere gesetzlich vorgegebene Genehmigungsschritte einleiten, um die Kohlevorräte gewinnen zu können", sagte gestern eine Unternehmenssprecherin. Über einen Zeitplan wurden keine Angaben gemacht.

Das wäre das Ende von Pödelwitz. "Die Mibrag startet auf eigenes Risiko den Versuch, ein weiteres Dorf leer zu ziehen", kritisierte Gerd Lippold, Mitglied der Grünen-Landtagsfraktion in Sachsen, die Strategie der Mibrag. "Das tut sie mit hohem Risiko, denn es existiert keinerlei rechtliche Grundlage, später auch an die Kohle unter diesem Dorf heranzukommen", so der Landtagsabgeordnete weiter. Die Unternehmensführung kenne keine Schranken beim Ziel, soviel Kohle wie nur möglich aus der sächsischen Kulturlandschaft zu baggern. "Gegen den Willen der Bewohner darf es keine Abbaggerung von Pödelwitz geben", forderte Lippold.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 23.05.2015
Inge Engelhardt

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