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Borna Häusliche Gewalt: Kreis unterbreitet Hilfsangebote in Asylheimen
Region Borna Häusliche Gewalt: Kreis unterbreitet Hilfsangebote in Asylheimen
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00:22 06.03.2018
In der Asylbewerberunterkunft in Borna-Witznitz ereignete sich das Verbrechen. Quelle: André Neumann
Landkreis Leipzig

Zum Umgang mit häuslicher Gewalt in Gemeinschaftsunterkünften hat sich Landrat Henry Graichen (CDU) nach dem Verbrechen an einer zweifachen Mutter in Borna geäußert. Ein syrischer Asylbewerber hatte Anfang Februar seine Frau mit einem Messer angegriffen. Auf dem Weg ins Krankenhaus war die 24-Jährige gestorben. Die Fraktion der Unabhängigen Wählervereinigung (UWV) hatte dazu eine Anfrage an die Kreisspitze gerichtet.

Wegweiser-Verein macht Angebote in Heimen

„Schulungen und Informationen zum Thema häusliche Gewalt wurden im vergangenen Jahr den Gemeinschaftsunterkünften des Landkreises unter Federführung des Wegweiser-Vereins angeboten“, erklärte Graichen. Dieser Verein betreibe seit vielen Jahren eine Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt und Stalking und sei in diesem Themenbereich sehr erfahren. An den schwarzen Brettern der Asylunterkünfte werde mit mehrsprachigen Plakaten auf die Hilfsangebote hingewiesen. „Sofern sich Betroffene rat- und hilfesuchend an einen Mitarbeiter der Heime oder der Verwaltung wenden und entsprechende Anzeichen erkannt werden, wird versucht, größtmögliche Unterstützung zu unterbreiten“, erklärte der Landrat weiter. Dies könne in Form von Beratung, Wegweisung des Täters aus der unmittelbaren Umgebung oder Ähnlichem erfolgen. Auch die Polizei werde bei Bedarf tätig.

Gewalttaten lassen sich nicht vollständig ausschließen

Allerdings, so der Kreischef weiter, seien sich anbahnende Konflikte nicht ohne Weiteres erkennbar. „Das gilt in Asylbewerberheimen genauso wie in allen anderen sozialen Umfeldern. Die traurige Wahrheit ist: Gewalttaten lassen sich nie völlig ausschließen.“

Nach dem Verbrechen war die Öffentlichkeit mehrere Tage nicht informiert worden. Vor diesem Hintergrund hatte die UWV auch die Informationspolitik des Landkreises beklagt. Erst aus der Zeitung habe man von dem Vorfall erfahren, kritisierte Fraktionsvorsitzende Ute Kniesche und forderte Aufklärung. Der Kreis, antwortete Graichen, habe die entsprechenden Entscheidungen der Strafverfolgungsbehörden zu akzeptieren. Es sei einzig und allein die Staatsanwaltschaft, die über die Freigabe solcher Informationen zu entscheiden habe. Diese hatte die Tat erst fünf Tage später – und das auch nur auf Nachfrage – bestätigt.

Entscheidung der Staatsanwaltschaft Leipzig war zu respektieren

Nach dem Verbrechen sei auch ein gewisser Medienrummel befürchtet worden. „Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass dann Heimbewohner auf der Straße befragt werden, teilweise auch versucht wird, verdeckt in die Unterkunft zu gelangen, was eine geordnete und unbefangene Zeugenbefragung erschwert. Vor diesem Hintergrund haben wir die Entscheidung der Staatsanwaltschaft zu respektieren gehabt, weil diese auch für den Erfolg der Ermittlungen verantwortlich ist“, so der Landrat.

Im Übrigen sei auch in anderen Kriminalfällen mit Todesfolge eine Information der Kreisräte bisher nicht üblich gewesen. „Der Sonderfall, dass ein solches Verbrechen in den Räumlichkeiten einer Gemeinschaftsunterkunft passiert ist, ändert an dieser Vorgehensweise vom Grund her nichts. Es besteht und bestand keine Gefahr für die Allgemeinheit, sondern es handelte sich bedauerlicherweise leider um einen häuslichen Konflikt, welcher auch unabhängig von der Herkunft der Familie überall hätte passieren können.“

Kinder der getöteten Mutter in Obhut der Jugendhilfe

Nach dem mutmaßlichen Tötungsverbrechen wurden die zwei minderjährigen Kinder sofort in Obhut genommen. Das Familiengericht Borna bestellte das Jugendamt inzwischen zum Vormund. Derzeit seien die Kinder übergangsweise in einer Einrichtung der Jugendhilfe untergebracht, so Graichen. Favorisiert werde eine Unterbringung bei anderen Familienangehörigen, um auch die Traumatisierung der Kinder „bearbeiten zu können“. Sollte dies nicht gelingen, stehe auch die Unterbringung in einer Pflegefamilie zur Diskussion.

Von Simone Prenzel

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