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Borna Handwerksberufe werden wieder beliebter – mehr Verträge abgeschlossen
Region Borna Handwerksberufe werden wieder beliebter – mehr Verträge abgeschlossen
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15:51 12.01.2016
Andrea Stengel ist eine von 27 Lehrlingen im Zwenkauer Backhaus Hennig. Quelle: Andreas Döring
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Landkreis Leipzig

Das sächsische Handwerk hat schwere Zeiten hinter sich. Die Attraktivität seiner Ausbildungsmöglichkeiten, Vergütung und Aufstiegschancen trieben den Nachwuchs in die Flucht. Der Fachkräftemangel verschärfte sich. Tischler, Schlosser, Floristen & Co. gerieten aus der Mode. Jetzt scheint das Tal endgültig durchschritten. Für das laufende Lehrjahr im sächsischen Handwerk sind erneut mehr neue Ausbildungsverträge abgeschlossen worden.

„Wir freuen uns, dass eine Handwerksausbildung für viele Schulabgänger wieder attraktiv ist“, jubelt der Präsident der Handwerkskammer (HwK) Leipzig, Claus Gröhn. Die Zahl der Ausbildungsverträge in Handwerksberufen ist im Kammerbezirk zum Jahresende um ein Prozent gestiegen. Im Landkreis Leipzig waren es sogar 5,7 Prozent. „In absoluten Zahlen haben wir damit 355 Lehrverträge abgeschlossen“, rechnet Ingo Schöne, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Landkreis Leipzig, vor. Das sind 19 mehr als zum Vorjahreszeitpunkt. Andrea Wolter, Sprecherin der HwK Leipzig, sieht in dem Anstieg einen wichtigen Erfolg: „Es gibt aus demografischen Gründen weniger Schulabsolventen, davon gehen aber immer mehr ins Handwerk.“

Bessere Vernetzung zwischen Kammern, Betrieben und Schulen

In den kommunalen Jobcentern (KJC) des Landkreises beobachten die Berufsberater seit 2014 eine steigende Beliebtheit handwerklicher Ausbildungsberufe. „Tatsächlich haben im Vergleich zu den vergangenen Jahren mehr Jugendliche, die von unserer Berufsberatung betreut und vermittelt wurden, eine Ausbildung in handwerklichen Berufen begonnen“, bestätigte Kreissprecherin Brigitte Laux.

Die zunehmende Beliebtheit ist für sie das Resultat gezielter Bemühungen. „Die Beruflichen Schulzentren des Landkreises arbeiten seit Längerem mit Handwerkskammer, Kreishandwerkerschaft, Handwerksbetrieben der Region und anderen Gremien an einer engeren Vernetzung vor allem mit den Oberschulen“. Neben der intensiven Nachwuchsarbeit würden gezielte Gespräche mit den Schülern das Interesse an einer Ausbildung in den Handwerksberufen fördern. Laux: „Das unterstützt die Arbeit unserer Berufsberater, die für unsere Jugendlichen – viele Hauptschüler mit durchschnittlichen Noten – oft auf eine Ausbildung im Handwerk hinarbeiten.“

Dass die Arbeit Früchte trägt, bestätigt Info Schöne. „Es wird einiges getan. So gab es beispielsweise im November den Tag der Berufsorientierung Handwerk in Böhlen. Da konnte vieles ausprobiert werden.“ Rund 600 Schüler aus der Region waren der Einladung gefolgt. Dazu komme, dass im Zusammenhang mit der Nachwuchsarbeit mehr Betriebe Praktika zur Berufsorientierung anbieten würden und die Ferienarbeit von beiden Seiten stärker nachgefragt werde.

Hit-Liste wird vom Ausbildungsberuf des KFZ-Mechatronikers angeführt

Besonders gefragte Ausbildungsberufe im Kammerbezirk sind KFZ-Mechatroniker, Friseur, Elektrotechniker, Tischler und Anlagenmechaniker für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. An dieser Hit-Liste habe sich in den letzten Jahren kaum etwas geändert. Von dem Aufschwung profitieren aber durchaus Berufe, die in der Vergangenheit als eher unbeliebt galten – etwa in der Nahrungsmittelbranche. „Mehr Menschen wollen beispielsweise wieder das Bäckerhandwerk erlernen“, so Schöne.

Das Angebot bestimmt die Nachfrage, erklärt Wolter: „Etwa für Kraftfahrzeugmechaniker haben wir in der Region einen sehr guten Markt.“ Volkmar Beier, Sprecher der Agentur für Arbeit Oschatz,hat ein anderes Beispiel: „In den 1990er-Jahren wurde bei den Mädchen oft der Berufswunsch Friseurin genannt. Mittlerweile hat sich das entzerrt und dem Markt angepasst.“

Ein Viertel der Auszubildenden im Handwerk sind Mädchen

Trotzdem ist das Friseurhandwerk bei den Mädchen immer noch der unangefochtene Favorit unter den Handwerksberufen. Danach folgen Gesundheitsberufe wie Augenoptiker oder Hörgeräteakustiker. Nur jeder vierte Auszubildende im Kammerbezirk ist weiblich. „Die Zahl bleibt konstant, ist aber längst nicht optimal“, so Wolter.

In den neuen Bundesländern ist die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge in Handwerksunternehmen um 2,8 Prozent gestiegen, in den alten Bundesländern war sie hingegen leicht rückläufig. Was daran liegt, dass es in den neuen Bundesländern weniger Auszubildende als in den alten gibt und sich ein Anstieg deshalb prozentual stärker auswirkt, so Wolter. Weiter: „Es ist außerdem anzunehmen, dass sich die Betriebe in den neuen Bundesländern noch stärker um den Fachkräftenachwuchs bemühen müssen, da wir hier einen höheren Altersdurchschnitt haben. Das heißt: Viele Mitarbeiter gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand und es gibt wenig freie Fachkräfte. Die Lösung heißt deshalb, eigenen Nachwuchs ausbilden. Zudem ist die wirtschaftliche Gesamtsituation der Handwerksbetriebe seit mehreren Jahren auf einem stabilen guten Niveau.“

Von Nathalie Helene Rippich

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