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Borna Heimatforscher: Borna könnte 1000 Jahre alt sein
Region Borna Heimatforscher: Borna könnte 1000 Jahre alt sein
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14:51 19.05.2015
Die Stadt Borna mit Markt und Rathaus: Ob sie älter ist als bisher angenommen, bleibt umstritten. Quelle: Jens Paul Taubert

In den letzten Jahren hatte er sich auf Spurensuche begeben, und das verselbstständigte sich dann nach und nach.

In Kirchenarchiven, Ortschroniken und Biografien sammelte Rümenapp Materialien, mit denen er seine Theorie untermauern kann, wie er überzeugt ist. Der Deutzener verweist unter anderem auf eine Abbildung, in der von einer ersten Erwähnung der Stadt im Jahr 950 unter dem Namen Wenigenborna die Rede ist. Seine akribische Recherche zu Kloster- und Kirchengeschichte umfasst einen Zeitraum von 13 Jahren und füllt die Regale seines Arbeitszimmers mit beachtlichen 45 Ordnern. "Das wäre geschichtlich schon eine immense Sensation, wenn sich herausstellen würde, dass die Stadt etwa 300 Jahre älter ist, als bisher bekannt", sagt Rümenapp. Wenn es so wäre, passe das Alter von Borna zu den Ersterwähnungen von Altenburg, Zwenkau und Prießnitz.

Zudem wäre es nicht das erste Mal, dass Geschichtsbücher korrigiert werden müssten, sagt der Forscher. Bereits in den 1930er Jahren wurde nach neueren Informationen das Datum der Bornaer Ersterwähnung geändert. Zu dieser Zeit feierte die Stadt ihr 800-jähriges Bestehen, bevor später ihre erste urkundliche Erwähnung auf das Jahr 1251 datiert wurde. Derzufolge gab es im Jahr 2001 die 750-Jahr-Feier, die vielen Bornaern noch in guter Erinnerung sein dürfte. "Ich will nicht sagen, dass ich ein Experte zum Thema bin, aber es lohnt sich, dass man sich mit der Frage zumindest beschäftigt", sagt Rümenapp bescheiden.

Daher wirkt der pensionierte Diplom-Ingenieur eher wissbegierig denn wie ein Besserwisser. Bei Kaffee und Keksen erläutert er, wie seine Forschungreise angefangen hat. Es entwickelte sich langsam, sagt er - eine Spurensuche über mehrere Jahre, die mit einer Kirche begann und mit einem Kloster endete. Als Ausgangspunkt diente die katholische Kirche St. Konrad in Deutzen. Während der Recherchen über die Kirche stieß er auf ein weiteres Rätsel: eine frühere Erwähnung der Stadt Borna oder, noch spezifischer, von Wenigenborna - noch 300 Jahre vor dem bekannten Datum 1251. Die Spur führte ihn zu einer Landkarte aus dem Buch "Geschichte und Geschichten" von der Autorin Marianne Seewald, das der damalige katholische Dresdner Bischof Gerhard Schaffrath im St.-Benno-Verlag herausgegeben hat. Die Karte deutet auf eine Ersterwähnung im Jahr 950 hin, eine Zeit, in der es ein Kloster in Wenigenborna gegeben haben soll.

Spätere Quellen, darunter die "Neue Sächsische Kirchengalerie", eine evangelische Quelle aus dem Jahr 1905, deuten schon im Jahr 936 auf ein Augustinerkloster in Wenigenborna hin. Unter anderem wertete Rümenapp Literatur aus dem 18. und 19. Jahrhundert aus. Seine Quellen sind im Internet zugänglich.

Genau deswegen haben Historiker allerdings ihre Zweifel. Der Bornaer Ortschronist Gert Schreiber hält die Erwähnungen in Geschichtsbüchern für nicht ausreichend, als dass sie als Beweis gelten könnten. "Mit Sekundärquellen kann man keine Wissenschaft betreiben", sagt der Historiker. "Das muss entweder archäologisch gesichert werden, zum Beispiel durch Funde aus dem zehnten Jahrhundert, oder durch Primärquellen aus dieser Zeit. Alles andere sind Gerüchte."

Allerdings sei die Frage nach einem früheren Ersterwähnungsdatum Bornas als bisher angenommen berechtigt, sagt Historiker Schreiber: "Man kann das Thema als Gedanke aufgreifen und hinterfragen, denn alles ist ja möglich. Die Gerüchte können aber nur wissenschaftlich, durch Primärquellen, bestätigt werden."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.09.2014
Krystin Brown

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