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Heimatlos aber stolz: Heuersdorfer Sportverein will 100 werden

Fußball Heimatlos aber stolz: Heuersdorfer Sportverein will 100 werden

Vor knapp sieben Jahren spielten die Fußballer des SV Heuersdorf zum letzten Mal auf ihrem eigenen Platz. Der und das ganze Dorf verschwanden danach im Tagebau. Drei der Mitglieder spielen noch aktiv Fußball. In der Abwehr der Spielgemeinschaft TSV Lobstädt/SV Heuersdorf halten sie den Gedanken an die verlorene Heimat aufrecht. Und der Verein hat ein großes Ziel.

Schon 1997 kämpften die Heuersdorfer um den Erhalt ihrer Heimat. Zwölf Jahre später ist der Ort abgebaggert worden. Ein Sportverein trägt noch immer seinen Namen.

Quelle: LVZ

Borna/Heuersdorf. Gewöhnlich wird es nicht als Schmeichelei empfunden, bezeichnet man jemanden als heimatlos. Doch es gibt in der Region ein Grüppchen von Fußballern und Sympathisanten, die mit dem Begriff durchaus umgehen können. Weil er zutrifft. Denn während der Ort Heuersdorf längst im riesigen Schlund des Braunkohletagebaus Vereinigtes Schleenhain aufgegangen ist, lebt sein Name im Sportverein SV Heuersdorf 1920 weiter. Drei der Mitglieder spielen noch aktiv Fußball. In der Abwehr der Spielgemeinschaft TSV Lobstädt/SV Heuersdorf halten sie den Gedanken an die verlorene Heimat aufrecht.

Vor ein paar Jahren standen diese Verkehrsschilder noch, da gab es Heuersdorf schon nicht mehr

Vor ein paar Jahren standen diese Verkehrsschilder noch, da gab es Heuersdorf schon nicht mehr. Der Sportverein Heuersdorf 1920 existiert heute noch.

Quelle: LVZ

Eine Mischung aus Heimatverbundenheit, Durchstehvermögen und einer ordentlichen Portion Trotz sind es, die den Verein bis heute am Leben erhalten. Der hatte zu seinen besten Zeiten 60 Mitglieder und zwei Mannschaften, von denen die erste bis in die Bezirksklasse aufgestiegen war, wie sich Vereinsvorsitzender Ronny Zimmermann erinnert. Wie die meisten der noch zur Stange haltenden Mitglieder stammt der 38-Jährige selbst aus Heuersdorf. Als Kind spielte er im benachbarten Deutzen Fußball, aber nur, weil es in Heuersdorf keine Jugendabteilung gab. Als Erwachsener wechselte er in den Heimatverein.

Der, schwelgt Zimmermann gemeinsam mit seinem fünf Jahre jüngeren Vize Marcel Jahn in Erinnerungen, konnte seinen Spielern, Gästen und Zuschauern allerhand bieten: „Wir hatten einen Platz auf gewachsenem Boden. Der wurde gut gepflegt und konnte bei jedem Wetter bespielt werden.“ Es gab ein Sportlerheim mit Vereinsraum, überdachte Stehplätze und vor allem eine herzliche Atmosphäre im Verein, getragen von vielen Mitgliedern und Unterstützern.

Namen wie Rico Lindner, Claus Dietrich, Rajko Krocker, Werner Eberhard und Zimmermans Bruder Mike sowie der des langjährigen Trainers Roland Paschke fallen den beiden Vorständen ein, wenn es um Leute geht, die sich darum kümmerten, dass auf und rund um den Platz alles glatt lief. „Von Gästefans“, weiß Jahn, „wurden wir für unser Vereinsleben gelobt.“

Ronny Zimmermann

Ronny Zimmermann

Quelle: André Neumann
Marcel Jahn

Marcel Jahn

Quelle: André Neumann

Und mit der erst drohenden und später näher rückenden Abbaggerung des Dorfes verstärkte sich auch der Zusammenhalt weiter. Neben dem Heuersdorf-Verein war der SV bald der letzte soziale Verein im Ort, zu dessen Saisonabschluss kam das halbe Dorf zum Fußballplatz. Der befand sich schon dicht an der Baggerkante, als im Frühsommer 2009 das letzte Spiel der Saison ausgetragen wurde. Es wurde kein großes Protestereignis mehr, die Messen waren längst gesungen, die Vereinsmitglieder dachten über ihre Zukunft nach und es drohte der Zerfall, nachdem die Heuersdorfer nach Regis-Breitingen, Hagenest und Frohburg zogen. Aber: „Die Spieler“, sagt Zimmermann rückblickend, „wollten unter dem Namen Heuersdorf weiterspielen.“

So begann eine Odyssee, eine Suche nach etwas, das zwar nicht die verlorene Heimat ersetzen, aber immerhin Heimstatt sein konnte. Für einen eigenen neuen Platz reichte die Entschädigung, die die Mibrag dem Verein zahlte, nicht. Drei Jahre hielten es die Heuersdorfer in Regis-Breitingen aus. Für die Benutzung des Platzes mussten sie reichlich 1000 Euro Miete im Jahr bezahlen, dritte Regiser Mannschaft wollten sie nicht werden. Später spielten die Heuersdorfer, immer noch unter eigenem Namen, in Borna. Dort sahen sie im Witznitzer Sportobjekt die Chance auf eine dauerhafte Zukunft. Doch dann ging der Bornaer Sportverein finanziell in die Knie, die Träume von einem Domizil in Witznitz zerstoben mit dem Abriss der dortigen Gebäude.

In der Spielgemeinschaft mit Lobstädt bleibt der Name Heuersdorf nun erhalten, aktuell in der Kreisliga A. Wobei das Klassement für Zimmerman und Jahn und ihre Mitstreiter vermutlich nicht das Wichtigste ist. „Vier Jahre müssen wir noch durchhalten“, ist Zimmermanns Wunsch. Dann wird der SV Heuersdorf, der 1920 als Turnverein gegründet worden war, 100 Jahre. Und das wäre wahrlich ein bemerkenswertes Alter für einen stolzen Trupp von Heimatlosen.

Von André Neumann

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