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Heimatverein Rötha will Ölgemälde aus dem Schloss wieder zum Leben erwecken

Museum Heimatverein Rötha will Ölgemälde aus dem Schloss wieder zum Leben erwecken

In Rötha hat die Auferstehung eines möglicherweise wertvollen Gemäldes aus dem ehemaligen Schloss begonnen. Auf Initiative einer Freundin des Museums hat sich eine Professorin der Dresdener Kunsthochschule das Familienporträt angesehen. Hinweise von Bürgern zu dem Bild und seiner Geschichte sind willkommen.

Das Familienporträt (Ausschnitt) weist schwere Schäden auf.

Quelle: André Neumann

Rötha. Ein Ölgemälde aus der Sammlung der Familie von Friesen, der einstigen Besitzer des Schlosses Rötha, beschäftigt derzeit den Stadt- und Heimatverein Rötha. Noch weiß man nicht viel mehr, als dass das nahezu lebensgroße und stark beschädigte Bild vermutlich eine Familie aus dem Umfeld derer von Friesen zeigt und wahrscheinlich aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammt. Mithin also bis zu 200 Jahre alt sein könnte. Die meisten, die es gesehen haben, lässt es nicht mehr los.

Die Geschichte der Entdeckung dieses Gemäldes beginnt vor gut anderthalb Jahrzehnten. Damals, um 1999, fing der Heimatverein noch unter Leitung von Horst Brauße (gest. 2010) an, ein Museum aufzubauen. Just zu dieser Zeit sollte das Rathausdach erneuert und dazu der Boden leer geräumt werden. Auf Bitten von Horst Brauße brachten Bauhofmitarbeiter zunächst alles ins spätere Museum. Darunter war auch dieses Bild.

„Es sah aus, als hätte jemand reingetreten“, erinnert sich Bettina Wallasch, Braußes Tochter und heutige Vorsitzende des Heimatvereins. Es musste also mindestens 30 Jahre auf dem Rathausboden gestanden haben. Denn vor der Sprengung des Schlosses 1969, das ist bekannt in Rötha, wurde dort noch etliches rausgeholt und einiges davon im Rathaus deponiert.

Als das Bild geborgen war, kümmerte sich erst einmal niemand weiter darum. „Es gab immer Wichtigeres“, sagt Bettina Wallasch mit bedauerndem Tonfall. Sie ist sich aber sicher, dass ihr Vater mit dem letzten Schlossherren Heinrich Freiherr von Friesen, der heute einundachtzigjährig in München lebt, auch über das Bild gesprochen hat.

Gut 16 Jahre später kommt Katy Schlosser ins Spiel. Die 35-jährige Röthaerin ist Standesbeamtin in Borna, hat einen Sinn für alles Schöne und Kreative und ist eine Art Freundin und Helferin des Röthaer Heimatmuseums. Bei einer Feier des Vorstandes des Röthaer Sportvereins in den Räumen des Museums zeigt Bettina Wallasch ihr das Bild und Katy Schlosser kommt fortan nicht mehr los davon. „Ich probiere etwas“, sagt sie wenig später zu Bettina Wallasch und sie ruft auf eigene Faust bei der Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Dresden an. Dort stößt sie auf Ursula Haller, Professor für Kunsttechnologie, Konservierung und Restaurierung von Gemälden.

Es gelingt der Röthaerin, die Expertin neugierig zu machen. Die Professorin kommt nach Rötha und staunt erst einmal: Sie hatte ein kleines Familienbildnis erwartet und steht vor einem fast lebensgroßen Porträt von Vater, Mutter und Tochter. Ohne es dem Verein in Rechnung zu stellen, dessen ehrenamtliches Engagement sie ausdrücklich lobt, fertigt sie ein erstes Ansichtsgutachten. Zu Beschönigen gibt es nichts: Schimmel, Nässeschäden, Risse und Brüche in den Farbschichten, und ein ganzes Stück Leinwand wurde möglicherweise herausgeschnitten. Trotz allem spricht die Expertin von „hervorragender malerischer Ausführung“, findet aber leider keine Signatur.

Um das Gemälde vor weiterer Zerstörung zu bewahren, muss es konserviert werden, wie die Restauratoren sagen, also gesichert. Haller sieht die Möglichkeit, das frühestens im Wintersemester 2017/18 im Rahmen eines Diplomprojektes von Studenten machen zu lassen. Bis dahin gilt für das Bild, welches auf einem Treppenabsatz im Museum steht: nicht bewegen, nicht anfassen, nicht hinlegen. Schon der Transport nach Dresden, sollte es dazu kommen, würde dem eines Schwerverletzten gleichkommen.

Über weitere Schritte, sagt Bettina Wallasch, müsste ohnehin mit dem Freiherren gesprochen werden, dem das Bild gehöre. Gesehen hat er das Ölgemälde bisher nur auf Fotos. Ein im Oktober geplantes Treffen mit der Museumsleiterin musste er krankheitsbedingt absagen. Anhand der Fotos glaubt er, das Bild zu kennen. Er kann sich aber nicht erinnern, wo unter den über 200 Bildern im Schloss es gehangen haben könnte.

Katy Schlosser freut sich, dass der Stein ins Rollen zu kommen scheint. Ihr Interesse an dem Bild ist ungebrochen. Sie beginnt schon zu recherchieren, wer der Porträtmaler gewesen sein könnte. Vielleicht sogar ein berühmter, der viele Familienbilder derer von Friesen gemalt hat? Insgeheim träumt sie schon davon, das restaurierte Bild im Röthaer Museum in einer Ausstellung zu sehen.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Über eine Restaurierung könne überhaupt erst nach Abschluss der Konservierung nachgedacht werden, sagt die Wissenschaftlerin von der HfBK. Um darüber zu entscheiden, müsste man auch einiges über die Geschichte des Bildes wissen und darüber, was auf der herausgetrennten Stelle zu sehen war. Die Geschichte von der Auferstehung eines lange vergessenen Gemäldes aus dem Röthaer Schloss hat gerade erst begonnen.

Heimatverein bittet um Hilfe

Der Heimatverein Rötha will mehr über das Ölgemälde erfahren und bittet die Bevölkerung um Hilfe. Möglicherweise kann sich noch jemand daran erinnern. Antworten auf folgende Fragen werden gesucht:

Stammt das Bild aus dem Röthaer Schloss?

Wer ist darauf abgebildet?

Wie sah es ursprünglich aus, was war auf der fehlenden Stelle zu sehen?

Wo kann es früher gehangen haben?

Wie kam es auf den Rathausboden?

Hat jemand eine alte Fotografie, auf der das Bild im Hintergrund auftaucht?

Der herausgeschnittene Teil in der unteren Hälfte des Bildes könnte noch irgendwo als einzelnes, vielleicht auch gerahmtes Bild existieren. Derartiges soll nicht unüblich gewesen sein.

Kontakt: 034206/54507 oder heimatverein.roetha@freenet.de

 

Von André Neumann

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