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Helios verkauft Kliniken noch vor dem Kartellamts-Entscheid

Helios verkauft Kliniken noch vor dem Kartellamts-Entscheid

Borna. Fassungslosigkeit bei den Mitarbeitern, Sorge bei Patienten: Dass der Gesundheitskonzern Helios seine beiden Kliniken in Borna und Zwenkau zum 1. Februar verkauft, war gestern Gesprächsthema Nummer eins.

In den nächsten Tagen sollen die beiden Häuser des Helios-Klinikums Leipziger Land vom Mutterunternehmen getrennt werden. Der neue Eigentümer heißt HCM SE. Das Bemerkenswerte: Das Bundeskartellamt hat seine Prüfungen noch gar nicht beendet, deshalb auch noch gar keine Verkaufs-Auflagen geltend gemacht.

 

 

"Helios erfüllt die Vorgaben für die Kartellfreigabe des Erwerbs von 40 Kliniken sowie 13 medizinischen Versorgungszentren der Rhön-Klinikum AG und veräußert seine beiden Kliniken in Borna und Zwenkau." So steht es in einer Information, die die Helios-Kliniken vorgestern verbreiteten. Helios erwirbt in Leipzig das Herzzentrum und das Parkkrankenhaus und bündelt damit in der Tat seine Marktmacht in der Region. Dass das Bundeskartellamt in diesem Fall mehr als nur ein Wort mitzureden hat, versteht sich. Und das tut es. Aber: "Wir sind noch mitten im laufenden Verfahren. Wir prüfen noch, und es gab noch keine Entscheidungen unsererseits", sagte gestern Behördensprecher Kay Weidner der LVZ. Die Frist laufe bis 23. Februar. Wenn Helios sich bereits im Vorfeld des Klinik-Paketkaufs entschließe, die Häuser in Borna und Zwenkau zu veräußern, sei das eine Sache, die das Unternehmen selbst getroffen habe - und nicht die Folge einer verbrieften Kartellamts-Forderung. Im Rahmen einer Marktanalyse schätze die Bundeskartellbehörde die Wettbewerbssituation in einer Region ein und begleite einen solchen Veräußerungsprozess, so Weidner: "Aus Sicht des Patienten ist es uns wichtig, sicherzustellen, dass nach einer Fusion ausreichend Alternativen vorhanden sind."

"Wir in Borna und Zwenkau werden geopfert für die Sahnestückchen in Leipzig." Auf diesen Punkt brachte gestern eine Mitarbeiterin ihre Empfindungen. Die gesamte Belegschaft, die Geschäftsleitung eingeschlossen, sei von der Information des Verkaufs am Montag völlig überrascht worden: "Alle waren geschockt. So etwas war nie im Gespräch. Jetzt wissen wir nicht, was wird."

Möglicherweise sind die Ärzte, Schwestern, Therapeuten und Pfleger heute Nachmittag schon ein bisschen klüger, denn der Geschäftsführende Direktor des neuen Eigentümers HCM SE will sich der Geschäftsleitung und dem Betriebsrat in Borna vorstellen. "Wir werden sehen, was er mitbringt", hieß es aus dem Büro des Betriebsrates: "Wir hoffen, dass es in beiden Häusern weitergeht wie bisher. Wir werden um die Arbeitsplätze kämpfen."

"Dass etwas in der Luft liegt, das fiel am Montag auf", sagte Werner Biedermann aus Zwenkau, der gestern nach mehrtägigem Aufenthalt die Bornaer Klinik verließ. Er sei hier schon mehrfach behandelt worden - und immer zur Zufriedenheit: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es nun gravierende Einschnitte gibt. Das kann man doch nicht zerstören. Es muss weitergehen." Rainer Arnold aus Ramsdorf bezeichnete die medizinische Versorgung als eine im Grunde staatliche Aufgabe. "Die zunehmende Kommerzialisierung des Gesundheitswesens stellt sich für mich als ein Riesenproblem dar." Er hoffe, dass die Bornaer Klinik mit dem vollen Leistungsspektrum erhalten bleibe. "Ich habe vom Verkauf gerade erst erfahren und bin völlig überrascht", sagte Michael Kulke aus Flöha, der auf Empfehlung seines Arztes sich für eine Operation in Borna entschied. Ebenso wie Dietmar Kober aus Penig: "Die Klinik ist sehr schön. Da kann man nichts sagen." Ein Kompliment machte Susann Tippner, die mit ihrem Baby aus Leipzig zu einer Ultraschall-Untersuchung gekommen war: "In Leipzig ist doch kein Termin zu haben. Hier klappte das ohne Probleme."

"Der Betrieb läuft in der bewährten Form und auf demselben hohen Niveau weiter", versuchte Constanze von der Schulenburg, Sprecherin der Helios-Kliniken, Befürchtungen zu zerstreuen. Das Klinikum Leipziger Land "ist für uns keine Marginalie", die leichtfertig geopfert werde, eher so etwas wie "eine Perle des Konzerns". Die Herauslösung beider Häuser aus dem Konzernverbund werde sich "in den nächsten Tagen vollziehen". Das reiche von den Kommunikationsnetzen bis zum grünen H als Signet, das sich auch auf dem Dach des Bornaer Krankenhauses dreht. Von der Schulenburg: "Für das Kartellamt muss ersichtlich sein, dass beide Kliniken von Helios entflochten werden."

Die Krankenhäuser in Borna, Zwenkau und Schkeuditz waren per Kreistagsbeschluss vom April 1998 mehrheitlich an den Helios-Konzern verkauft worden.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 29.01.2014
Schulreich, Ekkehard

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