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Helle Aufregung in Lobstädt: Hilfe, die Wildschweine kommen

Wohngebiet Helle Aufregung in Lobstädt: Hilfe, die Wildschweine kommen

Bewohner der Bergisdorfer Straße in Lobstädt sind aufgeschreckt. Zwar hatte man hier schon öfter mit Wildschweinen zu tun, doch so heftig und vor allem so nah wie jetzt kamen die Tiere den Häusern noch nie, berichten Anwohner.

Jochen Karthe und Werner Winkler (v.l.) in heller Aufregung, nachdem Wildschweine in ihrem Wohngebiet gewühlt hatten.

Quelle: André Neumann

Neukieritzsch/Lobstädt. Wildschweinalarm in Lobstädt. So heftig war es noch nie, da sind sich Werner Winkler und Jochen Karthe einig. Beide bewohnen Häuser in der Bergisdorfer Straße in Lobstädt. Hier zerwühlte vor wenigen Tagen offenbar eine ganze Rotte Schwarzkittel gleich mehrere Rasenstücke und Teile von Wegen vor einigen Häusern. Eine Spur führte sogar direkt in ein Grundstück. Der Schock saß so tief, dass die beiden Männer den Vorfall auf der jüngsten Sitzung des Gemeinderates schilderten, wo Winkler von dem „ersten großen Angriff von Wildschweinen“ sprach.

Aus Sicht der Lobstädter gibt es auch jemanden, der für die Wildschweinplage verantwortlich ist: Die Landestalsperrenverwaltung (LTV) mit ihrem Betriebsteil in Rötha. Die Behörde betreut den Speicher Lobstädt mit den umliegenden Uferzonen. Die würden sich zu einem Urwald entwickeln, in dem Wildschweine wunderbar Deckung fänden, schilderten die Lobstädter im Gemeinderat. Deswegen müsse die LTV handeln, forderte Winkler, der in dem Neukieritzscher Ortsteil Mitglied des Ortschaftsrates ist. Er erinnerte an eine Bürgerversammlung im Zusammenhang mit einer Standsicherheitsüberprüfung des Speicherbeckens vor knapp anderthalb Jahren. Bei der Gelegenheit hätten Vertreter der LTV zugesagt, sie würden sich um den Wildwuchs am Speicherbecken Lobstädt kümmern.

Die Gemeindeverwaltung hat nach Bekanntwerden des jüngsten Vorfalls umgehend Kontakt mit der Talsperrenverwaltung aufgenommen. Es werde einen Ortstermin geben, bestätigte Henriette Salewski von der LTV, dass man mit der Gemeinde über die Situation sprechen wolle. Nach ihren Worten sei die LTV allerdings kein Waldbewirtschafter. Unterholz auszulichten gehöre nicht zu den ersten Aufgaben des Landesbetriebes.

Genau das wäre aber nötig, um Wildschweine überhaupt vom Speicher und damit von Lobstädt fernhalten zu können. Das meint zumindest auch Jürgen Schumann, einer von drei Jägern, die im Gebiet der Jagdgenossenschaft Lobstädt unterwegs sind. „Das ist ein Wildschweinparadies geworden“, sagt Schumann. An manchen Stellen sei das Unterholz so verwildert, häufig durch Brombeeren, dass nicht einmal sein Jagdhund mehr hindurch komme. Hinzu kämen noch das Schilf und das sumpfige Ufer, wodurch zusammen ein perfekter „Einstand“ fürs Schwarzwild geworden sei. Hier verstecken sich die Tiere am Tage, um nachts auf Futtersuche in die nahe Siedlung zu kommen.

Schießen kann der Jäger die Wildschweine hier nicht. Auf der einen Seite die Siedlung, auf den anderen die Bahn und die Bundesstraße, da könne er nicht zur Waffe greifen. Erwehren könne man sich der Wildschweine aber immerhin durch so genannte Vergrämung, weiß Schumann. Und zwar durch für die Tiere unangenehme Gerüche. Eine bestimmte chemische Substanz auf einen Lappen geträufelt, der am Waldrand aufgehangen wird, und Sau und Keiler meiden die Stelle. In einigen Bereichen habe man damit schon Erfolg erzielt.

Auf diese Weise könnten sich Anlieger auch selbst helfen, sagt der Jäger, indem sie ein paar Lappen aufhängen. Anstelle der kostspieligen Vergrämungssubstanz könne man auch Parfüm benutzen. Wirken würden auch menschliche Haare, die man beim Frisör holt und in die Lappen wickelt.

Die Wirkung werde allerdings immer nur zeitweilig sein, macht der Jäger klar. Um den Wildschweinen dauerhaft aus ihrem Unterschlupf an den Ufern des Speicherbeckens Lobstädt zu vergraulen, müsse das Unterholz beseitigt werden. Das, so Schumann, sei die Hauptursache für das Problem.

Von André Neumann

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