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"Hier geht es drunter und drüber"

"Hier geht es drunter und drüber"

Groitzsch/Pegau/Elstertrebnitz. Fast stündlich überschlagen sich gestern die Hiobsbotschaften aus der leidgeprüften Elsterregion.

Alle Straßen nach Pegau sind am frühen Nachmittag gesperrt, die Ortsteile Wiederau, Großstorkwitz und Weideroda drohen unterzugehen und werden evakuiert. Die Schwennigken-Dörfer Auligk, Saasdorf, Gatzen, Löbnitz-Bennewitz und Kleinprießligk verwandeln sich in riesige Seenlandschaften. Elstertrebnitz kämpft ebenfalls an allen Fronten gegen immer neue Wassermassen. Besonders bedroht ist die Eisenmühle.

 

 

Am Nachmittag verkündet der Pegauer Bürgermeister Peter Bringer: "Wir müssen Wiederau, Weideroda und Großstorkwitz evakuieren. Die Dörfer liegen hinter dem Damm, und dieser droht zu brechen. Die Pegel steigen immer weiter. Hier geht es drunter und drüber. Mittlerweile ist auch die Bundeswehr eingetroffen, um uns zu helfen." Wer von den betroffenen Familien nicht bei Verwandten unterkommt, wird in der Pegauer Schlosshalle oder in der Zwenkauer Stadthalle aufgenommen. Ebenfalls evakuiert wurden die tiefer gelegenen Randgebiete wie die Probsteisiedlung.

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Auf dem Groitzscher Bauhof herrscht schon seit Tagen Hochbetrieb. Dutzende Helfer füllen unermüdlich Sandsäcke, während sich Bauhofleiterin Sabine Schirmer zusammen mit dem benachbarten Transportunternehmen Hiemann um Nachschub kümmert. "Wir hatten einen guten Vorrat an Sand angelegt, aber der hat bei Weitem nicht gereicht", sagte sie. Abgeholt werden die Säcke von der Feuerwehr und teilweise Privatleuten.

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In den Schwennigken-Dörfern Auligk, Gatzen, Löbnitz-Bennewitz, Kleinprießligk und Saasdorf steht das Wasser meterhoch. Felder, Wiesen und Ortsverbindungsstraßen sind überflutet. Die Menschen schützen ihre Häuser mit Sandsäcken und verstauen ihre wichtigsten Dokumente und persönliche Dinge in den Obergeschossen. "Trotzdem können wir noch von Glück reden", sagte eine Gatzenerin beim Anblick der überfluteten Aue, "dass unsere Häuser weitgehend verschont geblieben sind. In Grimma sieht es viel schlimmer aus."

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Kurz nachdem Pegau und Elstertrebnitz zum Katastrophengebiet erklärt wurden und das Wasser kein Halten mehr kannte, machte sich Dieter Neidhardt auf den Weg, um zu helfen. Der Spediteur und Baustoffhändler ist Mitte 60 und weiß als gebürtiger Stöntzscher, was es bedeutet, Hab und Gut zu verlieren. Er fährt rund um die Uhr Sandsäcke und Paletten in die betroffenen Wohngebiete und Sammelstationen. Seine eigenen Lagerhallen funktioniert er kurzerhand zur Auffangstation für die Möbel der betroffenen Menschen um. Ironie des Schicksals: Die kleine Spedition, welche ihre Wurzeln schon vor dem 2. Weltkrieg hat, soll im Herbst auf Grund einer fehlenden Baugenehmigung schließen. Der Spediteur hatte ein paar Meter des Betriebshofes befestigt, um diese nutzen zu können. Alle Versuche, die Baugenehmigung nachzureichen, wurden ausgeschlagen, und so wird der tragische Held dieser Geschichte ab Herbst auf eine andere Art und Weise um seine Existenz kämpfen.

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100 Essensportionen kochte das Team des griechischen Restaurants "Syrtaki" in Pegau kostenlos für die Helfer von Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz. Gastwirt Markos Persquefa brachte die Mahlzeiten am Abend ins Gerätehaus. Sein Restaurant ist vom Hochwasser nicht betroffen, sagte er.

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Zahllose Helfer, darunter viele Kinder und Jugendliche, befüllten am Rittergut in Elstertrebnitz die Sandsäcke. Darüber hinaus erhielt die Gemeinde Unterstützung von der Bundespolizei, die am Morgen mit mehreren Mannschaftswagen anrückte. In Elstertrebnitz wurde am Nachmittag das Wehr Eisenmühle zum Problem. Es konnte das Wasser nicht mehr halten und eine weitere Welle würde Wasser in Häuser drücken, hieß es aus dem Landratsamt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.06.2013

Kathrin Haase

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