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Hier spielt die Musik im Landkreis Leipzig – drei Bands im Porträt

Country, Poprock, Ska Hier spielt die Musik im Landkreis Leipzig – drei Bands im Porträt

Die Musikszene im Landkreis Leipzig ist so vielfältig wie seine Landschaft. Zwischen Thallwitz und Ramsdorf gibt es unzählige Bands und Gruppen, die fernab von Musikschulen in Garagen oder Kellern ihrer Leidenschaft nachgehen. Einige mit beachtlichem Erfolg.

Wo spielt die Musik? – im Landkreis Leipzig. (Symbolfoto)

Quelle: Christian Modla

Landkreis Leipzig.  Die Musikszene im Landkreis Leipzig ist so vielfältig wie seine Landschaft. Zwischen Thallwitz und Ramsdorf gibt es unzählige Bands und Gruppen, die fernab von Musikschulen in Garagen oder Kellern ihrer Leidenschaft nachgehen. Einige mit beachtlichem Erfolg: Die LVZ hat drei Gruppen in Lossatal, Bad Lausick und Groitzsch besucht, die mit ihrer Musik Werbung für die Region bei Auftritten (mitunter bundesweit) machen.

Country für jedes Alter aus Bad Lausick – Texas Music Massacre bringen den Country in den Landkreis

Texas Music Massacre aus Bad Lausick

Texas Music Massacre aus Bad Lausick. Das sind Jessie 'The Dynamite' Hunter; Scott 'The Joker' Newman und Sam 'The Bull' Doc (von links).

Quelle: Andreas Döring

Preisfrage: Was hat der typisch amerikanische Country mit dem Landkreis Leipzig zu tun? Nicht viel, mag der Außenstehende jetzt im Brustton der Überzeugung einwerfen – und wüsste nicht, wie falsch er damit liegt. Denn seit mittlerweile sieben Jahren treten die drei Jungs von Texas Music Massacre aus Bad Lausick unermüdlich den Gegenbeweis an. Und das mit stetig steigendem Erfolg.

Angefangen hat alles, wie die meisten Bandgeschichten anfangen: Mit Alkohol. „Die Idee zu dem Projekt ist uns betrunken im Proberaum unserer damaligen Band gekommen“, erinnert sich Drummer Simon, auf der Bühne besser bekannt als Sam ‚The Bull’ Doc, lachend. „Irgendwer hat plötzlich angefangen, Country zu spielen, wir anderen sind eingestiegen – und haben direkt unseren ersten Song eingespielt.“ Dann ging alles ganz schnell. „Wir haben noch in der selben Nacht eine MySpace-Seite gestartet, das Lied hochgeladen und uns bei einem regionalen Bandcontest angemeldet“, berichtet Bassist und Sänger Nick alias Jessie ‚The Dynamite’ Hunter. Mit dem Stück belegten Texas Music Massacre den sechsten Platz des Online-Votings, wurden für das Finale eingeladen – und mussten erst mal ihr Repertoire erweitern. „Wir haben dann noch schnell zwei, drei Lieder für den Auftritt geschrieben – wir hatten ja bis dahin nichts“, grinst Stefan, der unter dem Künstlernamen Scott ‚The Joker’ Newman die Gitarre bearbeitet.

Die Mühe zahlte sich aus: Texas Music Massacre erreichten auf Anhieb den zweiten Platz. Und trotz des etwas chaotischen Starts wurde dem Trio schnell klar, dass sie mit ihrem Stil offenbar einen Nerv getroffen hatten. Die Anfragen begannen sich zu häufen, zu den Konzerten im ganzen Landkreis kamen mehr und mehr Menschen, auch überregional stieg die Bekanntheit. Inzwischen blicken die drei Mittzwanziger auf eine stattliche Konzertreihe zurück: „Wir waren beim Sternburg-Fanfest dabei, auf der Country-Music-Messe in Berlin, haben in Braunschweig und Hamburg gespielt“, zählt Simon auf. „In Dresden, wo wir bisher nie an Auftrittsmöglichkeiten gekommen sind, spielen wir dank unserer Teilnahme am Emergenza Band-Contest allein dieses Jahr acht Konzerte.“

 Bis zum Ende des Jahres stehen noch reichlich Auftritte bevor

Bis zum Ende des Jahres stehen noch reichlich Auftritte bevor.

Quelle: Andreas Döring

Den Erfolg beim Publikum erklären sich die Bad Lausicker vor allem durch ihren eigenwilligen Musikstil. „Country ist einfach ein entspannter Sound, eine sehr zugängliche und vor allem tanzbare Musikrichtung, die gut bei den Leuten ankommt – in jeder Altersklasse“, versucht sich Simon an einer Erklärung. Und Sänger Nick ergänzt: „Der Country ist unser Grundgerüst, unsere Inspiration kommt aber aus vielen verschiedenen Stilen, wir sind da sehr breit aufgestellt.“ Und diese breite Basis hört man auf den bisher zwei regulären Alben der Band – die von allen gemeinsam geschrieben und ganz klassisch im eigenen Proberaum aufgenommen wurden – an allen Ecken. Mal geht es ganz klassisch im Stil von Genre-Größen wie Johnny Cash mit stampfendem Beat voran, an anderer Stelle wird die Punkrock-Keule geschwungen, dann wieder ein getragener Lagerfeuer-Schunkler ausgepackt. Und auch der Humor darf nicht zu kurz kommen, wenn etwa auf russisch der gute alte Kartoffelsalat besungen wird, oder Nick auf der Bühne statt dem zu erwartenden Texas-Slang lieber einen holländischen Akzent für seine Ansagen einsetzt.

Am meisten Spaß bereitet den drei Musikern jedoch nicht das Tüfteln im Proberaum sondern die Präsentation der Songs auf den Bühnenbrettern. „Das Wichtigste sind die Gigs, dafür machen wir das – und es macht auch einfach tierisch Spaß“, betont Nick lachend. Die Auftritte finden inzwischen oft in erweiterter Besetzung statt, denn immer häufiger gesellt sich Saxofonist ‚Stew Pit’ auf der Bühne dazu. „Wir sind mittlerweile wirklich als Band gereift, harmonieren viel besser miteinander, sind auf der Bühne entspannter geworden“, konstatiert Simon.

Beste Voraussetzungen also, um in näherer Zukunft endlich den großen Bandtraum zu verwirklichen: „Wir würden gerne mal eine komplette Tour fahren, da sind wir richtig heiß drauf“, erklärt Nick. Dann können Texas Music Massacre auch deutschlandweit beweisen, dass der Landkreis durchaus den Country im Blut hat.

Lossataler Töne an die Liebe – Poprock mit Botschaft: B.O.R.N.4 aus Wurzen

 BORN4 aus Lossatal

B.O.R.N.4 aus Lossatal. Hier: Sänger Fabian Hanspach (20), Schlagzeug Micha Hahn (26) und Gitarrist Tom Kühne (20, von links).

Quelle: Andreas Döring

Lossatal Wohl jeder Jungmusiker träumt davon: Zahlreiche Fans, Konzerte im In- und Ausland, Auftritte im Fernsehen. Die Wurzener von B.O.R.N.4 können sich das Träumen mittlerweile sparen – für das Trio ist all das schon Realität.

Angefangen hat die Truppe dabei ganz klassisch als Schülerband. „Unser Gymnasium hat 2011 nach der Atomkatastrophe in Fukushima ein Benefizkonzert organisiert“, erinnert sich Sänger Fabian. „Unser Gitarrist Tom kam damals auf mich zu und fragte, ob wir nicht einfach mal was zusammen machen wollen.“ Gesagt getan: Nach drei Proben standen eine Coverversion und ein erstes eigenes Lied. Und der erste gemeinsame Auftritt wurde zum vollen Erfolg. „Die Leute haben direkt eine Zugabe gefordert“, berichtet Tom, der auf der Bühne neben der Gitarre auch noch parallel per Fuß ein Keyboard bedient. „Wir fanden das so klasse, dass wir direkt gesagt haben: Wir machen weiter.“

Nachdem die Band um zweite Gitarre und Schlagzeug erweitert wurde, ging es Schlag auf Schlag. Wurzener Parkfest und Weihnachtsmarkt, gleich vier Auftritte beim Tag der Sachsen, Auftritte in Partnerstädten in Polen und Baden-Württemberg, die Teilnahme an einem Musikerwettbewerb des MDR – B.O.R.N.4 sind immer unterwegs. Und das mit konstant wachsendem Erfolg. „In Polen haben wir sogar erst nach dem Hauptact gespielt und trotzdem waren zig Leute da, haben getanzt und selbst die deutschen Texte mitgesungen“, erinnert sich Fabian.

Der Schuh, der das Bass-Spielen möglich macht

Der Schuh, der das Bass-Spielen möglich macht.

Quelle: Andreas Döring

Mittlerweile sind B.O.R.N.4 – die Abkürzung steht für „Band ohne richtigen Namen“, die 4 für die ursprüngliche Anzahl der Mitglieder – wieder zum Trio geschrumpft. Trotzdem, betont der aktuelle Drummer Micha, sei man erst dadurch richtig zur Einheit gewachsen. „Bei uns funktioniert es auch auf der zwischenmenschlichen Ebene sehr gut, wir sind eben keine Casting-Band.“

Neben dem Zusammenhalt ist vor allem die Ehrlichkeit, die das Trio in seine Eigenkompositionen legt, das entscheidende Erfolgsgeheimnis. „Unsere Musik soll authentisch sein und auch eine Botschaft vermitteln“, erklärt Micha. „Natürlich könnten wir auch auf Masse schreiben, aber dann würde eben auch das Besondere verloren gehen.“ So befasst sich Sänger Fabian in seinen Texten mit Themen wie Liebe und Verantwortung, oder ruft in „Ein Kind“ dazu auf, nicht zu ernsthaft durchs Leben zu gehen. Die Lieder entstehen im Übrigen stets in gemeinsamer Arbeit. „Meistens bringt Fabian Text und Melodie mit, Tom verfeinert das Ganze – und ich sage, dass wir es doppelt so schnell spielen müssen“, grinst Drummer Micha.

Das Konzept und ihr poppig-rockiger Sound kommen an. Mittlerweile werden die Mitglieder – ganz wie die großen Stars – auch auf der Straße angesprochen. „Erst letztens hat mich beim Fußball in der Red Bull Arena jemand am Bierstand erkannt und auch mein Steuerberater hat mich direkt erkannt“, lacht Micha. Die gestiegene Bekanntheit stört die Jungs kein bisschen. Vielmehr machen B.O.R.N.4 für ihre Fans auch gerne mal eine Ausnahme. „Wir haben etwa letztes Jahr unseren größten Fan Paula, die seit zwei Jahren wirklich jedes Konzert besucht, während ihrer Zeit im Krankenhaus überrascht“, berichtet Fabian. Ehrlich sein, sich nicht verstecken und einfach Spaß an der Musik haben – denkt man mal darüber nach, sind B.O.R.N.4 eigentlich längst ganz groß im Geschäft.

Groitzscher Sextett für Ska-Spaß – Baycorona aus Groitzsch punkten mit flotten Rhythmen und Bodenständigkeit

 Baycorona aus Groitzsch

Baycorona aus Groitzsch: Die Bandmitglieder von links in der Bahnhofstraße: Toffi (22), Eric (29), Lisa (24), Anton (28) und Dustin (28).

Quelle: Andreas Döring

Unscheinbar und etwas grau steht das Haus an der Hauptstraße, vor der Tür rauscht der Verkehr, ansonsten herrscht typisch ländliche Idylle. Sobald man durch die Eingangstür tritt, verändert sich dieser Eindruck jedoch schlagartig. Denn hier liegt das Reich von Baycorona und es regiert der Ska.

Seit 2011 bringen die sechs Bandmitglieder mit ihrem ganz eigenen, extrem tanzbaren Sound frischen Wind in die Musikszene des Landkreises – und sind darüber hinaus präsent. „Wir waren unter anderem in Cottbus und Halberstadt, Saalfeld, Suhl und Schleitz, haben in Eilenburg auf einem Open Air gespielt und mehrmals den Felsenkeller in Leipzig unsicher gemacht“, zählt Frontmann Anton auf. Obendrauf steht in jedem Jahr traditionell das Jahresabschluss-Konzert in der Garage eines Freundes auf dem Programm, zu dem regelmäßig andere Nachwuchsbands aus dem Kreis eingeladen werden. Von Langeweile sind die fünf Jungs plus Banddame Lisa, die am Bass für die tiefen Töne zuständig ist, definitiv weit entfernt.

Der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Denn neben flotten Rhythmen überzeugen die Nachwuchsmusiker vor allem durch Bodenständigkeit. „Wir sind über die Jahre, trotz einiger Besetzungswechsel, zu einer echten Einheit zusammengewachsen“, erklärt Leadgitarrist Eric. „Die Band ist inzwischen wie eine zweite Familie für jeden von uns – wir vertragen uns einfach“, schiebt Frontmann Anton augenzwinkernd hinterher.

Im Pub in der Bergstraße

Im Pub in der Bergstraße: Bei einem Bier können die Musiker abschalten.

Quelle: Andreas Döring

Dieser unprätentiöse Ansatz spiegelt sich auch in den inzwischen 17 Eigenkompositionen des Sextetts wieder. „Wir arbeiten nicht nach einem bestimmten Schema, mal entsteht ein Song aus einer Textidee heraus, dann über eine Akkordfolge – und manchmal jammen wir auch einfach nur und sehen, was hängen bleibt“, umreißt Keyboarder Dustin die Arbeitsweise. Und Sänger Anton ergänzt: „Egal, wie genau der Prozess abläuft, am Ende wissen wir immer: Das sind wir.“ Die Texte drehen sich um ganz alltägliche Dinge. Von Liebe über das Arbeitsleben bis zu Zwischenmenschlichem wird das gesamte Spektrum abgedeckt. Gesungen wird ganz bewusst auf Deutsch: „Das ist einfach eine vielschichtige Sprache, in der man sich gut ausdrücken kann“, erklärt Dustin. Und Rhythmusgitarrist Toffi betont: „Gerade im Ska-Bereich und vor allem hier im Landkreis, ist das auch ein gewisses Alleinstellungsmerkmal.“

Derzeit sind Baycorona mit dem letzten Feinschliff ihres Debütalbums beschäftigt, das im Herbst erscheinen soll. Und auch hier zeigt sich die bodenständige Herangehensweise der Truppe: „Wir haben das nötige Geld komplett selbst zusammengespart, alles kommt aus der Bandkasse“, betont Anton. Generell sei es ohnehin nicht das oberste Ziel, mit der Musik möglichst viel Geld zu verdienen. „Klar bleibt inzwischen auch bei Konzerten ein bisschen was hängen“, erklärt Gitarrist Eric. „Aber es reicht auch, wenn wir am Ende bei Null rauskommen. In erster Linie geht es uns um den Spaß, darum, einfach mal vom Alltag abschalten zu können.“

Von Bastian Fischer

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