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Hilfe aus der Schuldenfalle

Hilfe aus der Schuldenfalle

Der eine, der nicht viel auf der hohen Kante hat, bürgt für den anderen, der noch klammer dasteht – für einen Autokredit zum Beispiel. Der andere bringt die Raten nicht mehr auf.

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Ulf Bierbaum ist einer von vier Schuldnerberatern der Diakonie Leipziger Land.

Quelle: LVZArchiv

Der Bürge ist dran – und stürzt selbst ab. Ulf Bierbaum nennt das den „Klassiker". Seit einem knappen halben Jahrzehnt ist er Schuldnerberater. In der Sozialberatung arbeitet der 38-Jährige indes viel länger.

Er kennt die Situation der von akuter Geldnot Betroffenen, und er kennt die Wege, die in eine solche Krise münden. Jene Wege, die aus dem Tal herausführen, erarbeitet er gemeinsam mit den Schuldnern, die zu ihm in die Beratungsstelle der Diakonie in Borna kommen. Sie befindet sich – Zufall oder nicht – kaum einen Steinwurf vom Amtsgericht entfernt.

Mit einem Finanzberater möchte der Mann, der erst Erziehungswissenschaften und dann Psychologie studierte und der später im Strafvollzug jungen Leuten berufliche Perspektiven aufzuzeigen suchte, nicht verwechselt werden. Er sieht sich vielmehr als Lebensberater, getreu seines Credos: „Das Beste, was ich tun kann für die Leute, ist ehrlich zu sein."

170 bis 200 verschuldete Menschen betreut Ulf Bierbaum Jahr für Jahr – ältere und jüngere, Alleinerziehende, Familien, Rentner. Nicht wenige von ihnen begleitet er über einen längeren Zeitraum; manche, die es nicht geschafft haben, erneut. Hochgerechnet auf seine drei Diakonie-Mitstreiter Karla Darlatt (Grimma), Christel Wetzold/Sandra Winkler (Wurzen) sowie Martin Schroeder (Borna, Markkleeberg) sind es wohl an die knapp 1000 Schicksale, mit denen sich die Schuldnerberater im Landkreis befassen. Wohlbemerkt: Schuldnerberatung bieten hier auch andere an. Und die Dunkelziffer derer, die diese Hilfe nicht suchen, dürfte enorm sein.

„Erfahrungsgemäß nehmen nur zehn bis 15 Prozent, die Beratung nötig hätten, sie auch an", schätzt Bierbaum ein. Die Tendenz der Nachfragen sei trotzdem steigend. „Bei mancher Familie schließt sich inzwischen der Kreis. Die Finanzprobleme der Eltern gehen auf die nächste Generation über", sagt Bierbaum. Das sei ein deutliches Zeichen dafür, dass nicht Verschwendungssucht Regie führt, sondern dass die finanziellen Verhältnisse vieler von vornherein wenig solide gefügt sind.

Mancher Heranwachsender sei von vornherein gehandicapt, sagt Bierbaum: „Wer einen falschen Umgang mit Verbindlichkeiten vorgelebt bekommt..." Damit stellt er klar: Um Ordnung in die Finanzen zu bringen, braucht es oft eine neue Struktur in Weltsicht und Lebensart, müssen tieferliegende Probleme aufgegriffen werden, familiäre Konflikte oder Süchte etwa. „Wichtig ist es, Primärschulden zu vermeiden", sagt Bierbaum. Heißt: möglichst Miete und Strom zahlen und etwas zum Beißen in den Kühlschrank legen. Denn wenn einer aufgelöst am späten Nachmittag in der Beratungsstelle anrufe, weil am nächsten Morgen seine Wohnung zwangsgeräumt werde, „dann kannst du nichts mehr machen. Zaubern können wir nicht."

Ein Schuldnerberater kann gemeinsam mit dem Schuldner und in Abstimmung mit den Gläubigern Strategien zum Schuldenabbau entwickeln. Die letzte Tür ist die Privatinsolvenz, in Bierbaums Augen entgegen manch falscher Erwartung alles andere als der Königsweg. Immerhin bietet er dem, der sechs Jahre die Erfüllung aller Vereinbarungen durchhält, Schuldenfreiheit. Schulden können schnell auflaufen: Da werden Handyverträge nicht mehr bedient. Da ist die Waschmaschine auf Raten gekauft, und plötzlich klingelt der Mann vom Inkasso-Büro. Unterhalt für Kinder ist ein Dauerthema, der Finanzkollaps infolge Krankheit oder Trennung.

In letzter Zeit kämen häufiger auch Ältere, deren Rente nicht reiche für alle Verbindlichkeiten. Helfen, sagt Ulf Bierbaum, könne ein Berater nur dem, der bereit sei, diese Hilfe anzunehmen, der bereit sei, sich zu verändern. Je eher jemand Beratung suche, desto geringer seien die Schmerzen, die mit diesem Prozess verbunden seien. „Frauen kommen üblicherweise früher als Männer. Möglicherweise machen sie sich ein paar mehr Gedanken um die Zukunft." Nicht zuletzt wohl deshalb, weil sie in vielen Fällen Kinder versorgen und Familien zusammenhalten.  Die Schuldnerberatung der Diakonie Leipziger Land in Borna ist unter der Telefonnummer 03433/274020 erreichbar. Beratung wird außerdem in Grimma, Wurzen, Geithain, Markkleeberg und Markranstädt angeboten.

Ekkehard Schulreich

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Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 62,44km²

Einwohner: 20.382 Einwohner (Dezember 2016)

Bevölkerungsdichte: 326 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04552

Ortsvorwahlen: 03433

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