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Historischer Appell in Pegau

Historischer Appell in Pegau

"Na, sind die Russen schon da?", fragte einer der vielen Besucher, die zum Kirchplatz strömten. Trotz donnerstäglichem Arbeitstag wollten etwa 300 Leute den historischen Appell erleben.

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Der Pegauer Appell war der Auftakt der großen Veranstaltung des Scharnhorstkomitees Großgörschen zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht.

Quelle: Jakob Richter

Doch noch war kein Uniformierter weit und breit zu sehen. Erst kurz vor 11 begann das Spektakel. Unter Trommelwirbel und mit einer großen Fahne marschierten die Soldaten auf den Platz. Eigentlich waren mehr als 120 von ihnen angekündigt, tatsächlich kam nur knapp ein Drittel, darunter drei Befehlshaber zu Pferde. Sie nahmen vor der Kirche Aufstellung, präsentierten ihr Gewehr vor General Blücher, eine Zentralgestalt unter den preußischen Feldherren.

Heute spielt diese Rolle Klaus Beckert. "1988 wurde jemand für den Blücher gesucht. Er sollte alt sein und reiten können. Ich war der einzige, der beide Kriterien erfüllte", erzählte der 76-Jährige aus Liebertwolkwitz mit einem Schmunzeln. Dass nicht mehr Traditionsgruppen in Pegau dabei sein können, liege am Werktag. Für viele Berufstätige sei es schwierig, freizubekommen. Einige hätten jedoch ihr Biwak schon in Großgörschen aufgeschlagen. Auch er selbst kampiere draußen. Nachts ist es recht kalt, doch was sei dies schon gegen das Soldatenleben vor 200 Jahren. "Die Preußen hatten ja nicht mal Zelte, die haben neben dem Feuer geschlafen!" Als die kleine militärische Abordnung den Kirchplatz wieder verlassen hatte, näherte sich ein Soldat dem General mit den Worten: "Exzellenz, ich möchte fragen, ob Sie ein bäuerliches Getränk wollen?" Blücher nickte wohlwollend.

Einer der "kleinen" Soldaten ist Jürgen Klonczynski. Er interessiert sich für Heimatgeschichte und Fotografie. Als er einmal eine nachgestellte Schlacht fotografierte, sagte jemand: "Mach doch bei uns mit!" Seit 2005 trägt er die schwarze Uniform des Lützower Freikorps. Sie sei schwarz, weil so auch die einfachen Menschen damals Lützower Jäger werden konnten, indem sie ihre Sachen dunkel färbten. Morgen zieht der Markkleeberger mit seiner Frau ins Biwak nach Großgörschen, wieder einmal. Dort schlafen sie auf Stroh, essen von Zinntellern und wärmen sich am Feuer. Da gibt es kein Handy, keine Dusche, keine Heizung. Und auch "okay" sollte niemand sagen. "Es ist recht" würde passen. "Es ist wie eine Zeitreise. Man stellt sein Auto ab, schaltet um und ist in einer anderen Welt", sagte der 64-Jährige. Er und seine Mitstreiter wollen damit Geschichte lebendig darstellen. "Es geht keineswegs um Kriegsverherrlichung", so Klonczynski. Im Gegenteil, ihm sei wichtig zu zeigen, wie auch in jenem Krieg damals der einfache Soldat oft belogen und "verheizt" wurde. Während zur Völkerschlacht die Länder gegeneinander kämpften, würden die Traditionsvereine heute abends im Biwak freundschaftlich am Feuer sitzen: Tschechen, Polen, Deutsche, Russen, Franzosen...

Einer der Zuschauer ist der Groitzscher Stefan Treuger. Sicher sei es immer eine Gratwanderung, Krieg darzustellen, aber: "Hier wird Weltgeschehen ins Gedächtnis zurückgerufen, das auch in Groitzsch und Pegau stattgefunden hat. Beim Vortrag schlafen die meisten ein, doch hier wird Geschichte lebendig erzählt", sagte der Ex-Schulleiter.

Der Pegauer Appell war der Auftakt der großen Veranstaltung des Scharnhorstkomitees Großgörschen zum 200. Jahrestag der Völkerschlacht. Heute lädt ein internationaler Museumstag in dem Ort ein. Morgen, 15 Uhr, findet eine große Gefechtsdarstellung mit rund 2000 Beteiligen statt. Am Sonntag ist ab 11 Uhr ein Umzug durch die vier Ortsteile von Großgörschen geplant.

 

 

Hintergrund

Auch in der Pegauer Region ereignete sich Historie in den Tagen der Völkerschlacht. In den Morgenstunden des 2. Mai 1813 sammelten sich preußische und russische Verbände nach dem Übergang der Elster in Pegau. Ziel sei gewesen, die biwakierenden französischen Hauptkräfte in Großgörschen, Kaja, Kleingörschen und Rahna anzugreifen. Im heutigen Napoleonhaus auf dem Pegauer Kirchplatz nächtigte der französische Feldherr einen Tag später, am 3. Mai. Napoleon erreichte an jenem Tag gegen 15 Uhr die Stadt. Er gab Befehle, Pegau zu sichern, erwartete er doch immer noch einen Angriff. Zu dieser Zeit schwebte Pegau in höchster Gefahr. Doch um eine französische Umklammerung zu verhindern, kam für die Russen und Preußen der Rückzugsbefehl und die Stadt war gerettet. Die französischen Behörden wiesen nun an, Straßen und Plätze von Toten und Verwundeten zu räumen. 20000 Mann sollen damals in Pegau gewesen sein, viele hungernd und nur mit einem Schluck Wasser abgespeist.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 03.05.2013

Carell-Domröse, Claudia

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