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Hochwasser-Debatte in Pegau

Hochwasser-Debatte in Pegau

"Warten auf die nächste Flut?" - ein Forum mit dieser provokanten Fragestellung zog vorgestern Abend fast 200 Menschen ins Pegauer Volkshaus. Nach den dramatischen Juni-Tagen an der Weißen Elster sind die Pegauer und die Einwohner der umliegenden Ortschaften besorgt, dass notwendige Hochwasser-Schutzmaßnahmen auf der Strecke bleiben könnten.

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Unter Moderation der SPD-Landtagsabgeordneten Petra Köpping standen Rede und Antwort: Axel Bobbe, Leiter des Röthaer Betriebes der Landestalsperrenverwaltung, der SPD-Fraktionschef im Landtag, Martin Dulig, Pegaus Bürgermeister Peter Bringer und Andreas Berkner, Leiter des Regionalen Planungsverbandes Leipzig-Westsachsen.

Quelle: Frank Prenzel

Pegau. Kritik wurde vor allem an der Status-quo-Erneuerung der Bundesstraße 2 bei Audigast geübt.

 

 

Zu dem Forum hatten die SPD-nahe Friedrich-Ebert-Stiftung und die SPD-Landtagsabgeordnete Petra Köpping, die auch die Moderation übernahm, eingeladen. Mit Axel Bobbe, Leiter des Röthaer Betriebes der Landestalsperrenverwaltung, Andreas Berkner, Chef des Regionalen Planungsverbandes Leipzig-Westsachsen, Pegaus Bürgermeister Peter Bringer (parteilos) und dem SPD-Fraktionschef im Landtag Martin Dulig war das Podium kompetent besetzt. Ein Vertreter des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) hätte der Runde jedoch gut getan, denn die Pegauer umtreibt die hochliegende B 2 bei Audigast, die wie ein Damm wirkt und das Wasser in Richtung des Elsterstädtchens aufstaut.

Millionenschäden

Bringer hatte eingangs erläutert, dass das Juni-Hochwasser in Pegau allein an der kommunalen Infrastruktur Schäden in Höhe von sechs bis sieben Millionen Euro hinterlassen habe. Hinzu kämen die Schäden bei privaten Haushalten und Gewerbetreibenden, die er nicht beziffern könne. In den dramatischen Tagen mussten laut Bringer 1200 Einwohner vorsorglich evakuiert werden. "Zum Glück trotzten die Deiche bei Wiederau und Weideroda den Wassermassen" - dank Hunderter Helfer.

Bobbe führte vor Augen, dass nach dem Hochwasser 2002 in der Elsterregion zwei Projekte umgesetzt wurden: die Sedimentberäumung des Profener Elstermühlgrabens, weshalb jetzt Pegaus Kernstadt trocken geblieben sei, und der Neubau des Wehres Weideroda. Bis ins erste Halbjahr 2014 dauere die Sanierung des sogenannten Edeldamms, der im Juni zwar hielt, aber deformiert und im Inneren zum Teil zerstört sei. Zudem gebe es inzwischen Baurecht für das Absperrwehr in Elstertrebnitz, Bobbe rechnet hier mit der Fertigstellung im Jahr 2015.

Projekt-Paket auf Eis

Der Talsperrenmeister zählte vier weitere Projekte auf, die dem Schutz Pegaus dienen sollen, die aber über die Vorplanung bislang nicht hinausgekommen sind und für die derzeit auch kein Geld zur Verfügung steht: Neubau eines Wehres an der B-2-Brücke (zur Drosselung des nach Pegau fließendes Wassers der Weißen Elster), Umbau der B 2 von Profen bis Pegau zum Deich, Eindeichung der Probsteisiedlung, Ausbau des alten Bahndamms zum Deich. Laut Bobbe sei das ein Bauvolumen von neun Millionen Euro, ein Einzelprojekt anzufassen, mache keinen Sinn.

Ein anderes Problem benannte Regionalplaner Berkner: "Es gibt kaum einen Fluss in Deutschland, der so oft über Staats- und Ländergrenzen wechselt." Das erschwere den wirksamen Hochwasserschutz. Berkner brachte ein Beispiel aus der Nachbarschaft: "Seit Jahren bemühen wir uns um den Haselbacher See als Speicher für die Schnauder, doch wir kriegen das mit Thüringen nicht hin." Bürgermeister Bringer kritisierte in dem Zusammenhang, dass es nicht einmal eine länderübergreifende Internetplattform für die Pegelstände und die Lage an der Weißen Elster gibt.

SPD-Fraktionschef Dulig sagte, dass der Hochwasserschutz im Landesentwicklungsplan zwar ein eigenes Kapital habe, qualitativ aber hänge er den Entwicklungen hinterher. Das Wassergesetz wiederum sei beschlossen worden, ohne die Erfahrungen der diesjährigen Flut einzuarbeiten.

Die Pegauer sorgen sich natürlich in erster Linie um ihr Hab und Gut und kennen die Schwachstellen zur Genüge. Marcel Pilz von der Interessengemeinschaft Elsteraue war der Erste, der auf den Rückstau an der B 2 bei Audigast einging. "Das ist ein Nadelöhr, warum wird die Bundesstraße nicht abgesenkt? Dann wäre das Problem gelöst, das Wasser könnte abließen", sagte er. Dass dafür laut Lasuv ein langwieriges Planfeststellungsverfahren nötig sei und die Umverlegung der B 2 infrage gestellt wäre (die LVZ berichtete), wollen die Pegauer nicht akzeptieren. Allein seit der Wende sei die Straße bei Reparaturen um 70 Zentimeter hochgenommen worden, meinte einer aus dem Publikum. Da verstehe er nicht, warum zur Absenkung ein Planverfahren nötig sei.

Kritik an Schwachstelle

Christine Schapka wohnt in der Probsteisiedlung, die es im Juni besonders schlimm getroffen hatte. 1997 habe die Mibrag einen Kohlebagger über die Weiße Elster gesetzt und das dortige Ufer begradigt, erzählte sie. Seitdem komme von dort regelmäßig das Hochwasser. "Wir haben alle informiert, aber keine Antworten bekommen." Renaldo Moritz, der ebenfalls in der Ratsziegelei lebt, meinte, die Stadt habe der Mibrag endlich eine Frist zu setzen, um den ursprünglichen Zustand wieder herzustellen. Zudem kritisierte er das Management in den dramatischen Junitagen. Die B 2 sei aufgegeben und so in Kauf genommen worden, dass Häuser absaufen. "Katastrophenschutz stelle ich mir anders vor." Rathauschef Bringer erwiderte, dass es an vielen Stellen brannte und sich jeder nach besten Kräften bemüht habe. "So eine Situation ist nicht hundertprozentig beherrschbar."

Sowohl Köpping als auch Berkner versicherten, die aufgeworfenen Probleme mitzunehmen und an die richtigen Adressaten zu bringen. Die Schwachstelle, die nach dem Baggerübersetzen entstand, sei bekannt, so Berkner. "Wir arbeiten dran."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.10.2013

Prenzel, Frank

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