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Hochwassergefahren halten Region in Atem

Hochwassergefahren halten Region in Atem

Nach drei Tagen mit ergiebigem Niederschlag schwollen die Flüsse der Region in der Nacht zu gestern plötzlich massiv an. Am kritischsten war die Lage gestern am noch nicht erneuerten Deich bei Großzössen, der zu brechen drohte.

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Bei Großzössen droht der Deich zu brechen. Mit schwerer Technik und Sandsäcken versuchen die Einsatzkräfte seit gestern, die Situation in den Griff zu bekommen. Bei einem Bruch würde das Wasser in Richtung Kahnsdorf fließen.

Quelle: Günther Hunger

Borna/Geithain. Einige Straßen mussten wegen Überschwemmung gesperrt werden.

Der rechtsseitige Wyhradeich bei Großzössen „ist zurzeit unser größtes Problem“, sagte am Nachmittag Axel Bobbe, der Leiter des Röthaer Betriebes der Landestalsperrenverwaltung. „Er droht zu brechen und überzulaufen.“ Mehr als 30 Einsatzkräfte der Flussmeisterei und der örtlichen Feuerwehren kämpften vor Ort, um den Deich der randvollen Wyhra zu verteidigen. Mit schwerer Technik und Sandsäcken gingen sie gegen die Fluten vor. Bobbe zeigte sich – am Nachmittag bei stagnierendem Wasserstand – optimistisch. „Wir sind guten Mutes und hoffen, die Situation in den Griff zu bekommen.“ Kurz nach 20 Uhr konnte er aufatmen: „Ich glaube, die Gefahr ist gebannt. War ein schweres Stück Arbeit.“

Am Pegel Streitwald kratzte die Wyhra gestern zeitweilig die Warnstufe 2 und trug in der Spitze mit 14 Kubikmeter je Sekunde eine mächtige Wasserwand gen Norden. Weil im Kohrener Raum immens viel Wasser zufloss, entschied sich Bobbes Behörde Montagabend, die Abgabe aus der Talsperre Schömbach bei Altmörbitz auf ein Minimum zu reduzieren. 20 Kubikmeter je Sekunde liefen in den Riesentrog, nur 100 Liter je Sekunde wurden in die Wyhra abgegeben. Die Talsperre war bereits zum Teil entleert, weil technische Anlagen am Grund erneuert werden sollen. Zudem wurden Eula und Wyhra in den Speicher Witznitz eingestaut, informierte Bobbe. Sonst wäre bei Großzössen das Wasser wohl über die Deichkrone gelaufen. In Borna allerdings brach in der Nacht zum Dienstag nahe des Freibades ein Uferbereich, sodass laut Bobbe die dortige Gartenanlage geflutet wurde. „Wir haben keine weiteren Leute verfügbar und können dort nichts machen.“

Das Problem begann am Montag gegen 17 Uhr „ganz rasant und flächendeckend“, sagte Bobbe. Die Wasserstände seien förmlich explodiert. Am Regiser Pleißepegel sei zum Beispiel die 50-fache Wassermenge als sonst durchgeflossen. Die Mulde in Grimma sei in der Nacht um 1,70 Meter gestiegen. „Das ist unglaublich.“ Bobbe erläuterte das Phänomen. Anders als bei einem Starkregen hätten die Felder in den ersten Tagen den Landregen noch aufnehmen können. Dann „waren sie mit einem Schlag gesättigt“ und der Niederschlag floss von den Flächen ungebremst in die Flüsse.

So in die Eula, die vielerorts über die Ufer trat. Erst am Speicher Witznitz hat die Talsperrenmeisterei die Möglichkeit, dem Fluss Wasser zu entnehmen. Die Pleißepegel in Regis und Böhlen erreichten gestern die Warnstufe 2. Die Wasserflut der Pleiße wurde an der „Adria“ vorbeigeführt und dafür das Speicherbecken Stöhna geöffnet. Entspannt zeigte sich die Lage an der Weißen Elster, wo gestern Mittag bei Kleindalzig die Warnstufe 1 erreicht wurde. „Hier bekommen wir noch Wasser, aber nicht so viel wie im August“, sagte Bobbe. Heute wird bei Kleindalzig die Alarmstufe 3 erwartet, hieß es am Abend.

Zum Teil wurden in der Region Fahrbahnen überflutet und so der Straßenverkehr behindert. Gegen 23 Uhr musste die Deutzener Straße in Borna gesperrt werden, informierte Polizeioberkommissar Jörg Hopperdietzel vom Bornaer Revier. Wie so oft sammelten sich in der Senke bei der Kommunalentsorgung die Wassermassen. Gegen 5.30 Uhr hätten Bürgermeister und Feuerwehr auch die überflutete Kreisstraße bei Tautenhain abgeriegelt. Zwischen Dittmannsdorf und Braußwig ging es nicht weiter, ebenso auf der B-95-Abfahrt nach Eula. Land unter hieß es gestern den ganzen Tag auf der Dorfstraße im Geithainer Ortsteil Theusdorf, weil der Ossabach über seine Ufer trat. Wegen der Gefahr, dass der Hang abrutscht, musste in Kohren-Sahlis der Sportplatzweg zwischen Frohburger Straße und der Sportstätte gesperrt werden.

Was vom Himmel herab kam, haben die Wetterbeobachter der Region genau erfasst. Im Raum Frohburg sind von Sonnabend, 11.50 Uhr, bis gestern, 7 Uhr, exakt 108,3 Liter je Quadratmeter Regen gefallen, informierte Ronald Reiß. Beim Jahrhundert-Hochwasser 2002 seien es rund 100 Liter je Quadratmeter gewesen, damals aber innerhalb von nur 24 Stunden. Im Bornaer Ortsteil Neukirchen wurden allein vorgestern 55 Liter Regen pro Quadratmeter gemessen. „Das entspricht der monatlichen Niederschlagsmenge“, erklärte Stefan Ladisch von der privaten Wetterstation Neukirchen-Wyhra.

Thomas Lang

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