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Honig und Hilfe für die Natur: 140 Jahre organisierte Imkerei im Raum Borna

Jubiläum Honig und Hilfe für die Natur: 140 Jahre organisierte Imkerei im Raum Borna

Die Bienen sind längst unterwegs, um ihre Königin zu ernähren und Nektar zu sammeln. Der Imkerverein Borna und Umgebung wird unterdessen im April 140 Jahre alt. Gelegenheit zum Feiern ist allerdings nicht.

In einer Schale mit Kieseln und frischem Wasser können die Bienen ihren Durst stillen.

Quelle: André Neumann

Borna/Rötha. Sie fliegen schon längst wieder. Nicht erst seit den jüngsten warmen Tagen sind die Bienen draußen auf Nahrungssuche, sagt die Röthaer Imkerin Sonja Sonneck, sondern schon seit die Temperaturen bis auf zehn Grad gestiegen sind. Für die 37 Mitglieder des Imkervereins Borna und Umgebung beginnt jetzt nicht nur die neue Saison, sie können auch auf 140 Jahre organisierte Imkerschaft in der Region zurückschauen.

Zum Feiern ist allerdings keine Gelegenheit, fällt doch die Gründung des damaligen „Bienenwirtschaftlichen Bezirksverbandes der Amtshauptmannschaft Borna“ genau in die Zeit, in der der Imker reichlich zu tun hat. Deswegen findet im April nicht einmal eine Mitgliederversammlung des Nachfolgevereins der am 15. April 1877 registrierten Vereinigung statt.

Dennoch möchte Sonja Sonneck, Imkerin aus Rötha, an das Datum erinnern. Die Vorsitzende des Imkervereins hat in ihrem Garten elf Bienenvölker stehen, die alle gut über den Winter gekommen seien. Im Verein seien es rund 300 Völker, jedes mit rund 30 000 bis 50 000 Bienen, die alle fleißig ihre Königin füttern, damit die ungefähr 2000 Eier am Tag legen kann, aus denen wieder fleißige Bienen schlüpfen. Nur so kann das Bienenvolk überleben und wachsen, denn eine Arbeitsbiene, sagt Sonja Sonneck, lebt im Sommer höchstens vier Wochen. „Sie arbeitet sich tot“.

1877 gab es allein rund um Rötha 56 Imker, mehr als in vielen anderen Vereinen. In der DDR wurden die Bienenzüchtervereine als Imkersparte dem VKSK (Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter) angegliedert, 1991 organisierten sich die Imker wieder in eigenständigen Vereinen. Der des Raumes Borna hatte seinen Sitz zunächst in Kitzscher, seit 1999 in Borna.

Sonja Sonneck wurde 1987 gewissermaßen in die Imkerei geschubst. Ein Freund ihres Mannes hatte gesagt: Ihr müsst in euerem großen Garten Bienen haben. Zum Zögern und Überlegen blieb nicht viel Zeit. Ein paar Tage später fand sie eine Beute mit einem Volk in ihrem Garten und das Buch „300 Ratschläge für den Imker“. Das hat sie heute noch. Und noch im selben Jahr aß die Röthaerin den ersten selbst gewonnenen Honig.

Damals trat sie mit 37 Jahren auch dem Imkerverein bei, in dem die meisten Mitglieder betagte Rentner waren. 2011, als Sonja Sonneck zur Vorsitzenden gewählt wurde, zählte der Verein 20 Mitglieder, sie war die einzige Frau. Heute gehören 37 Imker zum Verein, darunter sind fünf Frauen. „Tendenz steigend“, freut sich die Chefin. Das kann auch an einem neuen Trend in der Imkerei liegen. Jüngere Menschen schaffen sich Bienen nicht vordergründig an, um Honig zu verkaufen, sonder sie wollen der Natur helfen, sagt Sonja Sonneck.

Den Zusammenhang zwischen Biene, Natur und Mensch hat Albert Einstein einmal in zwei Sätzen zusammengefasst: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“

Um den Honig, diese süße und gesunde Leckerei, geht es selbstverständlich auch. Und davon haben die Imker des Bornaer Vereins eine ganze Menge zu bieten. Auf den Frühtrachthonig folgen Raps, Robinie und Linde, Sommertracht und Herbsttracht, einige bieten im Herbst auch Honig von der Goldrute an. Wer nicht gemischten Honig aus EG- und Nicht-EG-Ländern essen möchte, wie ihn die Supermärkte anbieten, der findet gewiss einen Imker in seiner Nähe oder schaut sich auf dem nächsten Wochenmarkt um. Im Glas mit Aufdruck und dem Etikett des Deutschen Imkerbundes findet sich Honig aus der Region.

Von André Neumann

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