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Borna Hotels und Restaurants im Landkreis Leipzig suchen dringend Fachkräfte
Region Borna Hotels und Restaurants im Landkreis Leipzig suchen dringend Fachkräfte
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00:22 11.11.2017
Quelle: Thomas Kube
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Landkreis Leipzig

Gäste betreuen, schmackhafte Spezialitäten auftischen, Getränke ausschenken, Hotelzimmer herrichten, sich um die Wäsche kümmern und in der Küche aushelfen – alles anspruchsvolle Aufgaben, für die es immer schwieriger wird, gut ausgebildete und motivierte Mitarbeiter mit Berufserfahrung zu finden. Vor allem in stark ländlich geprägten Regionen spitzen sich die Probleme für das Hotel- und Gastgewerbe mehr und mehr zu. Der Kreis Leipzig ist da keine Ausnahme. Anfang des Jahres musste das Geithainer Schützenhaus aufgeben, weil der Pächter kein geeignetes Personal fand (die LVZ berichtete).

Fachkräfte gibt es im ländlichen Raum zu wenige, sagt Jan Brunswig, Inhaber des Hotels Leipziger Land in Geithain. „Die Zahl tendiert gegen Null.“ Für seine Einrichtung mit 23 Zimmern sucht er Mitarbeiter an der Rezeption und im Service, in erster Linie Allroundkräfte, Leute, die von allem ein bisschen können. Obwohl einiges getan werde, um die Lage im Gastgewerbe zu verbessern, würden noch immer viele Steine im Weg liegen, meint der Geschäftsmann und verweist auf das Arbeitszeitgesetz, das eine tägliche Arbeitszeit von acht Stunden als Höchstwert nennt. „Früher konnte man das mit dem Personal noch einvernehmlich lösen, heute geht das nicht mehr.“

Immer weniger junge Leute lernen in der Gastronomie

Im Landkreis Leipzig hat sich die Nachfrage nach Fachpersonal erhöht, sagt Thomas Hofmann, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Leipzig. Die Zahl der Beschäftigten im Gastgewerbe, aber auch der Beherbergungsbetriebe, Betten, Ankünfte und Übernachtungen sei in den vergangenen Jahren gestiegen. Bei den Übernachtungen etwa betrage das Plus 19,4 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010. Diese Entwicklung erhöhe laut Hofmann allerdings den Wettbewerbsdruck innerhalb der Branche bei der Findung und Bindung von qualifiziertem Personal. In ländlich geprägten Regionen kämen weitere Hürden hinzu, etwa der demografische Faktor. „Das bedeutet beispielsweise für den Azubi-Bereich: weniger junge Menschen, die als potenzielle Auszubildende überhaupt in Frage kommen“, so der IHK-Chef. Aktuell seien bei der Kammer für den Landkreis Leipzig 69 Ausbildungsverhältnisse im Hotel- und Gaststättengewerbe eingetragen. Seit 2010 sei ein Rückgang um knapp 42 Prozent zu verzeichnen.

Große Probleme, geeignetes Personal zu finden, hat Michael Alexander aus Groitzsch. Der Inhaber vom Hotel und Restaurant Weißes Roß sucht händeringend Küchen- und Pauschalkräfte. „Der Markt ist leer gefegt“, kommentiert er, spricht von einer „desolaten Situation“. Den Bewerbern, die sich bei ihm melden, mangelt es nicht nur an der Qualifikation. Sie überschätzen sich auch, sagt der Hotelleiter, halten nicht das, was sie in ihrer Bewerbung versprechen, oder haben völlig falsche Vorstellungen. Teilweise werde gewünscht, am Wochenende oder an Feiertagen frei zu haben. „Man sollte sich vorher klarmachen, worauf man sich in dem Gewerbe einlässt“, so Alexander.

Gibt es demnach einen Fachkräftemangel im Landkreis? Das Fazit von Cordula Hartrampf-Hirschberg, Leiterin der Arbeitsagentur Oschatz, die auch für den Kreis Leipzig zuständig ist, lautet: „Erhöhter Fachkräftebedarf ja, Fachkräftemangel nein.“ Nach Angaben der Behörde existierten im Landkreis per erstem Quartal 2017 insgesamt etwas mehr als 2300 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze im Bereich Hotellerie und Gastronomie. „Über die letzten Jahre ist diese Zahl, abgesehen von saisonalen Schwankungen, gewachsen“, bemerkt Hartrampf-Hirschberg. Zuletzt habe das Plus rund 90 Arbeitsplätze respektive vier Prozent innerhalb eines Jahres betragen. Hintergrund sei die touristische Weiterentwicklung der Neuseenlandschaft im Südraum der Messestadt. Etwa 1500 Aushilfskräfte sind zudem auf Basis einer geringfügigen Beschäftigung im Einsatz.

Trotz der wachsenden Zahl an Arbeitsplätzen bestätigt die Arbeitsagenturchefin die mühevolle Suche nach qualifiziertem Personal. Die Lage und Verteilung der Arbeitszeit, in gewisser Weise auch die Mobilität sollen dafür unter anderem eine Rolle spielen. Hotelleiter Alexander findet, dass die Probleme, die die Branche beschäftigen, von der Politik nicht wahrgenommen werden. Dabei könnte eine veränderte Gesetzeslage seiner Ansicht nach die Situation in Zukunft durchaus verbessern.

Rund 50 Stellen in der Hotel- und Gastronomiebranche sind derzeit im Kreis Leipzig zu besetzen und bei der Arbeitsagentur gemeldet. Betroffen ist das seit Frühjahr 2016 bestehende, direkt am Hainer See gelegene Restaurant Gut Kahnsdorf in Neukieritzsch, das besonders von Urlaubern lebt. Dort hat unlängst eine Köchin gekündigt. „Sie wurde massiv abgeworben“, erzählt Inhaber Lars Richter. Neben der Kochstelle ist noch ein Posten als Servicekraft zu besetzen. Die Suche gestaltet sich schwierig – trotz umfangreicher Bemühungen. Richter hat sich an die Arbeitsagentur gewandt, wirbt auf Facebook, inseriert bei Ebay Kleinanzeigen. Überdies verlange ihm die Bürokratie viel ab. Es herrsche eine extreme Dokumentationspflicht, klagt er. Um geeignetes Personal zu bekommen und zu halten, meint der Gastronom, sei „ein attraktives Gesamtpaket aus gutem Betriebsklima und angemessener Bezahlung“ nötig.

Annoncen geschaltet, das Arbeitsamt kontaktiert – Mittel, zu denen auch Kristin Bäumler vom Hotel Schlossblick in Trebsen gegriffen hat, bislang vergebens. Die Geschäftsführerin hat „extreme Probleme“, neue Köche und Kellner zu finden. Die Leute, die ihr vermittelt werden, erscheinen teilweise nicht, sagt sie, oder haben Kinder und lehnen deshalb die Arbeitszeiten ab. „Es ist so traurig. Wir müssen manchmal aufpassen, wie viele Gäste wir aufnehmen, da unser Küchenpersonal sonst nicht alle angemessen mit Speisen versorgen kann.“

Andreas Altmann hat vor kurzem zwei Zimmerfrauen gesucht. Die Resonanz sei dürftig gewesen. Um die Stellen zu besetzen, musste der Inhaber der Goldenen Kugel in Naunhof Abstriche bei der Qualifikation hinnehmen. Auch weil es ihm wichtig ist, Leute aus der Region einzustellen. „Die Bereitschaft, die Ärmel hochzukrempeln, ist kaum noch vorhanden“, findet der 60-Jährige. Sein Restaurant hat Altmann inzwischen geschlossen, er betreibt nur noch die Pension. Das tut er immerhin seit 25 Jahren. „Es ist zwar anstrengend, aber ich mache es eben gerne.“

Von Matthias Klöppel

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