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"Ich habe kein Feuer gelegt"

"Ich habe kein Feuer gelegt"

Pegau/Leipzig. Rund 650 000 Euro Schaden entstanden bei einem Brand am 21. Januar 2012 in der Carsdorfer Straße in Pegau. Ein Getränkemarkt, ein griechisches Restaurant, ein Friseur und ein Versicherungsbüro brannten trotz des schnellen Einsatzes der Feuerwehren aus.

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Ein Foto aus der Brandnacht: Die Kameraden mehrerer Feuerwehren waren damals stundenlang im Einsatz. Das frühere Einkaufszentrum ist heute verwaist.

Quelle: Olaf Becher/LVZ-Archiv

er Feuerwehren aus. Gestern begann am Amtsgericht Leipzig der Prozess um die Brandstiftung und einen zuvor begangenen Einbruch in jener Nacht. Das Gericht muss viele Zeugen hören, um Licht ins Dunkel der widersprüchlichen Aussagen der beiden Männer auf der Anklagebank zu bringen.

Sie kennen sich bereits aus der Schule, waren damals "beste Kumpels", die mangels Arbeit viel Zeit miteinander verbrachten. Alkoholkonsum gehörte dazu. Auch in der Tatnacht wurde den Angeklagten zufolge reichlich getrunken: am Bahnhof in Pegau, in einer Garage, später in der Wohnung einer Freundin. Dort gab es Streit - Christian B. (27) flog daraufhin raus. Auf dem Weg nach Hause kam der Arbeitslose am Getränkemarkt vorbei. Die Idee, dort einzubrechen, sei ihm spontan gekommen, ließ er gestern über seine Verteidigerin Kerstin Linnemann erklären. Mit einem Gullydeckel schlug B. eine Scheibe ein, stellte einen Einkaufswagen für das Diebesgut bereit und stieg in den Markt ein. Er habe Denny R. (29) angerufen und zum Markt bestellt, schilderte dessen Anwalt Reinhard Baehr. Der Kumpel ging prompt hin und half beim "Bruch" und dem Abtransport der Beute - diverse alkoholische Getränke und Zigaretten im Wert von circa 600 Euro.

Mit dem Diebesgut ging es danach zum Großvater von R., der verständlicherweise nicht begeistert war und damit nichts zu tun haben wollte. Später verständigte R. seine Mutter, die beide chauffierte und die gestohlenen Waren wegschaffte. Bis zu diesem Punkt sind sich beide relativ einig, das Geschehen danach wird komplizierter. Die Anklageschrift geht davon aus, dass Christian B., weil er sowohl den Rucksack als auch sein Handy vermisste, gegen 4.15 Uhr erneut zum Getränkemarkt ging, um dort nach seinen Sachen zu suchen. Er soll in den Büroräumen ein Feuer entzündet haben, um besser sehen zu können. Schließlich sei er, so die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft, gegangen, ohne sich zu vergewissern, ob das Feuer aus war.

Christian B. bestreitet das. "Ich habe definitiv kein Feuer gelegt", sagte er. Es sei hell genug im Markt gewesen. Er sei noch mal in Richtung Markt gelaufen, um den Einkaufswagen zurückzubringen. Bereits auf halbem Wege habe er gesehen, dass es brennt. Er will den Wagen auf einer Rampe entsorgt haben und zurückgekommen sein.

Er habe "schon öfter Mist gebaut, aber so etwas nicht", versicherte B. im Gerichtssaal. Noch bis August diesen Jahres sitzt er in der JVA Zeithain eine Strafe in anderer Sache ab. Er möchte nach seiner Entlassung zur Mutter nach Frankfurt/Main und "ein neues Leben anfangen". Wenige Tage nach dem Brand trat er seine erste Haftstrafe an.

Einer Zeugin zufolge soll B. mit dem Brand geprahlt haben. Für ihn sind das Lügen, er könne sich nicht erklären, weshalb "alle gegen mich sind". Bei der Polizei hatte er zunächst alles bestritten und später alkoholbedingte Erinnerungslücken vorgegeben. In der Haft sei ihm - durch Kontakt mit anderen - einiges klar geworden.

Das Verfahren war ursprünglich am Landgericht zugelassen worden. Eine Strafkammer kam zu der Ansicht, dass es sich möglicherweise statt einer vorsätzlichen um eine fahrlässige Brandstiftung in Tateinheit mit Sachbeschädigung handeln könne und verwies daraufhin ans Schöffengericht. Begründung: Die zu erwartende Strafe liege nicht über vier Jahren. Der Prozess wird am 6. Juni fortgesetzt.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 24.05.2014
Saskia Grätz

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