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„Ich und die anderen...“: Die inklusive Band der Bornaer Lebenshilfe rockt

Musik für alle „Ich und die anderen...“: Die inklusive Band der Bornaer Lebenshilfe rockt

Elf Musiker, ein Ziel: Gemeinsam Spaß an der Musik haben. Die Lebenshilfe in Borna hat eine Rockband, die zeigt, was Inklusion bedeutet und wie sie funktioniert. Und das, obwohl oder gerade weil es keine pädagogischen Hintergedanken gibt.

Die Band der Lebenshilfe Borna „Ich und die anderen...“ im Probenraum im Gewerbegebiet Waldstraße in Zedtlitz (v. li.): Michael Mäder, Riccardo Vetter, Manfred Lehmann, Christin Matthes, „Busfahrer“ und Werkstattleiter Olaf Bräuer (hockend im Vordergrund), Bandleiter Martin Kolbe (hinten, schwarzes Hemd), Danilo Kirsten, Student Felix Hösler (mit Gitarre), Maik Eggert, Jens Kuhnert und Holger Sieger.

Quelle: Andreas Döring

Borna. Einmal quer durch die Werkstatt und dann links. Hinter einer unscheinbaren grauen Tür wummert ein Schlagzeug, dumpfe Klänge eines E-Pianos. „Alt wie ein Baum“, eine tiefe Stimme und eine klare, sehr hohe.„Ich und die anderen...“, die inklusive Band der Lebenshilfe Borna, probt in der Zweigwerkstatt in Zedtlitz. Alle zwei Wochen am Montagnachmittag kommen die elf Mitglieder zusammen, üben ihre Songs oder probieren sich an neuen Stücken.

Inklusion bedeutet Zugehörigkeit. In der Pädagogik konkret, dass Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen gemeinsam mit Menschen ohne Einschränkungen lernen und leben. Oder eben musizieren. Das klappt in der Band sehr gut. Wenn man mit Bandleiter Martin Kolbe spricht, fällt ein Wort ganz besonders oft: „Wir“.

„Wir“, die Band, das sind neben Bandleader Martin, der bei der Lebenshilfe arbeitet und Medizinstudent Felix, der früher als Zivi dabei war und jetzt als Sänger fester Bestandteil der Gruppe ist, vor allem Mitarbeiter der Werkstatt, namentlich Sängerin Kristin, Riccardo am E-Piano, Maik und Manfred am Schlagzeug sowie Michael, Danilo, Jens und Holger an den übrigen Rhythmusinstrumenten. Unterstützt werden sie von Olaf Breuer, dem Werkstattleiter, der in der Band unter anderem die Rolle eines Chauffeurs einnimmt.

Und die ist wichtig, denn „Ich und die anderen ...“ sind sehr gefragt. „Wir haben viele Auftritte. Auf Firmenfeiern, Stadtfesten ... Nur nicht auf Beerdigungen“, sagt Kolbe. Sieben- bis achtmal im Jahr treten sie auf. „Wobei wir den Anfragen nach auch 15 bis 20 Auftritte spielen könnten. Leider geht das nicht, da Felix durch sein Studium zeitlich sehr eingeschränkt ist“, bedauert Kolbe. Wirft man einen Blick auf das Repertoire der Band, verwundert die Beliebtheit kaum. „Wir sind durchaus eine Rockband. Spielen viele Oldies, ab und zu aber auch Schlager und Country. Vor allem Dinge, die Spaß machen“, so Kolbe.

Der 34-Jährige kam kurz nach der Gründung der Gruppe dazu, sollte eigentlich nur Unterstützer an der Bassgitarre sein. „Dass ich das Ganze mal leite, war eigentlich nicht geplant“, witzelt er. Und doch sieht es aus, als hätte er nie etwas anderes gemacht, nie was anderes gewollt. Komplett in schwarz, mit Jeans, Hemd und Boots steht der junge Mann mit der Gitarre in der Mitte des Proberaums. Um ihn herum die anderen Bandmitglieder. Alles hört auf sein Kommando. „Eins, zwei, drei vier ... Sehr gut ... Nicht schneller werden!“ Mit viel Konzentration und Hingabe folgt die Band den Anweisungen. Ruckelt es mal, wird eine kurze Pause gemacht, über die Probleme gesprochen. Und dann geht es weiter.

Die Stimmung ist gut. Die Proben machen allen Spaß. Das sieht man. Kolbe bewegt sich wie ein Dirigent durch den Raum, Riccardo, der nicht nach Noten, sondern nach Gehör spielt, wippt zum Takt der Musik. Christin schließt die Augen beim Singen und von Jens an den Kongas kommen begeisterte Zwischenrufe. Der Spaß an der Musik steht hier eindeutig im Vordergrund. „Wir haben keine pädagogischen oder therapeutischen Hintergedanken. Wir wollen einfach nur Musik machen“, sagt Kolbe. Deshalb funktioniere das Miteinander wie in jeder anderen Gruppe auch. „Manchmal hat man gute Laune, manchmal nicht.“

Wichtig ist den Musikern, dass sie wie alle anderen wahrgenommen werden. „Es ist eine Herausforderung trotz der speziellen Bedürfnisse einiger Bandmitglieder, nicht zu sehr auf den Spezial-Band-Bonus zu bauen, sondern als vollkommen normale Band wahrgenommen zu werden“, gibt er zu bedenken. Mit Blick auf Qualität und Bandbreite des Programms, das die elf gemeinsam auf die Beine gestellt haben, werden sie dieser Herausforderung gerecht.

Von Nathalie Helene Rippich

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