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Im Deutzener Ofen wird verseuchter Boden wieder sauber

Bodensanierung Im Deutzener Ofen wird verseuchter Boden wieder sauber

Wenn ein Boden so sehr verunreinigt ist, dass niemand mehr etwas damit anstellen will, kommt die Firma Are in Deutzen ins Spiel. Hier wird kontaminierter Aushub so gereinigt, dass er anschließend auf einer Abfalldeponie als Baustoff verwendet werden kann. Die zwei Hallen stehen am Nordrand von Deutzen direkt neben der Bahnlinie und der angrenzenden Tagebaukante.

Das Firmengelände des Bodensanierungsunternehmens ARE in Deutzen.

Quelle: André Künzelmann

Neukieritzsch/Deutzen. Die zwei Hallen stehen am Nordrand von Deutzen direkt neben der Bahnlinie und der angrenzenden Tagebaukante. Die Eigentümer und der Name des Unternehmens haben mehrfach gewechselt, nicht aber das Geschäft, dem die Firma seit 1993 nachgeht. Hier werden kontaminierte Böden gereinigt. Hinterlassenschaften aus der Industrie, die sonst keiner mehr haben will, kommen täglich mit Lastwagen hier an und werden hier so weit gereinigt, dass sie anschließend als Baustoff für Deponien verwendet werden können.

Seit der letzten Veränderung in der Gesellschafterstruktur heißt das Unternehmen ARE. Die drei Buchstaben stehen für Altlastensanierung, Revitalisierung und Entsorgung, erklärt Geschäftsführer Manfred Garrels, der das Unternehmen seit 2006 leitet. Sein Kollege in der Betriebsleitung, der Technische Leiter Bernd Daumann, ist schon von Anfang an dabei. Insgesamt sorgen 32 Mitarbeiter dafür, dass die Anlage in Deutzen rund um die Uhr läuft und dabei die strengen gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden. Der Jahresumsatz des Unternehmens liege bei reichlich zehn Millionen Euro, sagt Garrels.

Wenn an einem Standort der chemischen Industrie ein Gebäude oder ein Anlagenteil abgerissen wird oder einem Neubau Platz machen soll, kommt darunter häufig verseuchter Boden zum Vorschein. Dann kommen die Deutzener ins Spiel. ARE hat beispielsweise einen Jahresvertrag mit dem Chemiekombinat PCK Schwedt.

Doch auch von anderen Industriestandorten oder Altstandorten wird hier kontaminierter Boden angenommen. So war das Unternehmen an der Entsorgung von Material aus einer ehemaligen großen Kläranlage in Berlin beteiligt, reinigte Material aus einer Deponie im Elsass (Frankreich) und von einer Halde in Leuna.

Das Material wird jeweils auf Lastwagen, teilweise in Spezialbehältern in Deutzen angeliefert. Hier kommt es zunächst in eine der beiden Hallen, die nur mit Schutzanzügen betreten werden dürfen. Von dem muffigen Geruch hier drin ist draußen nichts zu spüren, ein permanenter Unterdruck sorgt dafür. In Boxen aus Betonwänden lagern in großen Haufen Tonnen von Erdmaterial. Mal ist es trocken, mal feucht, mal eher feinsandig und mal von Abbruchbrocken durchsetzt.

Radlader fahren in der Halle hin und her, bestücken die einzelnen Boxen mit vorsortiertem Material und bringen es zu dem großen Drehrohrofen. Der ist das Herzstück der Deutzener Anlage. Hier drin wird das Material, das ununterbrochen hindurchbefördert wird, auf 450 bis 600 Grad erhitzt. „Damit holen wir die Schadstoffe aus den Böden raus“, erklärt Daumann. Die werden danach bei mindestens 870 Grad in einem geschlossenen Brennraum verbrannt. Das dabei entstehende Abgas wird in mehreren Stufen gereinigt und gewaschen und durch einen Aktivkohlefilter geleitet, bevor es über den Kamin in die Atmosphäre entweicht. Den gesamten Vorgang überwacht ein Mitarbeiter an einem mit mehreren Monitoren ausgestatteten Leitstand.

Die so behandelten Böden werden zur Deponie Cröbern gebracht und dort in den Deponiekörper eingebaut. Die Anlage in Deutzen reinigt jährlich bis zu 120 000 Tonnen kontaminiertes Material. Bis zum letzten Moment wird bei dem gesamten Prozess darauf geachtet, das keine Verunreinigungen vom Firmengelände nach draußen gelangen: Bevor die Lastwagen das Betriebsgelände verlassen, durchfahren sie eine Waschanlage für die Reifen.

Von André Neumann

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