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Im Herzen immer noch Bergmann - Vater des Neuseenlandes wird heute 80

Im Herzen immer noch Bergmann - Vater des Neuseenlandes wird heute 80

In seiner Brust klopft das Herz eines Bergmannes. In seinem Kopf entstand die Vision vom Neuseenland. Unter seinen Händen veränderte sich die Bergbauregion rund um Borna in ein attraktives Erholungsgebiet.

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Gibt mit 80 Jahren eine gute Figur ab: Rudolf Lehmann, der Bergmann im Unruhestand, in seinem Haus in Neukirchen.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna/Neukirchen. Als Länderchef Westsachsen-Thüringen bei der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbauverwaltung (LMBW) hat Rudolf Lehmann bis Dezember 2000 zahlreiche Restlöcher zu Badeseen umgestaltet. Im Unruhestand verkehrt er heute auf dem Leipziger Campus, nimmt unter Jahrzehnte jüngeren Studenten im Hörsaal Platz, um neuzeitliche Geschichte zu studieren. Während eines rustikalen Bergmannsfrühstücks im Gasthof Bubendorf werden heute zahlreiche Weggefährten dem 80-Jährigen zu seinem Geburtstag gratulieren.

Dabei werden natürlich Komplimente als Geschenk gemacht. Denn der Rudolf, wie er so in seiner Bergmannskluft dasteht, sieht für sein Alter noch richtig gut aus. Nicht groß gewachsen, aber drahtig. Hinter der Brille, die etwas filigraner ausfällt als noch vor Jahren, in der Form aber ähnlich ist, schauen wache, blaue Augen in die Welt. Wer den Bergmann fragt, wie nach einem arbeitsreichen Leben der Ruhestand ausfällt, muss keine ausschweifenden Erklärungen befürchten. "Unruhig, aber das war von mir gewollt", sagt er kurz. Er taucht auch nicht in die Vergangenheit ab, um aus seinem Leben zu plaudern. Denn das findet hier und heute statt, führt ihn von Fachtagungen zu bergbaulichen Themen über Symposien zu Tagebaulandschaften bis zu Führungen durchs vertraute Revier. "Ich hatte eine Laufbahn, die nur wenigen Bergleuten vergönnt ist", sagt er selbst. Und ist dankbar dafür.

Wenn er heute viele Hände schüttelt, dann wissen die meisten Gäste, dass Lehmanns Karriere 1953 im Braunkohlenwerk Borna und ein Jahr später mit dem Studium an der Bergakademie in Freiberg begann. Als diplomierter Bergbau-Ingenieur führte er die Filterbrunnenentwässerung in den Gruben ein, schloss den Tagebau in Cospuden auf, baute Bandanlagen in Espenhain und Borna. Die Härten des Bergbaus gingen auch an ihm und seiner fünfköpfigen Familie nicht vorbei. Mit Wohnsitz in Magdeborn hat er sich quasi selbst überbaggert. Grenzerfahrungen sammelte er nicht nur bei der Kesselexplosion 1959 in Espenhain. Auch nach der Wende, als hunderte Bergleute abgewickelt wurden, litt die Seele. "Mit der Sanierung der Bergbaulandschaft wollte ich etwas zurückgeben", sagt er und zieht dabei die rechte Augenbraue hoch. So nimmt sein Gesicht ernste Züge an, wenn er über die Komplexität bei der Gestaltung von Tagebaulandschaften spricht. "Wir haben Wasser aus lebenden in tote Tagebaue gepumpt", findet er dennoch einfache Worte. Um Transparenz und sichtbaren Fortschritt sei er immer bemüht gewesen, fügt er hinzu und spart nicht mit trefflichen Beispielen fürs Gegenteil wie beispielsweise den Flughafen Berlin-Brandenburg.

Der Alte Fritz auf dem Gemälde im Wohnzimmer ist ein Fingerzeig auf Tugenden, die Lehmann pflegt. Trotz sächsischer Wurzeln liebt er preußische Exaktheit. Auch wenn der Weißhaarige über einen reichen Kenntnisschatz verfügt, zweifelt er an der absoluten Erkenntnis, die sich in den Akten abheften lässt. "In meinem Alter verfügt man nicht über Weisheit, nur über Erfahrung", stellt der 80-Jährige fest. Umtriebigkeit halte ihn geistig frisch. Diese Spannung wolle er sich lange erhalten.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 04.02.2015
Birgit Schöppenthau

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