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Immer mehr Wildunfälle im Landkreis Leipzig

1075 Tiere jährlich verletzt oder getötet Immer mehr Wildunfälle im Landkreis Leipzig

Die Zahl der Wildunfälle im Landkreis Leipzig steigt. Im vergangenen Jahr wurden 1075 Tiere angefahren und dabei meist getötet. Es gibt Bemühungen, zum Beispiel mit Reflektoren an Straßenleitpfosten solche Unfälle zu vermeiden. Der Erfolg ist jedoch nicht sicher. Jagdpächter wie Eberhard Krötzsch haben deshalb nach wie vor mit Unfalltieren zu tun – denn die Jäger entsorgen die Kadaver und erlösen verletzte Wildschweine und Rehe mit dem so genannten Fangschuss.

Ein verendetes Reh an einer Bundesstraße: In Deutschland starben im vergangenen Jahr mehr als 230 000 Tiere nach Wildunfällen

Quelle: dpa

Landkreis Leipzig. Bruno ist aufgeregt, wenn Fremde den Hof betreten. Der dreijährige Bayerische Gebirgsschweißhund springt in seinem Zwinger fast zwei Meter hoch und bellt energisch. Er ist kein normaler Wachhund. Er ist Profi, wenn es darum geht, verletztes Wild zu finden. Deshalb passt er gut zu seinem Herrchen Eberhard Krötzsch aus Gatzen bei Groitzsch. Der 63-jährige Jäger und Jagdpächter braucht solch einen Hund – zum Beispiel bei Wildunfällen.

Polizei, Landratsamt oder Stadtverwaltung Groitzsch rufen bei ihm nach einem solchen Unfall an. Gemeinsam mit drei anderen Jagdpächtern betreut er ein 1400 Hektar großes Revier. „Auf der Straße zwischen Groitzsch und Meuselwitz passieren die meisten Wildunfälle“, sagt er. Pro Jahr sind es etwa zwanzig. Tote Rehe müssen in der Regel sofort entsorgt, das heißt vergraben werden. Meist platzt bei ihnen der Pansen, also der Magen, es entweicht eine grüne Flüssigkeit, die das Fleisch verdirbt, erklärt der Jäger, „das ist eine richtige Schweinerei“.

Wildschweine werden nach Unfall auf Schweinepest untersucht

Bei Wildschweinen kann das Fleisch manchmal noch verwendet werden, zum Beispiel wenn ein Auto das Tier nur am Rüssel getroffen hat. Beim Schwarzwild müssen immer Proben entnommen werden – von Fleisch und Blut. Dabei gehe es vor allem um die Gefahr der Schweinepest und den Befall von Trichinen, einer Gattung winziger Fadenwürmer. Binnen weniger Stunden erhält der Jagdpächter vom Landratsamt Bescheid, dass das Fleisch in Ordnung ist. Allerdings verkaufe er Unfallwild nie, „ich koche es und verwende es als Hundefutter“.

Es gibt aber auch die Möglichkeit, dass sich das angefahrene Tier ins Feld oder in den Wald schleppt. Dann kommt Bruno zum Einsatz. „Er macht eine gute Arbeit“, sagt sein Herrchen. Auch ohne Schweißspuren führt Bruno den Menschen zum Unfalltier. Eberhard Krötzsch erklärt: „Das verletzte Tier sondert über die Klauen Adrenalin ab. So kann es der Hund finden.“ Selbst wenn sich Tierspuren im Wald kreuzen, gelingt es Bruno zu unterscheiden, welche Fährten vom verletzten und welche vom kranken Tier stammen. Finden Jäger und Hund das Wild, liegt es meist im so genannten Wundbett mit deutlichen Zeichen innerer Verletzungen. „Dann erlöst ein Fangschuss das Tier.“ Es gibt aber auch Unfallopfer, die stecken einen Zusammenprall mit einem Fahrzeug weg, werden nur leicht verletzt und überleben, so der Jagdpächter.

Das Aufprallgewicht eines Rothirsch bei 60 km/h beträgt mehrere Tonnen

Das Aufprallgewicht eines Rothirsch bei 60 km/h beträgt mehrere Tonnen.

Quelle: Adac

Bruno findet verletztes Tier, Fangschuss erlöst es

Krötzsch lobt die „gute Zusammenarbeit“ mit dem Landratsamt. Von der Polizei wünscht er sich, dass die Beamten in manchen Fällen eher über einen Wildunfall informieren. Fünf bis sechs Stunden Zeitabstand seien ideal. Mehr als zehn Stunden lassen das Fleisch stark verwesen – oder das noch lebende Tier unnötig leiden. Ein Reh mit zerfahrenen Vorderläufen habe Schmerzen, wenn es so lange am Straßenrand liegt.

Verantwortung für Tiere sei für einen Jäger immens wichtig, betont der Groitzscher mit 40 Jahre Erfahrung in seinem Metier. Die eigentliche Jagd sei nur der kleinste Teil seiner Tätigkeit, „die meiste Arbeit geschieht im Revier“. Fast täglich ist er in Wald und Flur unterwegs. Zum Beispiel um zu bemerken, wenn ein Fuchs die Räude hat. Das ist eine hoch ansteckende Krankheit, bei der das Tier erst das Fell verliert und dann jämmerlich stirbt. „Es ist daher wichtig, die Hunde dagegen impfen zu lassen“, rät der Jagdpächter.

Was Wildunfälle betrifft, empfiehlt er, immer die Polizei zu rufen, „schon wegen der Versicherung“. Häufig nimmt ein Gutachter das Fahrzeug danach genau unter die Lupe, um zum Beispiel Borsten vom Wildschwein oder Fellhaare eines Fuchses an der Stoßstange zu finden. Dabei hat der Jäger schon die erstaunlichsten Geschichten gehört. Einmal wollte ein Autofahrer ganz schlau sein. Er verteilte Katzenhaare an seinem Auto und erzählte dem Gutachter, er habe einen Fuchs angefahren. Der Experte stellte aber zweifelsfrei fest, von wem das Fell stammte. Und es gab Ärger.

Wildunfall – was tun?

Pro Jahr sterben mehr als 230 000 Tiere auf deutschen Straßen, vorwiegend Rehe und Wildschweine, teilt die Deutsche Wildtier Stiftung mit. Diese Unfälle passieren im Bruchteil einer Sekunde: Gerade ist die Straße noch frei – und plötzlich läuft völlig überraschend ein Wildtier vor das Auto. Der Zusammenprall – zum Beispiel mit einem Rothirsch – kann für die Insassen und das Tier tödlich ausgehen.

Im Jahr 2014 seien bei Wildunfällen rund 3000 Menschen verletzt und 27 Menschen getötet worden. Die Versicherungen beziffern den Sachschaden auf eine halbe Milliarde Euro pro Jahr. Und in der Statistik taucht nur das so genannte Schalenwild, also Rehe, Rot- und Damwild und Schwarzwild auf. Hasen, Füchse, Dachse oder gar Haustiere sind nicht erfasst.

Die Deutsche Wildtier Stiftung hat sieben Tipps für Verkehrsteilnehmer:
1. Erkennen Sie Gefahren-Zonen: Neben den Warnschildern „Achtung Wildwechsel“ sind Unfallschwerpunkte oft durch blaue Reflektoren an Begrenzungspfählen gekennzeichnet.
2. Fahren Sie bremsbereit. Behalten Sie die Straßenränder im Auge, reduzieren Sie das Tempo.
3. Machen Sie sich klar, worauf Sie achten müssen: Tier-Silhouetten oder reflektierende Augenpaare bedeuten Gefahr.
4. Halten Sie ausreichend Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug.
5. Wenn ein Tier auftaucht, bremsen Sie so stark, wie es der nachfolgende Verkehr zulässt. Blenden Sie die Scheinwerfer ab.
6. Hat bereits ein Tier die Straße überquert, rechnen Sie mit Nachfolgern.
7. Ausweichmanöver können zu schwersten Unfällen führen. Lässt sich eine Kollision nicht vermeiden, halten Sie das Steuer fest und bleiben Sie auf Ihrer Fahrbahnseite.

Entdecken Sie ein wildes Tier am Fahrbahnrand, sollten Sie dieses durch Hupen verscheuchen. Kommt es trotzdem zu einem Wildunfall, halten Sie an, markieren Sie die Unfallstelle mit Warndreieck und Warnblinker und informieren Sie die Polizei. Die Beamten schalten den zuständigen Jäger oder Förster ein und stellen für die Versicherung eine Wildschadensbescheinigung aus.

Verwundete Tiere sollten nicht angefasst werden. Zudem darf totes Wild nie mitgenommen werden. Das erfüllt den Tatbestand der Wilderei.

Ist das Tier nicht am Unfallort auffindbar, muss der Autofahrer trotzdem die Polizei informieren und die Unfallstelle so gut wie möglich beschreiben. Mit einem dafür ausgebildeten Jagdhund kann der Jäger das verletzte Wild aufspüren, ihm helfen oder von seinem Leiden erlösen.

Beim Wildunfall zahlt die Haftpflichtversicherung nichts. Sie kommt allerdings für Schäden auf, die außerhalb Ihres Wagens entstanden sind. Beispielsweise dann, wenn Sie durch den Unfall eine Leitplanke oder einen -pfosten beschädigt haben. Wurde Ihr Auto beschädigt, kann beim Wildunfall die Teilkasko- beziehungsweise die Vollkaskoversicherung für den Schaden aufkommen.

Von Claudia Carell

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