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In Kitzscher entsteht Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen

Treff ist donnerstags In Kitzscher entsteht Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen

Manchmal“, sagt Gerhard Schäfer, „wollen die Leute einfach reden.“ Vor allem dann, wenn es ihnen schlecht geht, wenn sie in ein tiefes Loch gefallen sind. Er will in Kitzscher eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen aufbauen. Der nächste Treff ist am 26. Mai.

Gerhard Schäfer will in Kitzscher eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Depressionen aufbauen.

Quelle: André Neumann

Kitzscher. „Manchmal“, sagt Gerhard Schäfer, „wollen die Leute einfach reden.“ Vor allem dann, wenn es ihnen schlecht geht, wenn sie in ein tiefes Loch gefallen sind. Der 63-jährige Ur-Dortmunder, wie er sich selbst nennt, hat diesen Wunsch von beiden Seiten kennengelernt, als Zuhörer aber auch als derjenige, der selbst Zuwendung und Aufmerksamkeit braucht. Schäfer leidet seit Jahren an Depressionen. Jetzt will er in Kitzscher, wo er seit zwei Jahren lebt, eine Selbsthilfegruppe aufbauen.

Der Mann hat viel gemacht und viel mitgemacht in seinem Leben. Er lernte den Beruf des Schreiners, arbeitet dann aber zehn Jahre unter Tage. Er war 20 Jahre lang Hausmeister bei einer evangelischen Kirchgemeinde und fuhr zuletzt Schulbus. Er erlitt einen Schlaganfall, seine Mutter starb, als er 15 war, vor knapp zehn Jahren ging seine erste Ehe in die Brüche. Zu dem Zeitpunkt merkte er, dass er Depressionen hat: „Ich wollte mich erhängen.“

Die neue Familie gibt Schäfer Halt

Gerhard Schäfer suchte sich selbst Hilfe. Er suchte Rat beim Pfarrer, der vermittelte ihn zu einem Krisenzentrum, dort erhielt er die Adresse einer Selbsthilfegruppe, deren Vorsitzender er bald wurde. Auch heute noch, sagt Schäfer, sei er selbstmordgefährdet. „Es gibt diese Gedanken immer noch, ich wache nachts auf und bin am Grübeln“, gibt er zu, sagt aber zugleich, dass seine neue Familie, die er in Kitzscher gefunden hat, ihm Halt gebe.

Eigentlich sei es Zufall gewesen, dass es ihn gerade hierhin verschlagen habe. In der Gruppe in Dortmund, erzählt Schäfer, sei ein Mann aus Leipzig gewesen. Als er dem vor Weihnachten telefonische Grüße überbringen wollte, habe der gesagt: Du, da will dich jemand kennen lernen. Es sei dann Liebe auf den ersten Blick gewesen. Die Kitzscheranerin lebte zuerst eine Weile bei ihm in Dortmund, vor zwei Jahre zogen dann beide nach Kitzscher. Eigentlich, sagt Gerhard Schäfer schmunzelnd, wollte er ja nach Österreich ziehen. Doch in Kitzscher habe es ihm bei den Besuchen auch immer gut gefallen.

Hier wollte der Rentner sich bald einbringen, ging mit seiner Idee der Selbsthilfegruppe für Menschen mit Demenz und Burnout zur Kirchgemeinde, die den Gemeinderaum für die Treffen zur Verfügung stellt. Schäfers Ansatz ist noch immer der gleiche wie der, den er auch für sich selbst verfolgte und den er recht drastisch formuliert: Die Betroffenen sollen „sich selbst aus dem Dreck ziehen“. Die Gemeinschaft könne dabei helfen.

Gemeinsame Unternehmungen geplant

Deswegen solle bei den zweiwöchentlichen Treffen auch nicht nur über die Krankheit geredet werden. Ihm schweben gemeinsame Unternehmungen vor wie Bowling und Kegeln, es gehe darum, aus seinen vier Wänden rauszukommen, sich gegenseitig zu helfen, und sei es beim Renovieren. Auch Gäste wolle er einladen, mal einen Arzt, mal einen Theologen.

Wer in ein tiefes Loch fällt, sagt Gerhard Schäfer, der gehe zum Hausarzt, dieser überweise zum Facharzt und der, wenn es schlimmer wird, in eine Klinik. Das aber sei für ihn nicht alles: „In der Selbsthilfegruppe ist man nicht alleine“, preist er deren für ihn offenbar wichtigsten Vorteil.

Die Gruppe hat sich bisher zweimal im Kirchgemeindehaus in Kitzscher getroffen. Die nächste Zusammenkunft findet am 26. Mai von 14 bis 16 Uhr statt.

Kontakt zu Gerhard Schäfer über Telefon 03433/8871078 oder 0152/06311031

Von André Neumann

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